Von Bayer 04 Leverkusen berichtet Andreas Reiners

Leverkusen - Ein paar Sorgenfalten waren bei Roger Schmidt nicht zu übersehen.

Der Trainer von Bayer Leverkusen versuchte zwar, sich den Schock der jüngsten Hiobsbotschaft nicht anmerken zu lassen.

Doch vergeblich: Die schwere Schulterverletzung von Kyriakos Papadopoulos hatte den 47-Jährigen sichtlich getroffen.

"Er wird bis zum Jahresende ausfallen. Da ist sehr bitter für uns, zumal die Umstände für uns ohnehin alles andere als ideal waren. Wir werden von Verletzungen verfolgt", sagte Schmidt.

Und das zur absoluten Unzeit.

Vier "Sechser" fehlen

Neben Papadopoulos, der vor kurzem erst von derselben Schulterverletzung genesen war, fallen für das wichtige Champions-League-Spiel (ab 17.30 Uhr LIVE-TICKER und SPORT1.fm) bei Zenit St. Petersburg auch weiterhin Stefan Reinartz, Gonzalo Castro und Kapitän Simon Rolfes aus. Inklusive des Griechen also vier potentielle "Sechser".

Bleiben neben Ersatz-Kapitän Lars Bender noch der etatmäßige Linksverteidiger Tin Jedvaj, der international unerfahrene Levin Öztunali oder Spielmacher Hakan Calhanoglu. Ideallösungen sind sie für die Position im defensiven Mittelfeld also alle Drei nicht.

"Die Umstände sind für uns nicht ideal", gab Schmidt zu: "Wenig Pause, der Wetterumschwung, die Reisestrapazen und weiterhin einige Ausfälle: Es ist nicht so, dass es für uns eine einfache Arbeit wird."

Keine Souveränität, keine Linie

Denn zu den genannten Problemen gesellt sich auch eine gehörige Portion Frust. Beim glücklichen Sieg im DFB-Pokal beim Regionalligisten 1. FC Magdeburg (5:4 im Elfmeterschießen) ließ die Mannschaft viel Kraft und schrammte nur knapp an einer Blamage vorbei. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Beim 0:1 beim Hamburger SV fehlte die Frische, sowohl physisch als auch psychisch. Die Souveränität kam abhanden, die Linie ging verloren.

Die Mannschaft ließ sich von der Unruhe anstecken, reagierte auf die Härte der Hamburger mit Härte, ohne spielerisch eine Lösung zu finden.

Es scheint, als fehle derzeit die mentale Stärke, die Ruhe und Abgeklärtheit einer Spitzenmannschaft, um spielerisch limitierte Teams wie den HSV zu knacken.

Es wird sich neben der Charakterfrage nun zwangsläufig auch zeigen, wie breit der Kader in seiner Qualität wirklich ist.

Heißt: Bayer ist mal wieder gefordert.

Schaffenskrise?

"Wir müssen an unsere Grenzen gehen, wenn wir etwas holen wollen. St. Petersburg ist eine Top-Mannschaft", erklärte Schmidt.

Zuletzt schien es jedoch, als sei Bayer bereits an besagte Grenzen gelangt. Auswärts blieb die Werkself in vier Liga-Spielen ohne Sieg, im Vergleich zum betriebenen Aufwand wurden zu viele Punkte liegen gelassen.

National steht die Mannschaft deshalb inzwischen ein wenig unter Zugzwang. Schmidt will von einer Schaffenskrise aber nichts hören.

"Wir sind sehr gefestigt in unserer Spielweise, da ändern auch die beiden letzten Spiele nichts dran. Wir haben gezeigt, zu was wir in der Lage sind", so Schmidt.

Noch enger zusammenrücken

Stefan Kießling sieht in den jüngsten Rückschlägen sogar etwas Positives. "Wir sind noch in der Lernphase, auf einem guten Weg und können als Mannschaft noch enger zusammenrücken, um den nächsten Schritt zu machen?, sagte der Angreifer.

Dass die Mannschaft enger zusammenrücken kann, hat sie zuletzt bereits eindrucksvoll bewiesen. (SHOP: Jetzt Fanartikel kaufen)

Als Calhanoglu sein unglückliches Interview im "ZDF-Sportstudio" gab, fing die Werkself ihren Spielmacher auf. Der zahlte es mit wichtigen Toren zurück.

Doch auch ein Calhanoglu in Bestform kann letztlich nicht zaubern. Auf der Sechser-Position noch weniger als auf der Zehn.

Keine einfache Phase

"Wir müssen schauen, wie wir die Ausfälle ausgleichen können. So eine Phase mit diesen Rückschlägen ist nicht einfach. Im Moment waren es auch ein paar viele Spiele, die wir hernehmen mussten, um zu lernen", merkte Kießling an.

In der Champions League lief es bislang allerdings nach Plan. Das Hinspiel hatte Bayer mit 2:0 gewonnen.

Leverkusen führt die Tabelle der Gruppe C nach drei Spielen mit sechs Punkten vor dem AS Monaco (5), Zenit (4) und Benfica Lissabon (1) an.

Weg wäre nicht mehr weit

Ein Erfolgserlebnis beim russischen Vizemeister und aktuellen Tabellenführer der Premjer-Liga, und der Weg ins Achtelfinale wäre nicht mehr weit.

"Wenn wir da etwas mitnehmen, geht die Tür deutlich weiter auf. Das ist eine große Chance für uns", sagte Schmidt. Und Sportdirektor Rudi Völler forderte: "Wir müssen wieder an unsere eigene Stärke glauben".

Seine Hoffnung: "St. Petersburg wird Fußball spielen. Hamburg hatte das nicht vor."

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