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Per Mertesacker wechselte im August 2011 von Werder Bremen zum FC Arsenal

Aus London berichtet Bernd Felden

London - Es läuft mittlerweile beim FC Arsenal. Nach einem schwachen Saisonstart holten die Londoner zuletzt zwei Siege.

Mit dem Last-Minute-Erfolg beim RSC Anderlecht nimmt das Team Kurs auf das Achtelfinale der Champions League. Ein Sieg im Rückspiel gegen die Belgier (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) und die "Gunners" wären so gut wie durch.

Auch in der Liga geht es aufwärts. Nach zwei Siegen in Folge steht Arsenal auf Platz vier (DATENCENTER: Premier League).

Einen großen Anteil am Aufschwung hat auch Per Mertesacker. Der Ex-Nationalspieler stand bei allen Erfolgen stets 90 Minuten auf dem Platz. Dabei kassierte sein Team nur einen Gegentreffer.

Nach dem Spiel gegen Burnley sprach der Weltmeister über Comebacks in seinen Team, die Aussichten in der Champions League und das Verhältnis zu seinem Ex-Klub Werder Bremen.

SPORT1: Herr Mertesacker, wie erklären Sie sich, dass Sie gegen Burnley fast unzählige hochkarätige Chancen liegengelassen haben?

Per Mertesacker: Es war immer noch ein Spieler von Burnley dazwischen. Selbst dann, wenn der Torwart schon geschlagen schien. Besonders bei der Szene von Santi Cazorla, bei der man denkt, der muss jetzt eigentlich drin sein, stand immer noch einer im Weg. In der ersten Halbzeit hat der Torwart ein paar Mal gut gehalten. Da waren wir nicht ganz so treffsicher. Aber weil wir auch defensiv gut standen, wurde der Druck immer größer. Da hat man schon gemerkt, dass irgendwann der Knoten platzt.

SPORT1: Und es war wieder einmal Ihr momentaner Talisman Alexis Sanchez, der mit seinen 1,69 Meter ausgerechnet per Kopfball den Bann gebrochen hat.

Mertesacker: Er ist halt ein Spieler, der überall gefährlich ist. Auch mit jedem Körperteil. Ihn kannst du nicht nur auf seine Schnelligkeit und technische Stärke minimieren. Er ist auch kopfballstark, weil er auch eine unglaubliche Sprungkraft hat.

SPORT1: Er war wirklich überragend, oder?

Mertesacker: Wenn er sich nicht zu oft verdribbelt und einfach spielt, wie ich es mir manchmal noch mehr wünsche würde, ist er einfach ein sehr, sehr guter Spieler, weil er immer zwei bis drei Leute auf sich zieht durch seine Aktionen und so den Weg für andere freimacht.

SPORT1: Die Rückkehr von Theo Walcott wurde frenetisch gefeiert. Wie wichtig ist es in dieser Phase der Saison, dass sich das Lazarett zumindest langsam lichtet?

Mertesacker: Ich glaube, wir können uns insgesamt momentan nicht beschweren. Mit Aaron Ramsey, Walcott und Lukas Podolski kamen heute noch mal drei rein, die frischen Wind bringen. Je breiter wir aufgestellt sind, desto mehr Vorteile erhoffen wir uns. Aber es ist noch die erste Saisonhälfte. Letztes Jahr, besonders in der zweiten Saisonhälfte, hatten wir dann fünf bis sechs Verletzte, die wir einfach nicht kompensieren konnten. Diesmal haben wir vielleicht das Glück hinten hinaus. Wir stehen noch nicht da, wo wir hin wollen, auch von der Punktzahl nicht. Da müssen wir noch einiges aufholen. Wir waren in der ersten Phase noch nicht so eingespielt, wie wir uns das selbst gewünscht hätten. Das hatte mehrere Faktoren. Aber wir freuen uns natürlich, wenn so ein Spieler wie Theo dazukommt.

SPORT1: Das nächste wichtige Spiel steht direkt an. Mit einem Sieg gegen den RSC Anderlecht können Sie sich wahrscheinlich schon vorzeitig mal wieder für das Achtelfinale qualifizieren.

Mertesacker: Das ist natürlich das Ziel. Dadurch, dass wir in den letzten fünf Minuten in Anderlecht aufgewacht sind, haben wir uns dort mit dem Doppelschlag diese Chance erarbeitet. Jetzt können wir hier zu Hause gegen Anderlecht, wenn gleichermaßen Dortmund gewinnt, wovon ich zu 100 Prozent ausgehe, schon alles klarmachen, sodass beide Mannschaften dann schon durch sind. Nach nur vier Spielen wäre das schon vorzeigenswert.

SPORT1: Ich vermute, Sie verfolgen nach wie die Situation bei Ihrem Ex-Verein Werder Bremen?

Mertesacker: Ja. Ich habe sofort das Ergebnis gecheckt nach dem Spiel (lacht). Die Leute sind hier auch schon so gebrieft von mir, dass Santi (Cazorla, Anm. d. Red) sofort zu mir kam und meinte, dass Werder jetzt zurück ist. Also war es ein Doppelsieg. Sogar ein Triplesieg. Ich glaube Hannover hat auch gewonnen. Ein schöneres Wochenende gibt es dann wohl nicht (lacht).

SPORT1: Mit Marco Bode und Ihrem langjährigen Mannschaftskollegen Torsten Frings sind jetzt zwei Werder-Legenden aktiv eingebunden. Eine richtiger Entscheidung für eine positivere Zukunft?

Mertesacker: Ja, Werder geht da schon immer so einen konsequenten Weg. Klar war es mit Schaaf (Ex-Trainer Thomas Schaaf, Anm. d. Red.) eine ganz lange Ära, der auch einen ähnlichen Werdegang hatte. Über die Jugend, U23-Trainer, der dann lange Zeit in der Profi-Mannschaft Fuß gefasst hat. Der Kontakt zwischen uns ist immer noch da, und das wird auch weiter so bleiben. Die Situation mit Robin Dutt kann ich nicht beurteilen. Aber bei zwei Siegen aus zwei Spielen kann man natürlich zufrieden sein. In Bremen zahlt es sich aus, auf Tradition zu setzen und auf Leute, die wirklich lange für den Verein viel geleistet haben. Das ist der Weg. Und ich wünsche viel Glück, denn emotional bin ich noch sehr dabei. Und wenn es nicht so gut läuft, wünscht man dem Verein doppelt das Beste.

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