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München - Lukas Podolski sitzt bei Arsenal derzeit nur auf der Bank, Mesut Özil schwächelt. Ex-Profi Tony Woodcock analysiert.

Der Daumen von Lukas Podolski geht nach oben. Der Nationalspieler grinst. Zumindest auf dem Foto von sich mit Schauspieler Samuel L. Jackson, das er bei Twitter postete. Unmittelbar nach dem 2:2 seines FC Arsenal gegen Manchester City.

Also unmittelbar nach der Partie, die er von der Bank aus verfolgte. 90 Minuten lang. Schon wieder.

Daher dürfte die Gemütslage des 29 Jahre alten Nationalspielers anders aussehen, als er es nach außen ausstrahlt. 13 Einsatz-Minuten in vier Liga-Spielen - zu wenig für einen Weltmeister.

Podolski ist fit. Podolski ist einsatzbereit. Doch er schmort auf der Bank. Und dort dürfte wohl auch zum Auftakt der Champions League bei Borussia Dortmund (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER, auf SPORT1.fm u. auf SPORT1 im TV beim Bitburger Fantalk LIVE) sein Platz sein.

Wo passt Podolski hin?

"Arsenal hat wie jede gute Mannschaft einen großen Kader mit vielen guten Fußballern. Da musst du es erst schaffen, in die Mannschaft zu kommen", sagt Ex-Arsenal-Profi Tony Woodcock bei SPORT1. "Es ist ein schwerer Kampf für Lukas."

Aber auch einer, den er annehmen wollte. Im Sommer gab es Angebote einiger Vereine ? auch aus der Bundesliga. Doch Podolski entschied sich für den Verbleib bei den "Gunners".

"Wenn ich topfit bin, passe ich perfekt in die Mannschaft Arsenals", sagte der Weltmeister im Sommer.

Doch genau in diesem Punkt widerspricht Woodcock: "Die größte Frage ist: Welche Position ist die beste für Lukas? Er ist kein echter Stürmer, er ist kein echter Mittelfeldspieler. Seine Waffe ist sein starker linker Fuß, mit dem er immer für ein Tor gut ist."

Große interne Konkurrenz

Auch das reicht aber bislang nicht, um sich gegen Stars wie Aaron Ramsey oder Jack Wilshere durchzusetzen.

Oder Neuzugang Danny Welbeck, der zuletzt im Sturmzentrum spielte. Dort, wo sich Podolski selbst sieht.

"Aber Arsenals System sieht vor, dass dort nur einer aufläuft", führt Woodcock weiter aus: "Lukas muss sich in die Mannschaft kämpfen. Wenn er die Chance bekommt, muss er sie nutzen." Egal auf welcher Position.

Auch Mesut Özil schwächelt

Auf dem linken Flügel, den Podolski lange besetzte, stellt Trainer Arsene Wenger derzeit jemanden auf, der mit dieser Rolle gänzlich unzufrieden wirkt: Mesut Özil.

Der 25-Jährige taucht ab. Wirkt abwesend. Ist erneut ein Schatten seiner selbst. Von Führungsqualitäten ist weit und breit nichts zu sehen.

Zum Saisonauftakt wurde Özil noch geschont, in den folgenden drei Premier-League-Partien kam Özil über die volle Distanz zum Einsatz.

Seine Bilanz ist erschreckend. An keinem Treffer der Londoner war Özil beteiligt. Nicht als Vorbereiter. Erst recht nicht als Torschütze.

Ramsey liefert Argumente

Nach dem 2:2 gegen ManCity erntete er wieder Kritik in den Medien. "Wirkungslos und defensiv begrenzt", schrieb die "Daily Mail". Für den "Standard" lieferte er "eine erneut glanzlose Vorstellung" ab.

Doch woran liegt es?

Auf seiner Lieblingsposition im Zentrum haben im praktizierten 4-1-4-1-System derzeit Wilshere und Ramsey die Nase vorn, für Özil bleibt nur die linke Seite.

"Ramsey spielt in der Mitte sehr gut, und er schießt Tore wie am Fließband", sagt Woodcock über den vierfachen Torschützen - und liefert damit die Begründung, warum Wenger derzeit auf den 23-Jährigen in der Zentrale setzt.

Hohe Ansprüche an Özil

Eben weil er derzeit alles mitbringt, was Özil fehlt. Beziehungsweise nicht auf den Rasen bringt.

"Er ist ein guter Fußballer", meint Woodcock. "Die nächste Stufe für ihn ist, ein großer Fußballer zu werden in einer Top-Mannschaft."

Diese Ansprüche hat der Nationalspieler auch an sich selbst. Das Arsenal-Umfeld sowieso. "Er kam für 50 Millionen von Real. Wenn einer so viel Geld kostet und einen guten Ruf hat, ist klar, dass die Erwartungen hoch sind", meint Woodcock.

Erfüllt er sie nicht und tritt dazu noch mit lustloser Köperhaltung auf, kommt die Kritik schnell. "Die Fans haben eben kein Mitleid", beteuert der 58 Jahre alte Ex-Profi. Aber das weiß Özil schon aus der vergangenen Saison.

"Du darfst nie zufrieden sein"

Für Woodcock kann es nur eine Lösung geben: "Er muss alles dafür geben, um die Position im Zentrum für sich zu beanspruchen."

Und dann konstant seine Leistung bringen.

Das Talent dazu hat der 25-Jährige. Daran zweifelt niemand. Er muss es nur abrufen wollen und sich nicht ausruhen. "Du darfst nie zufrieden sein - egal, was du schon erreicht hast", sagt Woodcock.

Mertesacker überzeugt

Ganz anders steht es dagegen um Per Mertesacker. Wenger hat ihn vor der Saison sogar zum Vize-Kapitän berufen.

Anfangs waren die Anhänger skeptisch, denn: "Er ist nicht der Schnellste, aber er hat ein gutes Stellungsspiel und bringt viel Ruhe rein", analysiert Woodcock. "Er hat die Fans auf seiner Seite."

So weit ist Mesut Özil noch nicht.

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