Shinji Kagawa und Sebastian Kehl beherrschen bei Dortmunds Sieg in Anderlecht das Mittelfeld. Der BVB stabilisiert sich.

Von Borussia Dortmund berichtet Felix Meininghaus

Brüssel - Die Journalisten aus Japan waren in heller Aufregung: Gerade hatte sich Jürgen Klopp in der Pressekonferenz nach dem Dortmunder 3:0 in Anderlecht über seinen Spielmacher Shinji Kagawa geäußert, da stürzten sich die Berichterstatter auf die deutschen Kollegen, um eine Übersetzung zu ergattern.

Schließlich ist alles, was über Kagawa gesagt wird, wichtig und wird sofort in das Land der aufgehenden Sonne gemailt, getwittert und gesimst.

Über Kagawas Champions-League-Auftritt in Belgien werden die japanischen Fußballfreunde folgende Worte des Dortmunder Trainers lesen können: "Shinji hat super Pässe gespielt, es war ein tolles Spiel von ihm. Er ist für uns total wichtig - keine Frage." 

Tatsächlich machte der 25-Jährige sein bestes Spiel seit seiner umjubelten Rückkehr aus Manchester.

Kagawa brillierte als Struktur- und Ideengeber für die Offensive, sein Pass auf Immobile vor dem Dortmunder Führungstreffer war eine Augenweide, auch das dritte Tor von Ramos leitete der Regisseur ein. 

Kagawa sieht Steigerungsmöglichkeiten

Er selbst sah bei sich allerdings noch Steigerungsmöglichkeiten. Die Dortmunder Stärke, das schnelle Umschaltspiel habe zwar gut funktioniert, "aber unsere Kombinationen auf engem Raum greifen noch zu selten". Und richtig zufrieden mit sich sei er ohnehin nur, wenn ihm ein Tor gelinge.

Ein solches Erfolgserlebnis blieb Kagawa an diesem Abend verwehrt, und doch kann man seine kritische Analyse durchaus als Jammern auf hohem Niveau interpretieren. Das Zuspiel von Kagawa auf Immobile stufte sein Trainer als "sensationell" ein: "Das ist dann Ciros Spiel, dann ist er wirklich eiskalt. Das werden wir noch häufiger sehen."

Was Kagawa für den BVB im vorderen Bereich zuwege brachte, das leistete Sebastian Kehl in der Rückwärtsbewegung. Kehl und Kagawa, das waren die beiden entscheidenden Korsettstangen im Dortmunder Spiel.

Kehl gibt Stabilität

Wobei der 34-Jährige Kehl der Defensivabteilung mit seinem strategischen Geschick und seinem Zweikampfverhalten die Stabilität verlieh, die ohne ihn in der Bundesliga zuletzt so schmerzlich vermisst wurde.

"Kehli hat sehr viel Erfahrung und ist ein sehr, sehr wichtiger Spieler für uns", sagte Manndecker Neven Subotic: "Gerade in den brenzligen Situationen war er immer da und hat abgesichert."

"Das Krönchen auf die drei Punkte"

Der BVB schaffte es nach zuletzt sechs Gegentoren in drei Spielen mal wieder, sein Tor dicht zu machen.

"Zu null", sagte Klopp, "das ist das Krönchen auf die drei Punkte."

Zumal Joker Adrian Ramos sofort funktionierte und kurz nach seiner Einwechslung zwei Treffer erzielte.

Schon wieder Abwehrwackler

Dennoch blieb bei der Borussia niemandem verborgen, dass es auch an diesem Abend noch diverse Schwächen im hinteren Bereich gab: Vor allem Subotic zeigte immer mehr Wackler, je länger das Spiel dauerte und je mehr seine Kräfte schwanden.

Wie in der Bundesliga wirkte der BVB-Defensivverbund nicht wie aus Beton gegossen, hielt aber, nach zwei Champions-League-Spielen steht weiterhin die Null.

"Einige Male haben wir auch Glück gehabt", räumte Klopp ein: "Wir haben nicht immer perfekt verteidigt, aber leidenschaftlich."

Subotic und Hummels geben Fehler zu

Subotic ergänzte: "Man muss da ganz ehrlich sein: Heute hätte Anderlecht auch zwei Tore schießen können, und dann würden wir vielleicht hier stehen und von einem Katastrophenspiel sprechen."

Das sah Mats Hummels ähnlich: "Mit ein bisschen Pech hätte es eng werden können."

Hummels, der in Anderlecht 82 Minuten geschont wurde, wird am Samstag beim Heimspiel gegen den HSV wohl wieder in die Stammformation zurückkehren.

Das und der selbstkritische Umgang mit der Leistung von Anderlecht dürften gute Voraussetzung sein, auch in der Liga endlich mal wieder die null zu halten. Es wäre das erste Mal in dieser Saison, die bislang so enttäuschend verlaufen ist.

"Da treffen zwei Teams aufeinander, die mächtig hinterherlaufen", sagte Kehl in Brüssel: "Das wird eine heiße Kiste, wir haben uns schon in der Kabine einen Kopf über die Bundesliga gemacht." So eilig hatte es Klopp dann doch nicht: "Heute dürfen wir uns kurz freuen, aber wenn wir morgen früh aufwachen, ist die HSV-Raute in unseren Augen."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel