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Jerome Boateng-FC Bayern-Flutlicht

München - Der FC Bayern feiert Last-Minute-Held Jerome Boateng. Der ist auf dem Höhepunkt seines Könnnens angekommen. Das hat mehrere Gründe.

Jerome Boateng war derart gefragt, dass er noch um kurz vor Mitternacht das Trikot des FC Bayern übergestreift hatte. Seine Kampfmontur mit Grasflecken an der roten Hose.

Und dann war ja auch noch die Dopingprobe. Also trat der Siegtorschütze beim 1:0-Erfolg über Manchester City (Bericht) so wie er war vor die Journalisten - barfuß übrigens. 

In der Nachspielzeit hatte der Innenverteidiger mit einem krachenden Schuss den Sieg und damit drei Punkte zum Auftakt der Champions League klar gemacht.

"Man muss immer bis zum Ende daran glauben", berichtete Boateng auf SPORT1-Nachfrage, "ich habe gehofft, dass der Ball zu mir kommt und habe ihn dann gut getroffen".

Der Glaube an die eigene Stärke, er ist eine mögliche Erklärung dafür, weshalb Boateng momentan das ist, was ihm viele prophezeit haben: einer der besten Innenverteidiger der Welt. Aber es ist nicht die einzige.

Jubelnd in Guardiolas Armen

Nach dem Treffer rauschte Boateng wie ein Derwisch über den Platz mitten in die Arme Pep Guardiolas.

Er schrie, die Zuschauer jubelten und schrien und der Trainer haute ihm auf dem Kopf herum und schrie ebenfalls. Was Guardiola da voller Emotion jauchzte?

"Ich habe nicht alles gehört", sagte Boateng mit einem Lächeln. "Ich freue mich auch für den Trainer, er lebt jedes Spiel an der Linie, das sieht man."

"Eine große Persönlichkeit"

Das Verhältnis zu Guardiola ist ein Schlüssel, um zu verstehen, wie Boateng im vergangenen Jahr zum Weltklassespieler gereift ist. Seit seinem Amtsantritt hat der Spanier Boateng genau beobachtet und beharrlich geschult.

"Ich habe ihm schon oft gesagt: Wenn du einer der besten Innenverteidiger der Welt werden willst, kannst du es schaffen", sagte Guardiola nach der Partie.

"Er hat alles. Er ist eine große Persönlichkeit und wird jedes Jahr besser."

Aufnahmefähigkeit als größte Gabe

Das erste Champions-League-Tor des Nationalspielers ist somit wieder eine Zwischenstation dieser Entwicklung. 

Boateng arbeitet viel an sich, ist durchaus selbstkritisch und aufnahmefähig. Auch deshalb gelang es Guardiola, der von Boatengs Lerneifer begeisert ist, ihn noch auf eine weitere Stufe zu heben.

Kritik und Bestleistungen

Dabei hat sich Boateng zu Beginn seiner Zeit in München immer wieder Kritik eingefangen, zu leichtfertig schien sein Spiel vielen Beobachtern, zu fahrlässig einige Aktionen.

Die Mäkelei hat spätestens seit dem 13. Juli 2014 ein Ende. Das war der Tag, an dem Boateng auch dem letzten Kritiker gezeigt hat, zu was er fähig ist - es war der Tag des WM-Finales.

"Ich habe wohl das Spiel meines Lebens gemacht", erklärte Boateng danach staunend. Widerspruch? Fehlanzeige.

Auch gegen City waren am Mittwochabend einige Rettungstaten dabei, die der gebürtige Berliner vor allem seiner Schnelligkeit und Antizipationsgabe verdankte.

Und das gestiegene Selbstvertrauen lässt den 26-Jährigen eben jetzt in Momenten aufs Tor schießen, wo er früher noch die Mitspieler gesucht hätte.

Rummenigge schwärmt von Boateng

"Er hat eine unglaubliche Partie gespielt", kommentierte Karl-Heinz Rummenigge. "Es hat niemand mehr verdient als Jerome, er war der beste Mann auf dem Platz."

Bayerns Vorstandboss hatte wie der gesamte Klub den Champions-League-Start mit leichter Nervosität erwartet. Wie würde sich die Mannschaft ohne Arjen Robben und Franck Ribery präsentieren?

Wo war tatsächlich die Formkurve nach einer zerrissenen Saisonvorbereitung und angesichts der Verletzten wie Bastian Schweinsteiger, Thiago und Holger Badstuber zu verorten?

"Unsere beste Saisonleistung"

"Wir haben die beste Saisonleistung abgerufen", befand Rummenigge nachher erleichtert, attestierte dem FCB gar "fantastischen Fußball gegen den Sieger der Premier League" gespielt zu haben. Eine positive Übertreibung angesichts des Last-Minute-Erfolgs.

Allerdings ließen die Münchner kaum Chancen für die Engländer zu, die im vergangenen Herbst ja hier 3:2 gewonnen hatten. Und zum anderen funktionierte auch Guardiolas Plan, mit Rafinha und Medhi Benatia zwei neue Spieler ins Team zu nehmen.

Benatia mit gutem Debüt

Rafinha war gerade nach einer Sprunggelenksverletzung wieder genesen, Neuzugang Benatia hat erst einige Trainingseinheiten mit den Kollegen gemacht. Das Debüt des Ex-Roma-Spielers war dafür sehenswert.

Gut 30 Millionen Euro haben die Bayern im August investiert, um den marokkanischen Nationalspieler aus Italien zu bekommen. Ein Notfall quasi nach dem Kreuzbandriss von Javier Martinez.

Guardiola lobte Benatia für sein Debüt, sagte aber auch: "Er braucht noch Zeit":

Aber er hat ja Jerome Boateng an seiner Seite.

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