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Levin Öztunali (l.) und Davie Selke
Levin Öztunali (l.) und Davie Selke wurden mit Deutschland U19-Europameister © SPORT1

Belek - In Bremen tragen die beiden U19-Europameister Davie Selke und Levin Öztunali die Hoffnungen für den Abstiegskampf in der Rückrunde.

Von Werder Bremen berichtet Frank Hellmann

Was wird wohl von diesem Trainingslager aus Belek in Erinnerung bleiben?

Wohl für immer das Bild, wie eine Meute Berufsfußballer wild schreiend auf eine riesige Pfütze zuläuft und bäuchlings in die Lache hineinrutscht. Lachend und feixend. Was blieb den Spielern des SV Werder denn auch an der türkischen Riviera anderes übrig? Anfangs war es bitterkalt, zum Ende hin patschnass.

Am Mittwoch, als sich meteorologisch in der Küstenregion um die Stadt Antalya endlich Besserung einstellte, reiste der Bundesligist schon wieder ab.

Immerhin hatten die Bremer zeitweise ihren Spaß. Und mittendrin beim Body-Boarding die Hoffnungsträger: Davie Selke und Levin Öztunali. Die beiden U 19-Europameister. Der eine 19 (Selke), der andere erst 18 (Öztunali).

In Hoffenheim verstoßen

Der hoch aufgeschossene Stürmer Selke wechselte im Winter vor zwei Jahren nach Bremen, nachdem er zuvor für die TSG Hoffenheim spielte. Doch im Kraichgau hatten sie für den Sohn einer Tschechin und eines Äthiopiers, der in Schorndorf bei Stuttgart aufwuchs, keine Verwendung, was sie nochmal bitter bereuen können:

Der außerhalb des Platzes ausgesprochen freundliche und aufgeschlossene Selke hat das, was nicht mehr viele deutsche Angreifer haben: einen wuchtigen Körper, enorme Präsenz. Und eine Prise Draufgängertum.

Vier Tore, zwei Vorlagen in der Hinrunde: Der vertraglich bis 2018 gebundene Selke ist dabei, sich einen Namen zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. Trainer Viktor Skripnik hält viel von dem 1,92-Meter-Mann, der auch einen vortrefflichen Joker abgibt.

In den Testspielen in Belek erhielt zweimal Youngster Melvyn Lorenzen (20) anfangs den Vorzug, der aber längst nicht so viel Torgefährlichkeit ausstrahlt

Neuzugang mit berühmtem Opa

Erster und bislang einziger Neuzugang der Norddeutschen ist mit Öztunali ein Toptalent, das einen berühmten Opa hat: Uwe Seeler.

Doch wer den jungen Mann, den Werder für anderthalb Jahre von Bayer Leverkusen ausgeliehen hat, danach befragt, beißt auf Granit. Für den noch ziemlich zurückhaltenden Öztunali ist das ein Tabuthema - genau wie seine Heimfahrten nach Hamburg zur Familie.

In Bremen halten sie gleichwohl große Stücke auf den vielseitigen Mittelfeldspieler, der bei Skripnik derzeit für die Stammelf vorgesehen ist und von Eljero Elia (FC Southampton) die Rückennummer 11 übernommen hat.

Skripnik lobt Öztunali

Auch am Dienstag im Test gegen Borussia Mönchengladbach (3:2) spielte der technisch versierte Mittelfeldspieler durch. "Man sieht, er hat Klasse", sagt Skripnik, "er ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann."

Werder habe doch keine andere Wahl, als auf den Nachwuchs zu setzen; selbst wenn es diejenigen sind, die anderswo zu wenig Spielpraxis bekommen oder nicht den Durchbruch schaffen.

Der Ukrainer verspricht: "Wir wollen die Talente nicht auf dem Papier, wir wollen sie auf dem Platz." Öztunali beteuert: "Hier setzt der Trainer auf junge Spieler. Deshalb bin ich bei Werder."

Keine teuren Transfers nötig

Die grün-weiße Rasselbande bekommt volle Rückendeckung von den Entscheidern an der Weser. Aufsichtsratschef Marco Bode hält es nicht mehr zwingend für nötig, Millionen-Transfers zu tätigen. 

Winter-Transfers böten keine Garantie für einen Zugewinn an Qualität. "Mit der Jugend gehen wir kein zusätzliches Risiko. Wir wollen eine kontinuierliche Entwicklung unseres Kaders."

Ohne die Namen von Selke, Öztunali, Lorenzen oder Levent Aycicek in den Mund zu nehmen, preist Bode die Jugendwelle. Mit einer einzigen Einschränkung: "Wir sind in Zukunft keine U21-Mannschaft. Wir brauchen Erfahrung und ältere Spieler – da hat Clemens Fritz schon recht."

Fritz schlägt Alarm

Der 34-Jährige hatte bekanntlich in Belek Alarm geschlagen. Der Routinier sagte in einer Presserunde: "Erfahrung würde uns noch gut tun. Ich will uns nicht schlechtreden, aber bei uns darf nicht viel passieren."

Sollte vom Kapitän heißen: Ohne weitere Haudegen an Bord geht ein Schiff mit lauter Leichtmatrosen womöglich unter. Fritz würde deshalb bestimmt auch Miroslav Kloses Rückkehr begrüßen.

Der frühere Bremer steht bei Lazio Rom auf dem Abstellgleis. Hartnäckig halten sich Gerüchte über einen Transfer des 36-Jährigen. "Es wäre ein Traum! Wenn alles passt - wieso sollen wir Nein sagen?", sagte Skripnik zuletzt der "Bild".

Eichin sieht Team gewappnet

Geschäftsführer Thomas Eichin würde sich mit Klose beschäftigen. Doch auch ohne den Weltmeister sieht er den Kader für den Abstiegskampf gewappnet.

"Es gibt junge Spieler, die mit breiter Brust den Abstiegskampf annehmen; es gibt ältere Akteure, die sich in die Hose machen. Den Mumm aufzubringen, Verantwortung zu übernehmen, ist für mich eine Charakter-, keine Altersfrage", sagt Eichin.

Im Trainingslager ist er bestätigt worden: Alle drei Testspiele hat Werder nach einem Rückstand noch gedreht, weil die Jungen noch aufdrehen konnten.

Auch Bode glaubt inzwischen, "dass die Unbekümmertheit der jungen Spieler eine Stärke ist." Und: "Ich weiß aus meiner eigenen Zeit, dass man als erfahrener Spieler den Druck mehr spürt."

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