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Carlo Ancelotti wurde Ende September beim FC Bayern entlassen © Getty Images

Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti hat im italienischen Fernsehen einen Rat für den neuen Milan-Coach Gennaro Gattuso und holt dabei zum Nachtreten gegen seinen Ex-Klub aus.

Carlo Ancelotti hat sich und seine Arbeitsmethoden beim FC Bayern München im italienischen Fernsehen gerechtfertigt. In der Sendung La Domenica Sportiva des TV-Senders Rai Sport trat Ancelotti außerdem mit einem Rat an den neuen Mailand-Coach Gennaro Gattuso nach.

"Die Trainer sind schuld, wenn etwas nicht funktioniert. Ich rate Gattuso eine Sache: Es ist besser mit deinen Idealen zu scheitern, als mit denen anderer unterzugehen", sagte der 58-Jährige.

"Wenn der Verein dich nicht schützt, bist du tot"

Seine eigene Methode basiere auf dem Motto Qualität vor Quantität. "Ich bevorzuge 60 intensive Minuten auf dem Trainingsplatz", spielte Ancelotti auf die Vorhaltungen an, er habe in München nicht intensiv genug trainiert. "Welche Entscheidung man auch trifft: wenn der Verein dich nicht schützt, bist du tot."

Wenn man einen Spieler aussortiere, dieser zur Vereinsführung gehe und von ihr gestärkt werde, "dann verliert man sein Gesicht vor der anderen Spielern. Davon erholt man sich nicht," bilanzierte der Italiener. "Laut den Medien wurde ich bei den Bayern gefeuert, weil ich fünf große Spieler gegen mich hatte."

Kein Interesse am Nationaltrainer-Posten

Ancelotti hat derweil kein großes Interesse, italienischer Nationaltrainer zu werden.

"Es stimmt, der italienische Verband hat mich kontaktiert, ich habe mit ihm gesprochen. Ich habe ihnen gesagt, dass es mich ehre, von so vielen Leute für den Posten vorgeschlagen zu sein, aber ich bin nicht in der Lage, die Probleme allein zu lösen", sagte der ehemalige Chefcoach von Juventus Turin und AC Mailand.

Ancelotti machte klar, dass er weiterhin als Klub-Coach tätig sein möchte. Nach der 0:3-Pleite von Bayern München in der Champions League Ende September bei Paris St. Germain hatte der italienische Fußballlehrer beim deutschen Rekordmeister gehen müssen.

Ancelotti war auf dem Apennin als Favorit auf die Nachfolge von Gian Piero Ventura gehandelt worden. Dieser war nach dem Scheitern der Azzurri in den WM-Play-offs gegen Schweden entlassen worden.

Strukturelles Problem in Italien

"Es gibt ein strukturelles Problem in Italien", betonte Ancelotti, "warum sind war das einzige Land in Europa, das keine marktgerechten Stadien besitzt und wo die Arenen immer halb leer sind? Das ist nicht der Fehler von Ventura." 

Für den Ex-Bayern-Coach bestehen große Konflikte zwischen den Klubs und dem Verband in Italien. Es bedürfe allerdings einer gewaltigen Anstrengung des Verbandes, um die vorhandenen Probleme zu lösen und die Situation zu verbessern, so Ancelotti: "Ich glaube, dass die Serie A sehr von einer Reduzierung der Teams von 20 auf 18 profitieren würde. Und ich weiß, dass es Klubs gibt, die dafür stimmen werden."

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