Istanbul und München - Hans-Joachim Watzke zieht die Zügel vor dem Spiel bei Galatasaray Istanbul an. Ein erneutes Störfeuer lässt Jürgen Klopp kalt.

Von Holger Luhmann und Christoph Lother

Irgendwie war es bezeichnend für die Situation von Borussia Dortmund.

Auf der Fahrt zu Pressekonferenz und Abschlusstraining in der Türk-Telekom-Arena steckte der Bus mit dem BVB-Tross am Dienstagabend im dichten Istanbuler Stau.

Dabei ist das genaue Gegenteil das Ziel: Nach drei Niederlagen in Folge und dem Absturz auf Platz 14 in der Bundesliga will die Borussia raus aus dem auch sportlich stockenden Verkehr.

Entschuldigungen lassen die Klub-Verantwortlichen für die Begegnung in der Champions League bei Galatasaray (ab 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) nicht mehr gelten.

Watzke sieht "alle Spieler im Fokus"

Nach Sportdirektor Michael Zorc nimmt auch Hans-Joachim Watzke die Spieler in die Pflicht.

Der Geschäftsführer sieht "alle Spieler im Fokus. Gerade auch die, die nur die guten BVB-Zeiten der vergangenen Jahre - geprägt von Titeln, Final-Teilnahmen und Top-Platzierungen - miterlebt haben."

Hinter der Mannschaft stehe "ein großartiger, akribischer, engagierter, innovativer Trainer", stünden "weltweit einzigartige Fans", der gesamte Klub und sein Umfeld würden "trotz der sportlichen Talfahrt eine bemerkenswerte, unglaubliche Ruhe" ausstrahlen, sagte Watzke.

Sein Fazit: "Aus dieser Gemengelage kann sich folgerichtig niemand ein Alibi zaubern."

Videoschulung im Flieger

Watzke erwartet "viel von der Mannschaft, und zwar besonders, dass sie konsequent und konzentriert auftritt und in die Zweikämpfe geht, auch wenn sie mal richtig weh tun".

In der "Bild" vom Mittwoch legte er auch noch mal nach, sprach von "Knochenarbeit", die nun zu leisten sei - und hielt fest: "Der größte Fehler, den wir jetzt machen könnten, wäre es, diese sportliche Krise klein zu reden."

Dass die Situation beim BVB derzeit durchaus Brisanz hat, wollte auch der großartige, akribische, engagierte, innovative Trainer nicht bestreiten.

So sei seine Ansprache nach der 1:2-Niederlage am Samstag beim 1. FC Köln "deutlich lauter, klarer und fordernder" ausgefallen als üblich, hielt Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz vor dem Spiel fest.

Auf dem Flug nach Istanbul bestückte Klopp zur Vorbereitung auf die Begegnung die Tablets seiner Spieler mit Szenen des Gegners.

Für ein erneutes Störfeuer aus München hatte Klopp deshalb auch überhaupt keinen Kopf: "Der FC Bayern hat sich zu Marco Reus geäußert? Das ist das Letzte, was mich gerade interessiert."

Das gute Champions-League-Gesicht

Hoffnung machen den Dortmundern ihre beiden bisherigen Saisonauftritte in der Champions League.

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Dem 2:0 gegen den FC Arsenal folgte gar ein 3:0 beim RSC Anderlecht.

Neben der Möglichkeit, sich ein Stück weit Sicherheit für die Bundesliga zu holen, könne man die Tür zum Achtelfinale weit aufstoßen, betonte Watzke.

In Istanbul noch ohne Gegentor

In Istanbul wartet auf den BVB eine traditionell aufgeheizte Atmosphäre in der 52.650 Zuschauer fassenden Arena.

Mit der kamen die Schwarz-Gelben in der Vergangenheit übrigens gut zurecht: Bei drei Gastspielen dort kassierte der BVB kein Gegentor.

Im UEFA-Cup trennte man sich 1999/20000 bei Galatasaray 0:0. In der Champions League gewann der BVB 1997/98 1:0 bei Galatasaray. Ebenso wie 1989/90 bei Besiktas.

"Sentimentaler Abend" für Gündogan

"Genügend Qualität ist da. Wichtig ist, dass wir gemeinsam verteidigen und das besser in den Griff bekommen", erklärte Ilkay Gündogan, der in Köln nach 430 Tagen ein ordentliches Comeback gab.

Gündogan erwartet einen "sehr sentimentalen Abend. Ich bin teils Türke. Die Istanbuler Derbys schaue ich mir immer an".

So wie am Samstagabend, als Galatasaray 2:1 gegen Fenerbahce gewann.

Der BVB ist also zusätzlich gewarnt.

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