Der FC Bayern ist vor dem Hit in Rom im Höhenflug, auch wegen Guardiolas neuer Aufgabe für Götze. Die Roma glänzt ebenfalls.

Aus Rom berichtet Mathias Frohnapfel

Rom - Das Ritual ist bestens vorbereitet. Treffpunkt: Ponte Nevio.

An dieser Brücke werden sich die AS-Rom-Tifosi am Dienstagnachmittag treffen. "Carichi" ("geladen"), wie man in Italien sagt, um dann gemeinsam zum Stadio Olimpico zu marschieren. Dem FC Bayern soll ein wenig Angst gemacht werden vor dem Gipfeltreffen in der Champions-League-Gruppe E (ab 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER).

Ein moderner Gladiatorenkampf in der ewigen Stadt also.

"Vorsicht Bayern!"

Und die "Gazzetta dello Sport" warnt bereits: "Vorsicht Bayern!", schließlich sei die Roma nach dem 3:0-Sieg über Chievo in starker Form und auch Urgestein Francesco Totti tönt: "Jetzt sind wir dran."

Allerdings: Der Tabellenzweite der Serie A trifft auf einen Gegner, der sich seiner eigenen Stärke nach zehn Toren aus den letzten Ligaspielen sehr bewusst ist. Erst musste Hannover (0:4) leiden, dann wurde Bremen (0:6) gedemütigt.

Obendrein gleicht die Abwehr bereits wieder einer Kette mit Titanlegierung: Seit 748 Minuten ist Keeper Manuel Neuer ohne Gegentor.

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Guardiola findet Ideallösung

Und Pep Guardiola hat allem Anschein nach im Angriff so etwas wie die Quadratur des Kreises geschafft. Seit einem Jahr tüftelt der Trainer wie ein obsessiver Erfinder am Münchner Sturm, beorderte schon Franck Ribery und Thomas Müller auf die Position der falschen Neun ? und natürlich Mario Götze.

In der vergangenen Saison klappte das zumeist mäßig. Jetzt spielt der Ex-Dortmunder ? zumindest in der Theorie ? als Außenstürmer. Den freien Raum im Zentrum, der sich bei den Manövern mit Robert Lewandowski und Thomas Müller ergibt, besetzt er aber erstklassig.

Sechs Tore nach acht Spielen bescheren dem Nationalspieler Platz eins in der Bundesliga-Torschützenliste. Auch seine beiden Treffer gegen Bremen waren a la bonheur.

Finaltor verleiht Götze Flügel

Götzes WM-Finaltor könnte ihn lähmen, unkte manch einer vor der Saison. Bisher wirkt es aber wie eine Extramotivation für den sensiblen 22-Jährigen.

Und Götze taut in der Medienstadt München zusehends auf, bei "Sky" bestätigte er jetzt das Angebot von Starschauspieler Matthias Schweighöfer einer kleinen Filmrolle.

"Das letzte Mal, als ich ihn getroffen habe, hat er noch gesagt: Ohne Text! Ich würde jetzt auch ohne Text bevorzugen."

Guardiola beobachtet Götzes Aufschwung mit stillem Vergnügen, zumal er vor dem heißen Match in Rom einen Edeljoker in der Hinterhand hat: Franck Ribery ist nach seiner überstandenen Patellasehnenblessur im Team zurück, wirbelte gegen Bremen immerhin schon 30 Minuten.

Ribery hält sich zurück

Für die Startelf ist es aber noch zu früh. "Natürlich will ich immer spielen, aber ich glaube, es reicht noch nicht", sagte der Dribbelderwisch nach dem geschafften Comeback.

Wäre nicht jene unglückselige Verletzungsserie Thiagos, könnten sich die Bayern mehr über ihr langsam kleiner werdendes Lazarett freuen. Denn auch Anführer Bastian Schweinsteiger macht Fortschritte. "Es wird besser, ich habe am Samstag wieder ein paar Laufübungen gemacht und auch etwas mit dem Ball trainiert", meinte Schweinsteiger jetzt im Gespräch mit SPORT1.

Schweinsteiger plant Schritt für Schritt

Die Patellasehnenverletzung könnte so bald Vergangenheit sein, auch wenn Schweinsteiger nichts übereilen will und kommentiert: "Man muss vorsichtig sein."

Das gilt genauso für die Münchner in der Königsklasse. Nach den beiden 1:0-Siegen über Manchester City und ZSKA Moskau scheint der Weg in der Gruppenphase vorgezeichnet, doch die Römer haben Moskau 5:1 nach Hause geschickt, in Manchester (1:1) gepunktet.

"Es werden zwei schwierige Spiele", kommentierte daher Arjen Robben die kommenden beiden Aufgaben gegen die Römer. "Die Roma spielt den besten Fußball in Italien, es wird ein guter Test für uns."

Niederlage ist abgehakt

Im prunkvollen Saal des Hotels "Parco dei Principi" wurde Thomas Müller an die letzte Niederlage mit dem FC Bayern 2010 in Rom (2:3) erinnert. Müller ließ das aber unbeeindruckt. "Wir haben eine ganz andere Mannschaft als vor vier Jahren, wir wollen unseren erfolgreichen Weg weitergehen."

Übermut gibt es beim FCB daher nicht. Als Ziel definierte Müller "mindestens einen Punkt" und stellte fest, dass der deutsche Rekordmeister mit einem Dreier "ganz klar die Nummer eins in der Gruppe" wäre (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Sein Trainer ist auf jeden Fall optimistisch, "Positionsspiel" und "Spielaufbau" sieht Guardiola deutlich verbessert. Diese Fortschritte muss der Bundesliga-Spitzenreiter nun auch in Rom zeigen

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