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Jerome Boateng (r.) wechselte von Manchester City zum FC Bayern.

München - Der FC Bayern feiert einen perfekten Start in die Königsklasse. Bis zum erlösenden Tor gegen City müssen die Fans lange warten.

Dank eines fulminanten Last-Minute-Treffers von Jerome Boateng ist der FC Bayern doch noch nach Maß in die Champions League gestartet. Der Abwehrspieler bescherte den Münchnern in der Nachspielzeit den nicht mehr erwarteten 1:0-Sieg über Manchester City.

Die Münchner waren zuvor zwar lange Zeit feldüberlegen gewesen, hatten es aber versäumt, ihre Chancen gegen den englischen Meister zu verwerten.

Boateng vollendete schließlich die Schlussoffensive, als er mit einem strammen Schuss Joe Hart überwand. Sofort raste der deutsche Nationalspieler zur Bayern-Bank und Trainer Pep Guardiola, um mit ihm zu feiern.

"Wir haben viele Chancen gehabt. Am Ende kam der Ball genau richtig. City hat ein gutes Spiel gemacht. Wir haben fast nichts zugelassen. Das ist jetzt pure Freude", sagte der Torschützenach dem Coup gegen seinen Ex-Klub im "ZDF".

Zugleich erledigte Gruppengegner AS Rom die Aufgabe gegen ZSKA Moskau souverän und siegte klar mit 5:1. Die Römer sind nun Tabellenführer in der Gruppe E und reisen am nächsten Spieltag (30. September) nach Manchester, während der FCB in Moskau antritt.

"Wir sind sehr glücklich, dass wir in dieser harten Gruppe die ersten drei Punkte gegen einen starken Gegner gewonnen haben. Nach der Umstellung haben wir sehr gut gespielt. Ich glaube, diese Gruppe wird sich erst am letzten Spieltag entscheiden", sagte Pep Guardiola nach dem Spiel.

Benatia in der Startelf

Bayern-Coach Pep Guardiola reagierte auf die Verletzungsmisere in seinem Kader, für Pechvogel Holger Badstuber, der mehrere Monate ausfallen wird, rückte überraschend Medhi Benatia in die Innenverteidigung.

Es war zugleich der erste Pflichtspieleinsatz des Marokkaners für den FCB.

Dabei wurden dem Neuzugang vom AS Rom vor kurzem noch Fitnessprobleme nachgesagt, Routinier Dante blieb stattdessen vor 68.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Arena auf der Bank.

Zudem kehrte Rafinha nach auskurierter Sprunggelenksverletzung ins Team zurück, die Mittelfeldzentrale bildeten Philipp Lahm, Xabi Alsono und David Alaba.

Pellegrini auf die Tribüne verbannt

Arjen Robben hatte nach seiner Rückkehr ins Teamtraining vorerst nur eine Zuschauerrolle.

Von der Tribüne musste gar City-Coach Manuel Pellegrini die Partie verfolgen, er war bereits im Februar nach Verbalattacken für mehrere Spiele gesperrt worden. Co-Trainer Ruben Cousillas übernahm den Job an der Seitenlinie und sah nach 40 Sekunden beinahe die Führung der Münchner.

Bayern lässt Chancen liegen

Mario Götze bediente im Strafraum Robert Lewandowski, der per Hacke perfekt auf Thomas Müller ablegte. Der umkurvte zwar Keeper Joe Hart, setzte den Ball aus spitzem Winkel aber nur ans Außennetz. Die Bayern blieben in der Anfangsviertelstunde tonangebend, der englische Meister musste sich immer wieder neu sortieren.

Doch ein Treffer glückte dem Champions-League-Sieger von 2013 nicht. Mal legte sich Lewandowski (14.) den Ball zu weit vor, mal parierte Hart stark - wie in der 19. Minuten einen Kopfball von Müller.

Die "Skyblues" befreiten sich erst langsam vom Druck, besonders der quirlige Samir Nasri war auffällig. Zudem rettete Jerome Boateng bei einer scharfen Hereingabe von Navas (27.), insgesamt hatte City in diesem Moment des Spiels mehr Platz als Bayern recht sein durfte.

Immer wieder suchten die Vorderleute den Ex-Wolfsburger Edin Dzeko, der die Zuspiele jedoch nicht verwerten konnte.

Müller sticht heraus

Umgekehrt gab es aber auch weitere Gelegenheiten für die Bayern: Die Außenspieler Rafinha und Juna Bernat flankten immer wieder gefährlich. Auffälligster Münchner Akteur war aber in der ersten Hälfte Müller, der 25-Jährige legte so klasse auf Alaba auf, dessen Versuch von der Strafraumkante von Hart gerade noch entschärft wurde (31.).

Und wenig später hatte Lewandowski Pech, als er schon am City-Keeper vorbei war, den Ball aber nur ans Außennetz statt ins Tor beförderte (35.).

Die gekonnte Vorarbeit kam von Alaba, der sich mit seiner Rolle im Zentrum des Spiels zusehends anzufreunden scheint.

Nach der Pause hatte Götze die beste Chance, als er im Strafraumgewühl abzog und so Hart forderte (54.). Der Ex-Dortmunder zeigte kurz danach, dass ihm das Tor beim 2:0 gegen Stuttgart weiteres Selbstvertrauen gegeben hatte und ging in ein vielversprechendes Dribbling.

Der City-Abwehrriegel hielt allerdings. Dem deutschen Rekordmeister war jetzt deutlich der Wille anzumerken, vor eigenem Publikum die ersten drei Punkte dieser Champions-League-Saison einzufahren.

Dabei ließen die Bayern aber auch Gegenstöße zu, Bernat war in einer Szene gegen Navas nicht auf den Posten, der flankte. Im Zentrum vergab aber Silva per Kopf die Chance (64.).

Bayern verliert Linie

Guardiola verfolgte das Geschehen inzwischen mit verschränkten Armen, zufrieden konnte der Coach keineswegs sein, seine Mannschaft verlor an Linie.

Dabei war Bayern ein weiteres Mal ganz nah an der Führung. Der englische Nationaltorwart Hart ließ einen Fernschuss von Rafinha abklatschen, doch Müller kam einen Schritt zu spät, um abzustauben (71.).

Die Fans hofften nun auf Robben und der Niederländer kam tatsächlich noch zu seinem Einsatz (76.). Robben versuchte nochmal einmal kraftvoll aus der Distanz, Hart war aber auf dem Posten (89.) Es schien als ob die Schlussoffensive verpuffen würde, dann kam der große Moment von Boateng.

"Wichtig war nur, dass wir im ersten Spiel drei Punkte holen. Es war ein hartes Stück Arbeit. Zum Glück stand Mario im Weg und hat den Rücken noch hingehalten", sagte Kapitän Philipp Lahm nach dem Abpfiff.

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