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Winfried Schäfer war von der Entlassung Carlo Ancelottis beim FC Bayern überrascht © Imago

München - Nach Carlo Ancelottis Entlassung hinterfragt Winfried Schäfer bei SPORT1 die Rolle der Bayern-Spieler. Über die Rückkehr von Jupp Heynckes freut er sich dennoch.

Raus aus dem Ruhestand, rein ins Geschäft: Jupp Heynckes will es mit 72 Jahren noch einmal wissen. 

Bis zum Saisonende übernimmt der Triple-Macher von 2013 seine große Fußball-Liebe FC Bayern, die sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League hinterherhinkt.

Mit Winfried Schäfer freut sich ein anderer bekannter Trainer-Oldie über das sensationelle Comeback seines langjährigen Weggefährten. Vielmehr stört er sich aber an den Umständen, die zur Entlassung von Carlo Ancelotti geführt haben.

"Das Schlimmste, was einem Verein passieren kann"

"Ich hätte nie gedacht, dass bei einem Verein wie dem FC Bayern mit einem Boss wie Uli Hoeneß einzelne Spieler über die Entlassung eines Trainers entscheiden. Das ist das Schlimmste, was einem Verein passieren kann", sagt Schäfer im Gespräch mit SPORT1.

Laut Bayern-Präsident Hoeneß hatten sich nach der 0:3-Pleite bei Paris Saint-Germain fünf Spieler gegen Ancelotti ausgesprochen. Streitpunkt Nummer eins soll die Startaufstellung des Italieners gewesen sein. 

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"Ein Trainer kann nur elf Spieler aufstellen und wenn er der Meinung ist, dass manche Spieler nicht spielen, dann spielen sie eben nicht", betont Schäfer. Ancelotti sei "ein sehr guter Trainer", der "mit Sicherheit nicht einfach so verlieren" wolle. 

Kritik an Ancelottis Fitnesstrainer

Zugleich schlägt der 67-Jährige, der aktuell den iranischen Hauptstadtklub Esteghlal Teheran betreut, aber auch kritische Töne in Richtung Ancelotti an.

"Er hatte offensichtlich Probleme mit der Sprache. Und die Mannschaft war auch körperlich nicht mehr in ihrer besten Verfassung", meint Schäfer und nimmt Ancelottis Fitnesstrainer Giovanni Mauri in die Pflicht: "Es kann nicht sein, dass ein Assistent des Trainers auf dem Trainingsplatz raucht. Das passt nicht zur deutschen Professionalität."

Mit seinem alten Freund Heynckes auf der Trainerbank traut Schäfer den Bayern nun zu, schnell wieder in die Spur zu finden.

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"Jupp wäre auch mit 75 noch der perfekte Trainer"

"Es ist nicht so, dass der Jupp kommt und alles bestens ist. Aber er wird's richten. Bayern ist ja auch immer noch Bayern und nicht 1860 München", sagt Schäfer, der mit Heynckes von 1977 bis 1985 bei Borussia Mönchengladbach zusammenarbeitete und ihn sowohl als Mitspieler als auch als Trainer erlebte.

"Er ist genau der Mann, den die Bayern jetzt brauchen. Allein in Sachen Teambuilding. Er spricht mit seinen Spielern, gibt ihnen viele Ratschläge und ist vor allem ehrlich", schwärmt der einstige Mittelfeldspieler.

Heynckes' fortgeschrittenes Alter sei dabei "überhaupt kein Problem", stellt Schäfer klar. "Jupp wäre auch mit 75 noch der perfekte Trainer. Die Leute meinen immer, wir Ältere würden trainieren wie im Jahr 1960. Das ist Blödsinn."

Gerade dem Triple-Helden könne aus taktischer Sicht ohnehin niemand etwas vormachen: "Wenn ich nur an die beiden Champions-League-Spiele gegen Barcelona zurückdenke. Das war Pressing in Perfektion. Keine Mannschaft konnte das bisher toppen. Auch nicht die von Pep Guardiola."

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Schäfer sieht keinen Leader im Bayern-Team

Allerdings ist der verbliebene Teil der Triple-Mannschaft von 2013 jetzt viel älter. Und von einem Anführer wie Philipp Lahm fehlt jede Spur.

"Das ist sicherlich ein Problem. Auch einen Xabi Alonso vermisst man. Jemanden, der auf dem Platz auch mal sagt 'Halt die Klappe und lauf'", sagt Schäfer.

Deshalb knöpft sich der Deutsche Meister von 1970 jetzt in erster Linie die Spieler vor: "Die Jungs gehören zu den besten Europas, aber sie müssen jetzt ihre Probleme aufarbeiten. Mit Jupp als Trainer können sie mit Sicherheit nicht zu Uli Hoeneß gehen und sich beschweren, wenn sie mal auf der Bank sitzen."

Selbst frühere Heynckes-Lieblinge wie Arjen Robben oder Franck Ribery müssten sich ranhalten. "Jupp hat immer das Richtige gemacht. Für ihn zählt die Leistung und nicht das Alter. Er lässt nur die Besten spielen. Und wenn ein 18-Jähriger kommt, der besser ist als ein 31-Jähriger, dann spielt eben der 18-Jährige."

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