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München - Nach langer Erkrankung feiert Mario Götze sein Pflichtspiel-Comeback für Borussia Dortmund. Der Weltmeister zeigt gleich eine überzeugende Leistung.

Vor dem Saisonauftakt beim VfL Wolfsburg gab es bei Borussia Dortmund vor allem ein Thema: Den Transfer-Poker um Ousmane Dembele, der unbedingt zum FC Barcelona wechseln will.

Alles andere rückte in den Hintergrund. Der neue Trainer Peter Bosz, die Umbauten im Kader und - dass wieder Fußball gespielt wird.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc bemängelte vor Anpfiff in Wolfsburg bei Sky: "Es tut mir leid, dass das bei all den Spekulationen und Diskussionen ein bisschen in den Hintergrund getreten ist. Das war ja auch mit ein Grund, warum wir Dembele vom Mannschaftsbetrieb freigestellt haben: Dass wir uns halbwegs vernünftig auf den Saisonstart vorbereiten konnten."

In den Hintergrund getreten war auch, dass Mario Götze genau 202 Tage nach seinem letzten Pflichtspiel für die Dortmunder wieder in der Bundesliga auf dem Platz stehen sollte.

Doch das änderte sich schnell: Denn Götze drängte sich bei seinem Comeback spielerisch in den Vordergrund.

Götze liefert Assist

Der 25 Jahre alte Weltmeister zeigte beim 3:0-Sieg in Wolfsburg gleich eine starke Leistung.

Götze präsentierte sich aktiv, beweglich und allzeit anspielbereit. Auch Zählbares sprang heraus: Den Treffer von Christian Pulisic zum 1:0 bereitete er vor. Scorerpunkt Nummer eins also nach nur 22 Minuten der neuen Saison.

Auch die weiteren Daten untermauern Götzes überzeugende Rückkehr: 30 von 37 Götze-Pässen kamen an, das ergibt eine Quote von 81 Prozent.

Götze gewann 60 Prozent seiner Zweikämpfe, die zweitbeste Quote aller Dortmunder.

Bosz: "Ein außergewöhnlicher Spieler"

Natürlich kann Götze nach seiner langwierigen Erkrankung noch nicht bei seiner vollen Leistungsfähigkeit sein. Durch die Auswirkungen der Stoffwechselstörung fehlt noch die letzte Fitness, in der 61. Minute nahm Bosz ihn vom Platz, Mahmoud Dahoud kam.

Götze ist also noch nicht in der Lage, 90 Minuten auf höchstem Niveau durchziehen – doch seine Leistung zeigt insgesamt: Wenn er von Verletzungen und Krankheiten verschont bleibt, kann er schnell wieder ein Schlüsselspieler bei den Dortmundern werden.

Götze selbst wollte die Euphorie bremsen: "Mir geht es wieder gut, ich habe mich gut gefühlt, aber ich bin längst noch nicht wieder bei hundert Prozent."

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Trainer Bosz war nach dem Spiel bei Sky jedoch voll des Lobes: "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der lange nicht da war. Wir müssen Geduld haben. Aber das ist ein Spieler, den man nicht oft sieht, der Extra-Qualitäten hat, die andere nicht haben, ein sehr gutes Auge."

Selbst der Gegner freute sich für Götze. Wölfe-Stürmer Mario Gomez sagte: "Es war großartig seinen Namen in Dortmunds Aufstellung zu lesen. Ich erinnere mich noch, als ich ihn das erste mal in der Nationalelf getroffen habe. Er war 18 und ich dachte: 'Wer ist denn dieser Typ?'"

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke jubilierte bei RevierSport sogar: "Wenn man ihn spielen sieht, dann lacht das Herz."

Pulisic wirbelt

Auch der Blick auf die Tabelle wird Watzkes Herz ein bisschen höher schlagen lassen. Denn durch den souveränen Sieg platzierte sich Dortmund gleich auf Rang eins.

Besser hätte die Mannschaft also nicht auf die Dembele-Querelen antworten können. Denn neben Rückkehrer Götze zeigten auch andere Spieler, dass der BVB im Fall eines Abgangs von Dembele immer noch eine schlagkräftige und spielfreudige Offensive aufbieten könnte.

Ganz besonders Christian Pulisic: Der Torschütze zum 1:0 wirbelte auf Dembeles angestammter rechter Offensivseite und brachte die Wolfsburger Defensive dort mehrmals zum Verzweifeln.

Bosz schwärmte über den 18 Jahre alten US-Amerikaner: "Chris ist noch jung, aber er hat das heute sehr gut gemacht. Nicht nur, weil er ein Tor geschossen hat. Er hat immer für Gefahr gesorgt."

Aubameyang trifft und feiert

Genau wie Pierre-Emerick Aubameyang: Nach geplatztem Transfer nach China, öffentlichem Flirt mit dem AC Milan und Wechselverbot durch die BVB-Chefetage bestand Grund zur Sorge, der Torjäger könnte schmollen.

Aber Aubameyang machte weiter als wäre nichts gewesen. Nach dem 2:0 durch Marc Bartra sorgte der Torschützenkönig für den Endstand, feierte ausgelassen und lachte. Von Streik keine Spur.

Götze, Pulisic und Aubameyang: Wenn die Dortmunder Offensivspieler so weitermachen, könnte bald das Theater um Dembele in den Hintergrund rücken.

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