Dortmund - Nach dem Sieg des BVB gegen Galatasaray will Jürgen Klopp den Moment genießen. Doch seine Spieler denken an den nächsten Kracher.

Aus Dortmund berichtet Felix Meininghaus

Bei den Journalisten gehört Sebastian Kehl zu den beliebtesten Gesprächspartnern.

Der Routinier spricht selten in den branchenüblichen Floskeln, sondern kommt in seiner Analyse auf den Punkt.

Dortmunds Mittelfeldspieler hat im von ihm selbst angekündigten letzten Jahr seiner langen Karriere zwar die Kapitänsbinde abgegeben, in Dortmund fungiert er aber immer noch als Wortführer und heimlicher Kapitän.

Klopp: Spieler sollen Sieg genießen

Nach dem deutlichen 4:1 (1:0)-Sieg des BVB im Heimspiel gegen Galatasaray Istanbul, mit dem die Borussia vorzeitig den Sprung ins Achtelfinale der Champions League schaffte, sprach Kehl über den nächsten Gegner in der Bundesliga.

Eigentlich war das gegen die Maxime des Trainers, denn Jürgen Klopp hatte seinen Spielern nach dem Abpfiff befohlen, nun erst einmal den Moment zu genießen, und erst danach zum prekären Alltag im heimischen Wettbewerb zurückzukehren.

Kehl schaut schon auf Gladbach

Doch daran mochte sich der 34-Jährige nur zum Teil halten. Der Routinier verkündete zwar, dieser Abend sei "endlich mal wieder ein Grund, sich zu freuen", beschäftigte sich dann aber dann doch schon mit der sonntäglichen Pflichtaufgabe gegen Borussia Mönchengladbach: Da erwarte er ein ähnliches Spiel wie zuletzt bei den Bayern, das der BVB über weite Strecken gut gestaltete, auch wenn es am Ende verloren ging.

"Auch Gladbach spielt Pressing", sagte Kehl: "Das gibt Räume." Also damit genau das, was seine Mannschaft in den letzten Wochen so sehr vermisste, in denen es mit fünf Niederlagen in Folge bis tief in den Keller ging.

Keine Rotation gegen Galatasaray

Platz 17, das ist äußerst bedrohlich, und deshalb muss sich Dortmunds Erfolgstrainer einiges einfallen lassen, um den negativen Trend umzukehren. Klopp tut derzeit alles, um seine Mannschaft auf den richtigen Weg zurückzuführen.

Zum Beispiel entschloss er sich dieses Mal dazu, seine Formation während einer englischen Woche nicht durchzuwechseln. Stattdessen ließ er gegen Galatasaray exakt die elf Spieler auflaufen, die drei Tage zuvor die zweite Halbzeit in München begonnen hatten.

Die Rotation ist im Moment ausgesetzt, es gibt wichtigere Parameter, als dem Stammpersonal eine Pause zu verschaffen.

Klopp setzt auf Stabilität

Viel mehr gehe es "um Stabilität, wir brauchen Entwicklung, und die muss man auf dem Platz zeigen und sehen". Schlechte Nachrichten für einen ehrgeizigen Nationalspieler wie Matthias Ginter, der draußen mit den Füßen scharrt, den zuletzt schwächelnden Neven Subotic aber dennoch nicht ersetzen darf.

Oder Ilkay Gündogan. Nach 14-monatigem Rückenleiden sprüht der Edeltechniker vor Tatendrang, den er allerdings zügeln muss, weil es Klopp derzeit nicht um spielerische Leichtigkeit geht. Es erscheint ihm wichtiger, mit den defensiv orientierten Sebastian Kehl und Sven Bender vor der Abwehr ein Bollwerk zu errichten.

Klopp zufrieden

Das klappte gegen Galatasaray. "Wir haben sehr gut verteidigt und auch gut Fußball gespielt", lobte Klopp. Allerdings gegen einen erneut äußerst harmlosen Gegner aus der Türkei.

Da erwartet den BVB am Sonntag im eigenen Stadion ein ganz anderes Kaliber.

Gladbach hat seit 17 Pflichtspielen nicht mehr verloren und strotzt mit dieser historischen Serie im Rücken nur so vor Selbstvertrauen. Die Auseinandersetzung mit der Borussia vom Niederrhein werde wesentlich anspruchsvoller als das Spiel gegen Istanbul, schwant Kehl: "Die werden mehr investieren und aggressiver sein."

Reus: "Dürfen nicht so viel reden"

Torschütze Marco Reus will sich davon nicht abschrecken lassen. Es gehe darum, auch in der Liga wieder in die Erfolgsspur zu finden: "Wir dürfen nicht so viel reden, sondern müssen es einfach auf dem Platz zeigen ? so wie wir es heute gemacht haben. Wir haben am Sonntag die große Chance, endlich mal wieder drei Punkte zu Hause einzufahren."

Das klingt erst einmal überzeugend. Allerdings haben Dortmunds Profis nach den Siegen in Anderlecht und Istanbul ganz ähnliche Statements verbreitet. Was folgte, ist hinlänglich bekannt: Heimniederlagen gegen Hamburg und Hannover.

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