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SPORT1-Experte Marcel Reif (l.) betrachtet Arjen Robben (M.) und Carlo Ancelotti als Schlüsselfiguren für den FC Bayern © SPORT1/imago

SPORT1-Experte Marcel Reif blickt in seiner Doppelpass-Kolumne voraus auf den Champions-League-Kracher gegen Real Madrid. Er sieht zwei Trümpfe.

Hallo Fußball-Freunde,

Borussia Dortmund hat gegen den FC Bayern eine Lehrstunde erhalten. Die jungen BVB-Spieler sind auf einen Gegner getroffen, der schon dort steht, wo sie irgendwann mal stehen wollen. Eine solche Niederlage gehört zum Entwicklungsprozess. Nur müssen ihn alle mitgehen.

Die Szene des Spiels war für mich Carlo Ancelottis Kuss für Franck Ribery und was er in dessen Gesicht bewirkt. Ribery ist aufgelöst, unzufrieden, dass er ausgewechselt wird. Ancelotti gibt ihm das Küsschen und direkt geht ihm ein Licht auf. So einfach ist das. Solche Szenen hätte es unter Pep Guardiola nicht gegeben.

Aber genau solche Eigenschaften braucht ein Trainer auch. Mit Spielern etwas besser umgehen zu können und zu wissen, wann die mentale Erschöpfung da ist. Von Ancelotti haben viele immer gedacht, er sei ein Gute-Laune-Onkel. Naja, er kann sicher eine Menge mehr als gute Laune verbreiten. 

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Real Madrid wird hoffen, dass sich Ancelotti bei dem anstehenden Champions-League-Spiel in Sentimentalitäten verliert. Ich glaube, das sollte man ganz schnell knicken.

Der Mann hat bei Chelsea gearbeitet, er hat bei Paris Saint-Germain gearbeitet, er hat in Italien bei Top-Klubs gearbeitet. Ich glaube, dass Ancelotti sein Geschäft versteht. Ansonsten gewinnt man nicht mit so unterschiedlichen Klubs die Titel am Stück.

Das ist für mich ein ganz großer Trainer, der schon viel gesehen und auch schon viel verloren hat. Und der besonders auch große Siege geholt hat. Womöglich baut er seine Bilanz ja in München noch weiter aus.

Wo ich Bayerns Vorteil gegenüber Real sehe? In der Defensive. Bei Real ist alles, was in der Defensive nicht top ist, viel gefährlicher für den Enderfolg. Bei den Bayern spielen noch einige mehr defensiv mit. Real hat jedoch immer zwei Mannschaften auf dem Platz. Einen Angriff und eine Defensive. Darauf achten sie auch. 

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Vielleicht gibt auch Arjen Robben den Ausschlag. Er weiß, dass es für ihn langsam auf die Zielgerade geht. Zuhause in der Nationalmannschaft machen die sich zur Lachnummer des Weltfußballs. Was dort passiert, ist furchtbar, und das kann auch keinen Spaß machen.

Aber bei Bayern legt er los. Und das macht sehr gute Spieler aus. Sie sagen sich: "Darf ich bitten? Es geht los!"

Auch für den BVB und Thomas Tuchel steht eine wichtige Woche an. Tuchel macht nicht den glücklichsten Eindruck derzeit.

Er ist ein Berechner. Er will Titel. Mit jungen Spielern lässt sich aber nichts berechnen.

Ich bin gespannt, ob er sich Richtung Pep Guardiola entwickelt und der coole, berechnende Trainer wird oder eher wie Diego Simeone, der Mannschaften in seinen Bann ziehen kann.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit dieser Saison begleitet Marcel Reif als Experte den Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

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