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München - Hinter Robert Lewandowskis Unzufriedenheit steckt weit mehr als der Ärger um die verpasste Torjägerkanone. Die Worte des Polen sollten dem FC Bayern als Warnsignal dienen.

Die Kritik von Robert Lewandowski an Mitspielern und Trainer des FC Bayern schlägt nach wie vor hohe Wellen.

Für Thomas Strunz sind die Aussagen ein Rätsel: "Ich kann die Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. Das kommt auch nicht gut bei den Mitspielern an, weil man sich als Kollege in die Ecke gestellt fühlt", so der Ex-Bayern-Profi im Gespräch mit SPORT1.

Die Frage ist: Wie geht es für den 28-Jährigen nun weiter beim FC Bayern, bereitet der Pole gar seinen Abgang beim Rekordmeister vor?

Berater verkündet Lewandowskis Ärger

"So was von enttäuscht, wie ich ihn noch nie erlebt habe", sei Lewandowski dieser Tage, weil er sich von Trainer Carlo Ancelotti und seinen Mitspielern im Kampf um die Torjägerkanone nur ungenügend unterstützt gefühlt habe.

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Das erzählte sein Berater Maik Barthel dem kicker, Lewandowski selbst tätigte vor zwei Wochen ähnliche Aussagen gegenüber polnischen Medien. Auf SPORT1-Nachfrage wollte sich Barthel nicht weiter äußern.

Dass sich Bayerns "Mr. Unverzichtbar" (147 Spiele, 110 Tore, 30 Vorlagen) aber ausgerechnet jetzt, sechs Wochen nach Saisonschluss, gegen seinen Verein stellt, ist wohl kein Zufall.

Lewandowski strebt nach Höherem

Klar ist, persönliche Trophäen sind Lewandowski nicht egal. Um die Torjägerkanone, die er in der Saison 2015/16 mit 30 Treffern holte, geht es dem Polen bei seiner Kritik aber keineswegs ausschließlich.

Der Bayern-Stürmer strebt nach Höherem: Sein großer Traum ist es, einmal Weltfußballer zu werden, am liebsten damit in einem Atemzug mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi genannt zu werden.

Dafür müsste der FC Bayern aber die Champions League gewinnen, und genau deshalb wechselte er vor drei Jahren auch aus Dortmund nach München.

Fakt ist: Nach dem verlorenen Champions-League-Finale mit dem BVB 2013 gegen Bayern kamen die Münchner mit Lewandowski nie über das Halbfinale hinaus.

Bisher keine "Granaten"-Transfers

Zudem wird in diesem Sommer mit Douglas Costa ein brasilianischer Nationalspieler den FCB verlassen.

Als Neuzugänge für die neue Saison stehen mit Corentin Tolisso, Serge Gnabry und Niklas Süle drei Perspektivspieler bereits fest, dazu kommt der 27-jährige Sebastian Rudy.

Zwar allesamt hochveranlagt, aber die Frage, die sich auch Lewandowski stellt: Kann der FC Bayern so wirklich der europäischen Elite kurzfristig die Stirn bieten?

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Lewandowskis Grummeln darf in diesem Licht also durchaus als Signal verstanden werden. In die Richtung: Macht was, sonst werde auch ich mir meine Gedanken machen.

Dass der Rekordmeister ohne seinen fitten Stoßstürmer auf allerhöchstem Niveau aufgeschmissen ist, sah man zuletzt im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid.

Die Königlichen hatten den an der Schulter verletzten Lewandowski meist im Griff, auch Thomas Müller konnte die Lücke nicht füllen.

Gehalts-Ärger droht

Dass man auch an der Säbener Straße diese Zeichen gedeutet hat, machte zuletzt Uli Hoeneß klar, als er "Granaten"-Transfers ankündigte.

Bisher kam allerdings noch kein Transfer aus der obersten Schublade zustande. Strunz gibt bei SPORT1 zu bedenken: "Einen Alexis Sanchez mit all seinen guten und schlechten Eigenschaften zu verpflichten, der dann den gewachsenen Gehaltsrahmen sprengt, das kann intern zu großen Problemen führen."

Laut Medienberichten würde der Chilene bis zu 25 Millionen Euro in München verdienen wollen. Also zehn Millionen mehr als die Topverdiener um Manuel Neuer, Thomas Müller oder eben Lewandowski, die sich ihren Status über Jahre hinweg hart erarbeiteten.

Probleme, die bei den großen Topklubs in England, Paris Saint-Germain, Real oder Barcelona nicht gelten.

Real und Chelsea interessiert

Mit Real wird Lewandowski, der in seiner Karriere im Schnitt alle drei Jahre zu einem größeren Verein wechselte, sowieso bereits seit Jahren in Verbindung gebracht.

Sollte Cristiano Ronaldo dort aber tatsächlich den Abgang machen, könnte der vier Jahre jüngere Lewandowski schnell wieder ins Blickfeld der Königlichen rücken.

Aus der Premier League soll nun der FC Chelsea nach Lewandowskis Aussagen hellhörig geworden sein.

Im Moment würde wohl jeder Fußballklub der Welt den Bayern-Stürmer mit Kusshand nehmen - wenngleich ein Abnehmer angesichts der aktuellen Gemengelage am Transfermarkt um eine dreistellige Millionensumme für Lewandowski nicht umher kommen würde.

Dass dieses Szenario noch ein ganzes Stück entfernt liegt, dürfte klar sein. Die Worte des sonst so stillen Polen sollten dem FC Bayern aber durchaus in der Hinsicht als Warnsignal gelten.

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