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Medhi Benatia (l., neben Totti) besitzt beim FC Bayern einen Vertrag bis 2017

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Medhi Benatia wird am Dienstagnachmittag auf der Pressekonferenz des FC Bayern sprechen.

Vor dem Heimspiel gegen seinen Ex-Klub AS Rom (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER). Das ist schon deshalb eine Nachricht, weil noch vor dem Match in Rom kaum einer mit seinem Einsatz gerechnet hat. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch Trainer Pep Guardiola schickte ihn in dieses tobende Pfeifkonzert von mehr als 60.000 wütenden Tifosi. Enttäuschte Liebe schmerzt ja besonders. Und Benatia? Er bestand den Test in der einstigen Gladiatorenstadt.

Der 1,91 Meter große Abwehrspieler fügt sich immer mehr ein in das anspruchsvolle Ensemble des FC Bayern. Dass er dabei aber auch noch einiges dazulernen muss, verriet er vor dem offiziellen Pressetermin im Gespräch mit SPORT1.

"Gegen Dortmund haben wir mit Dreierkette gespielt. Ich habe in einer Rolle gespielt, die für mich zwar nicht neu war, aber die ich eine Weile nicht mehr gespielt hatte", erklärte der Marokkaner zur Aufgabe als rechter Verteidiger.

Boateng dominiert das Zentrum

Bei den Giallorossi übernahm er meist die zentrale Position. Die ist bei den Roten aber an Weltmeister Jerome Boateng vergeben.

Wo Benatia eingesetzt wird, ist dem kantigen Defensivspezialisten egal. Hauptsache, er ist dabei.

"Wenn der Trainer mich dort braucht, stehe ich zur Verfügung", sagte er. "Als ich zum FC Bayern gekommen bin, hatte ich Probleme mit Verletzungen, jetzt bin ich bereit für mehr Einsätze."

Defizite beim Gegentor

Beim Sieg im Kracher gegen Dortmund startete Benatia ebenfalls, verdrängte so Dante auf die Bank. Es war der siebte Pflichtspieleinsatz des Neuzugangs und eine Partie, die Stärken und Schwächen gleichermaßen zeigte.

Stark in der Ballsicherung und über weite Strecken gegen Marco Reus, doch beim Kopfball-Gegentor ließ er dem deutschen Nationalspieler eben zu viel Raum.

"Mi dispiace" ("Es tut mir leid"), kommentierte Benatia das anschließend bei SPORT1, um zugleich durchzuatmen: "Gut, dass wir noch gewonnen haben. Der Sieg war verdient."

28 Millionen Euro Ablöse

Vier Jahre lang spielte Benatia in Italien, erst von 2010 bis 2013 in Udine, dann beim AS Rom. Dort entwickelte sich Medhi Benatia El Moutaqui, so sein vollständiger Name, in Rekordtempo weiter, in Marokko war er schon 2013 Sportler des Jahres.

28 Millionen Euro hat der FC Bayern für ihn ausgegeben. Mehr Geld als je zuvor für einen Abwehrspieler.

Doch auch in München werde er sich behaupten, ist Benatia überzeugt. Aus Evry, einem Vorort von Paris, hat er sich bis zum FCB in die Beletage des europäischen Fußballs empor gearbeitet.

Jetzt fordert ihn das neue, extrem hohe Verteidigen unter Guardiola - und natürlich die interne Konkurrenz.

Bittere Momente härten ab

"Wir haben hier viele Spieler von großer Qualität wie Boateng, Dante, Rafinha. Für mich ist das kein Problem", sagt Benatia. "Wenn ich auf dem Platz bin, versuche ich einfach, mein Bestes zu geben."

Sein Kampfgeist ist geschult. Aus bitteren Momenten wie 2009. Da schickte ihn Robin Dutt als Trainer des SC Freiburg nach einem Probetraining wieder weg. Oder aktuell aus der Anfangszeit an der Säbener Straße.

Über Fitnesszustand und Tauglichkeit wurde gerätselt, nachdem Benatia, als Ersatz nach Javier Martinez? Kreuzbandriss geholt, einige Zeit nicht in Tritt kam.

Nach der 7:1-Gala in Rom hielt Benatia dann bei SPORT1 an und verkündete: "Mein Spiel war heute auch eine Nachricht an die deutsche Presse: Erst abzuwarten, ehe sie mich kritisieren." (SHOP: Jetzt Fanartikel des FC Bayern kaufen)

Ein Sieg für die Achtelfinal-Qualifikation

Jetzt geht es erneut gegen die Ex-Kollegen. Als klarer Tabellenführer der Champions-League-Gruppe E. Ein Sieg, und Bayern wäre bereits als Gruppenerster fürs Achtelfinale qualifiziert.

Benatia warnt allerdings vor einem bissigen Kontrahenten. "Das wird eine ganz andere Partie als in Rom. Die Roma hat große Qualität, ist immer noch eine sehr starke Mannschaft."

Das gelte auch nach der Niederlage des italienischen Vizemeisters in Neapel.

Benatia wird nach dem Spiel wieder lange mit seinen früheren Kameraden quatschen, den ein oder anderen herzen. So wie in Rom. Denn die Polemik und die wechselseitigen Vorwürfe zwischen Ex-Klub und ihm sind aus seiner Sicht vergessen.

"Probleme mit der Klubführung"

"Ich werde weiter der Roma die Daumen drücken. Ich habe ein Jahr in Rom gelebt, das ist eine besondere Stadt", lässt er wissen. "Mit der Klubführung gab es Probleme, darüber möchte ich aber nicht mehr sprechen."

Und er fügt an: "Ich habe weiterhin viele Freunde in Rom. Als die Roma jetzt in Neapel gespielt hat, habe ich quasi mit der halben Mannschaft gesprochen, von vielen Spielern SMS bekommen."

Neue Freundschaftsdienste soll es aber erst wieder nach Schlusspfiff geben.

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