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München - Bayern-Trainer Pep Guardiola arbeitet vor dem Champions-League-Start gegen ManCity an seiner Machtbasis. Eine Wunde schmerzt.

Die Erinnerung war immer da.

Auch wenn Pep Guardiola sie bisweilen versucht hat, möglichst weit weg zu schieben. Etwa, als der Bayern-Trainer im Sommer in Berlin für die Unabhängigkeit Kataloniens demonstrierte oder als er mit dem FCB in New York war, dem Ort seines Sabbatjahrs.

Jenes 0:4 gegen Real Madrid im Champions-League-Halbfinale schmerzte Guardiola noch immer. Eine Demütigung. Und gewissermaßen auch eine Entzauberung. "Das ist eine große Scheiße. Die größte Scheiße, die ich als Trainer je gemacht habe", zitiert ihn Marti Perarnau dazu im Buch "Herr Guardiola".

Real zerstörte Bayerns Vision von der Champions-League-Titelverteidigung in einer Halbzeit. 0:3 stand es zur Pause. Seitdem hat Guardiola viel gegrübelt, mit den Bayern-Bossen an Team und Konzept getüftelt und, nicht zu vergessen, seine Machtbasis noch einmal verstärkt.

Sorgen bei Bayern und City

Zum Neustart in Europas Eliteliga gegen Manchester City (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) soll sich zeigen, was seine Reform 2.0 wert ist.

Und was der FC Bayern ausrichten kann - ohne solche Hochkaräter wie Weltmeister Bastian Schweinsteiger und Dauerpatient Thiago Alcanta.

Zugleich steht auf der Gegenseite in Manuel Pellegrini in mancherlei Hinsicht Guardiolas Ebenbild. Beide starteten in der vergangenen Saison neu in ihren Klubs, holten gleich die Meisterschaft und müssen ähnlich kunstvoll den aktuellen Mangel im Kader verwalten.

An der Säbener Straße drücken die Verletzungen auf die Seelenlage der Roten, bei den Citiziens sind es die Bestrafungen durch das Financial Fair Play der UEFA. Der Kader durfte daher nur 21 statt 25 Spieler groß sein.

Transfers nach Wunsch

Die vorbildlich wirtschaftenden Bayern haben dagegen ihren Kader ganz nach Belieben ausrichten können. Guardiola wollte Landsmann Juan Bernat - er bekam den Außenverteidiger. Er wollte Ersatzkeeper Pepe Reina - er bekam ihn. Er wollte Real-Star Xabi Alonso und bekam ihn.

Drei zusätzliche Spanier für den FCB, allein an diesen Sommertransfers lässt sich ablesen, wie bestimmend der Einfluss des Trainers inzwischen ist.

Alonso ist in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger im Rekordtempo zum neuen Mittelfeldchef aufgestiegen, der 32-Jährige ist eine Passmaschine und spiegelt damit auch Guardiolas Spielidee wieder.

Nach der Pleite gegen Real hatte der Coach noch gegenüber Buchautor Perarnau geklagt: "Anstatt meiner Idee zu folgen, bin ich den Spielern gefolgt, aber ohne meine Idee."

Soll heißen, Baumeister Pep gab ? zumindest für diese Partie ? seine Idee der Mittelfelddominanz auf.

Dreierkette und weitere Umbauarbeiten

Dem Trainer war es eine Lehre. Im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund konstruierte er ein Fünfer-Mittelfeld und triumphierte.

Aktuell schraubt Guardiola weiter an der Dreierkette. Wenn nötig stellt er wie im ersten Saisonspiel gegen Wolfsburg aber auch schon nach wenigen Minuten wieder auf die Viererkette um, für die Spieler ist das eine große Herausforderung.

Die Handschrift des Trainers ist im Klub äußerst deutlich, manch einem mag sie gar zu stark erscheinen. Andererseits trägt Guardiola auch das komplette Risiko.

"Dann wäre er kein Toptrainer"

Auch dafür, wenn er beispielsweise David Alaba ins Mittelfeld beordert und so das Powerduo Alaba und Franck Ribery auf der linken Seite auseinander reißt.

Philipp Lahm beobachtet die Diskussion um Guardiolas Einfluss gelassen.

"Es wäre fatal, wenn der Trainer keine Handschrift hätte, dann wäre er kein Toptrainer. Gott sei Dank hat unser Trainer eigene Ideen, die unsere Spielweise prägen", sagt der Bayern-Kapitän im "kicker", schränkt aber auch ein: "Die Transfers tätig sicher nicht der Trainer, sondern der Verein."

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