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Marc-Andre ter Stegen spielt seit Sommer für den FC Barcelona

Von Pierre Winkler und Reinhard Franke

München - Gepatzt, verloren - verbal gestreichelt. Marc-Andre ter Stegen erlebte in Paris einen geteilten Abend.

Einerseits verpasste der Torhüter des FC Barcelona bei der 2:3-Niederlage beim zweiten Gegentreffer den Ball. Sein Ding, keine Frage.

Die spanische Zeitung "Sport" schrieb von einem "herumirrenden" ter Stegen. (

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Andererseits schützte ihn Trainer Luis Enrique. "Ich habe ihn gut gesehen. Er war mit den anderen auf einer Höhe", sagte er. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ter Stegen nicht für Pleite verantwortlich

Und auch die meisten Beobachter waren sich einig: Ter Stegen war nicht toll, aber auf keinen Fall verantwortlich für die erste Saisonniederlage.

Barcas Verteidigung patzte, nachdem die Katalanen zuvor in der Primera Division in sechs Spielen ohne Gegentreffer blieben.

Der Keeper in Ligapartien heißt aber Claudio Bravo. Und der Chilene hat den Vorteil, mit seinen Mitspielern auf Spanisch zu kommunizieren.

Ter Stegen paukt indes noch eifrig Vokabeln, um sich präzise auszudrücken und kehrte ja nach seiner Lendenwirbelprellung erst Mitte September ins Team zurück. Der Patzer gegen PSG war für den Ex-Gladbacher jetzt ein umso größerer Rückschlag.

Illgner glaubt an den jungen Keeper

Bodo Illgner, Ex-Keeper von Real Madrid und Spanienkenner, macht ter Stegen dennoch Mut.

"Er hat gepatzt, das passiert halt, Dani Alves und Pique haben auch gepatzt, der Torwart sieht immer am schlechtesten aus in so einer Situation", sagte der Weltmeister von 1990 im Gespräch mit SPORT1.

Und Illgner verwies auf ter Stegens Ausgangsposition in Barcelona: "Er hat das Glück, dass beide Keeper neu im Verein angefangen haben und sich noch keine Freunde gemacht haben können. Er ist der jüngere Keeper mit der größeren Perspektive, muss sich aber mit einem gestandenen Nationalkeeper auseinandersetzen."

"Er wird sich durchsetzen"

Zudem gab Illgner zu bedenken, dass Trainer Luis Enrique ja bewusst rotieren - "auch im Tor".

"Ich bin kein Freund davon, denn das Eingespieltsein mit der Abwehr und das Selbstvertrauen ist für den Torwart sehr wichtig."

Letztlich werde der Ex-Gladbacher am Ende aber die Nummer 1 erobern. "Er muss weiter gut arbeiten, dann bin ich überzeugt, dass er sich durchsetzen wird."

Hierarchie-Frage ungeklärt

Ter Stegens Ehrgeiz ist auf jeden Fall ungebrochen. "Ich habe mich nie damit beschäftigt, nicht zu spielen. Ich möchte spielen und Titel gewinnen", hatte der 22-Jährige nach seinem Transfer zu Barca gesagt. Dieses Ziel vefolgt er weiterhin verhement.

Doch ter Stegen weiß nach seinem erst zweiten Pflichtspiel für Barcelona nicht, wo er in der Hierarchie steht. Geschweige denn, wie seine Chancen sind, langfristig die Nummer eins im Tor zu werden. Und zwar nicht nur in der Champions League.

Torhüter-Leben härter in Spanien

Torhüter sind in Spanien Verschleißprodukte. Bedeutet: Trainer gehen deutlich härter mit ihnen um als in der Bundesliga.

Das musste beispielsweise bereits Timo Hildebrand erfahren, der in der Primera Division plötzlich nicht mehr gut genug war.

Dabei hat ter Stegen Kahn'sche Ansprüche an sich, erwartet maximalen Erfolg. Spiele auf der Ersatzbank gehören nicht in dieses Selbstbild.

Ter Stegen macht verbal gerne Druck

Wie der ehemalige Nationaltorhüter geht ter Stegen auch verbal gerne nach vorne. In Mönchengladbach legte er sich etwa mit den eigenen Fans an. Diese hatten nach einem Slapstick-Fehler des Keepers gegen Braunschweig raunend auf jeden Rückpass zu ihm reagiert.

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Die vereinzelten Aussetzer hat der zuletzt statistisch beste Torhüter der Bundesliga offenbar mit nach Barcelona genommen. Schon bei der USA-Reise der Nationalmannschaft im Sommer 2013 sah ter Stegen schlecht aus.

Jetzt heißt es aber: Lippen zusammenpressen. Ter Stegen kann sich in Barcelona noch keine Ansprüche leisten, muss also sein offensives Naturell unterdrücken.

Gleichzeitig soll er bei seinen verhältnismäßig seltenen Auftritten fehlerfrei bleiben, Barca wenn möglich noch zum Champions-League-Sieg parieren. Damit aus dem geteilten ter Stegen wieder ein ganzer wird.

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