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München - An seinem ersten Tag verrät Jupp Heynckes, worauf es bei der Neubelebung des FC Bayern ankommt. Taktische Kniffe spielen ebenso eine Rolle wie teaminterne Prozesse.

Der Nothelfer ist sicher, dass er die richtigen Instrumente im Koffer hat.

"Zuerst einmal muss ich alles analysieren", sagte Jupp Heynckes bei seiner Vorstellung als neuer, alter Trainer beim FC Bayern München - nur um dann gleich deutlich zu machen, dass er sich die wichtigsten Gedanken längst schon gemacht hat: "Ich habe einen ganz klaren Plan und weiß, wie ich das anpacken muss."

Den Worten ließ er bei seiner ersten Trainingseinheit am Nachmittag Taten folgen, führte viele Gespräche mit dem noch ausgedünnten Kader und zeigte bei den Übungen vollen Körpereinsatz.

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SPORT1 erklärt, was Heynckes zu tun hat - und wie er seine Mission angehen will.

- Stimmung verbessern

Nicht erst seit seiner Triple-Saison ist Heynckes an der Säbener Straße unumstritten. Und dieses Gewicht will er nun in die Waagschale werfen. Sein Motto für den Umschwung: Kommunikation verbessern, Teamspirit stärken, Hierarchie aufbauen.

Seinen Vorgänger Carlo Ancelotti lobt Heynckes zwar über den grünen Klee - doch er weiß auch, dass die Entlassung des Italieners nicht zuletzt an den atmosphärischen Störungen zwischen Coach und Team lag. "Es haben alle große Trainer schon erlebt, dass es einfach nicht passt", so Heynckes.

Dass es bei ihm selbst passen wird, bezweifelt er indes nicht. "Ich bin ein Mann, der mit den Spielern kommuniziert und ich möchte dafür sorgen, dass der eine für den anderen da ist. Es muss das Miteinander im Vordergrund stehen."

Dabei wird Heynckes anders als sein Vorgänger auf eine klare Struktur innerhalb des Teams setzen. "Der FC Bayern hatte viele Jahre eine ganz klare Hierarchie in der Mannschaft - von Schweinsteiger und Lahm über Robben und Ribery bis zu Alaba und Xabi Alonso und Boateng. Viele Spieler haben ein Gewicht in der Umkleidekabine."

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Dabei ist der Übungsleiter erfahren genug, um sich selbst auch mal aus den Teamprozessen auszugliedern: "Viele Spieler regeln Dinge bereits in der Umkleide", weiß Heynckes.

- Latino-Fraktion stärken

Heynckes weiß, dass er die große spanische und lateinamerikanische Fraktion im Verein nicht vor den Kopf stoßen darf. Vor allem James Rodriguez, der von Real Madrid ausgeliehen ist und in München noch nicht überzeugte, könnte nach der Entlassung seines Förderers Ancelotti in ein Loch fallen. 

Entsprechend beantwortete "Don Jupp" am Ende der Pressekonferenz die Frage nach der Zukunft von Arturo Vidal und James auf Spanisch - und bot dem Kolumbianer seine Hilfe an.

"James spricht kein Deutsch. Es ist für einen jungen Spieler nicht leicht. Aber er muss wissen, dass er hier Hilfe bekommt von mir. Mir gefallen talentierte Spieler. Und er hat eine Menge Talent."

Zudem dürfte Heynckes auf Javier Martinez setzen, der schon 2012/13 ein elementarer Baustein im defensiven Mittelfeld war. Und zu Arturo Vidal hatte er schon zu seinen Leverkusener Zeiten eine besondere Beziehung.

- Fitness aufbauen

Heynckes ist bewusst, dass er einen Kaltstart ohne Vorbereitung hinlegt und an der körperlichen Verfassung der Spieler erstmal nicht allzu viel ändern kann.

"Wir können nicht viel trainieren, wir haben immer den Rhythmus Mittwoch-Samstag-Mittwoch. Es wird nicht leicht, Trainingsreize zu setzen. Die Trainingssteuerung muss äußerst sensibel funktionieren", weiß Heynckes.

Weil auch die Winterpause zu kurz ist, um ausdauerspezifische Trainingsgrundlagen zu legen, muss sich Heynckes auf seinen Trainerstab blind verlassen können. Nicht zuletzt deshalb holte er neben seinen früheren Co-Trainern Hermann Gerland und Peter Hermann auch noch Fitnesscoach Dr. Holger Broich zurück, den der schon aus gemeinsamen Leverkusener Zeiten bestens kennt.

- Taktik austüfteln

Skeptikern, die gegen Heynckes Verpflichtung eingewandt haben, dass er vier Jahre aus dem Geschäft war, hält Heynckes entgegen, dass er sich in der Zeit sehr wohl mit den Entwicklungen des Sports beschäftigt hätte.

Dabei habe er sich in den vergangenen Jahren vor allem auf internationale Spiele fokussiert: "Spanien, England, Italien. Ich habe viele taktische Kniffe gesehen."

Taktisch hätten sich nur Nuancen verändert, meint Heynckes. "Viele spielen jetzt mit Dreierkette, die zur Fünferkette wird. Es gibt taktische Anpassungen, das habe ich alles gesehen. Ich habe die Spitzenmannschaften gesehen. Auch Real Madrid spielt mal aus der Defensive heraus."

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Für den FC Bayern hat er schon einen groben Plan in der Tasche. "Es gibt viele Elemente, die ich der Mannschaft vermitteln muss, auch taktisch gesehen. Ich habe viele Anregungen." Dass das neue System in Grundzügen seinem bevorzugten 4-2-1-3 aus der Vergangenheit ähneln dürfte, scheint ausgemacht.

Seine Hauptaufgabe sieht Heynckes darin, "wieder Ordnung zu schaffen. Das heißt Ordnung im Spiel. Und nicht über große Ziele zu philosophieren."

Die Zuversicht, dass er seine Ziele erreichen wird, war ihm dennoch klar anzumerken.

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