vergrößernverkleinern
Marc-Andre ter Stegen wechselte im Sommer von Borussia Mönchengladbach zum FC Barcelona

Aus Amsterdam berichtet Andreas Reiners

Amsterdam - Marc-Andre ter Stegen hatte die 90 Minuten in vollen Zügen genossen.

Der Teilzeit-Torhüter des FC Barcelona war beim 2:0-Sieg bei Ajax Amsterdam in der Champions-League sichtlich motiviert und fokussiert. (ROUNDUOP: Messi stellt Torrekord ein - Engländer patzen)

Eine Rückenverletzung in der Vorbereitung hatte den ehrgeizigen Torhüter gestoppt, seitdem kommt er lediglich in der Königsklasse zum Einsatz. Nach der harschen Kritik nach seinem Patzer zuletzt in Paris konnte er in Amsterdam überzeugen.

Und durch den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale hat er mindestens zwei weitere Einsätze sicher. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch der Ex-Gladbacher will natürlich mehr.

"Ich versuche, dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen", sagt ter Stegen über seine sportliche Situation. Bei Barca, wie auch in der Nationalmannschaft. (SHOP: Jetzt Fanartikel kaufen)

"Wenn das für mich so weitergeht, versuche ich, es auch Joachim Löw schwer zu machen, um mich herumzukommen", so ter Stegen.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 22-Jährige über seine bisherige Zeit beim FC Barcelona, den sportlichen Höhenflug seines Ex-Klubs Borussia Mönchengladbach und die Nationalmannschaft.

SPORT1: Herr ter Stegen, wie fällt ihre Bilanz nach den ersten Monaten in Barcelona aus?

Marc-Andre ter Stegen: Es ist schwer, so ein Gesamt-Resümee zu ziehen. Klar ist aber auch, dass mir die Situation so natürlich nicht gefällt. Ich spiele nur wenig, aber ich spiele in der Champions League und ich tue mein Bestes für das Team. Ich möchte auch einfach da sein. Und wir müssen schauen, dass wir in der nächsten Zeit wieder auf Trab kommen und Einzelschicksale interessieren da eigentlich nicht.

SPORT1: In der Saisonvorbereitung haben Sie sich verletzt. Wie gehen Sie mit der Entscheidung des Trainers um?

Ter Stegen: Ich respektiere die Entscheidung des Trainers, absolut. Ich habe mich zu einem ungünstigen Zeitpunkt verletzt. Aber gibt es einen guten Zeitpunkt, um sich zu verletzen? Dementsprechend versuche ich, durch meine Leistung zu überzeugen. Wenn ich hier stehe und sage "Trainer, warum spiele ich nicht? Ich habe doch heute gut gespielt" - das bringt mir nichts. Ich muss im Training und im Spiel mein Bestes zeigen und ich denke, das habe ich in Amsterdam wieder gemacht. Ich versuche, dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen. Das ist es, worauf ich baue. (

)

SPORT1: Nach dem Spiel in Paris sind Sie heftig kritisiert worden. Haben Sie sich schon an die emotionale Berichterstattung in Spanien gewöhnt?

Ter Stegen: Es ist ein bisschen anders dort. Ich wusste vorher, wie es laufen würde. Und ich kann mit Kritik umgehen. Ich weiß, dass ich da einen Fehler gemacht habe. Und ich weiß auch, dass ich gut einschätzen kann, wann ich ein gutes und wann ich ein schlechtes Spiel gemacht habe. In Paris habe ich einen Fehler, aber kein schlechtes Spiel gemacht. Auf den Fehler wurde aber alles reduziert. Ich bin einfach froh, dass ich immer wieder meine Leistung zeige und mich damit beschäftige.

SPORT1: Nun spielen ja auch ein paar Stars mit in Ihrer Mannschaft...

Ter Stegen:(lacht) Ein paar. Es geht eigentlich...

SPORT1: Ja, so zwei, drei... Jeder fragt sich ja, wie die so sind im täglichen Umgang? Ist Lionel Messi zum Beispiel ein Feierbiest?

Ter Stegen:(lacht) Das habe ich noch nicht herausgefunden. Ich habe meine Mitspieler und auch diejenigen drum herum als sehr nett kennengelernt. Ich wurde super aufgenommen und ich glaube, dass immer mehr Leute sehen, dass ich mein Bestes für den Verein gebe und vor allem auch meinen Mitspielern zeige, dass ich für sie da bin, wenn es mal schlecht laufen würde. Grundsätzlich haben wir tolle Typen in der Mannschaft und es ist schwierig, nur über einen einzigen Spieler zu reden, weil es alles große Persönlichkeiten sind. Ich bin froh, in dieser Mannschaft zu spielen.

SPORT1: Sie verfolgen Borussia Mönchengladbach noch regelmäßig. Haben Sie damit gerechnet, dass es so gut läuft?

Ter Stegen: Oh, ich habe es gehofft. Ich interessiere mich noch sehr dafür, was zuhause passiert. Ich habe noch regelmäßig Kontakt mit meinen früheren Mitspielern, mit Lucien Favre und mit Torwarttrainer Uwe Kamps. Es freut mich sehr, dass alles so gut läuft. Und ich wünsche dem Verein einfach nur das Beste. Ich habe immer gesagt, dass es besser wäre, wenn man jetzt nicht so über die Champions League nachdenken würde. Aber wenn sie den Platz halten, dann ist es so.

SPORT1: Es ist auch immer wieder von den Bayern-Jägern die Rede. Kann die Borussia tatsächlich ganz oben angreifen?

Ter Stegen: Da sollte man vor allem ruhig bleiben. An mir und meiner Aussage soll es nicht liegen, wenn sie dann am Ende in der Champions League spielen. Klar, man muss realistisch sein, dass da auch noch ein paar andere Vereine sind. Auch wenn zum Beispiel Dortmund relativ schlecht da steht. Ich denke, die werden auch noch mal kommen. Es gibt schon noch ein paar Mannschaften, die sehr gefährlich werden können. Aber sie spielen sehr konstant und ich freue mich jedes Mal, vor dem Fernseher zu sitzen.

SPORT1: Lucien Favre wird als Baumeister des Erfolgs genannt. Was ist sein Erfolgsgeheimnis?

Ter Stegen: Seine akribische Arbeit. Ich glaube, dass sich kein Trainer mehr für diese Aufgabe interessiert. Und der Trainer ist eine ganz herzliche Person. Jeder weiß, was er will. Es ist einfach geil, mit ihm zu arbeiten oder arbeiten zu dürfen.

SPORT1: Ihre Karriere verlief sehr geradlinig, bis auf das Auf und Ab in der Nationalmannschaft. Jetzt spielen Sie im Moment in der U 21...

Ter Stegen: Ich habe zuletzt auch in der U 21 gut gespielt und auch da meine Leistung gezeigt. Wie gesagt, ich tue überall mein Bestes. Das habe ich für Borussia getan, das mache ich für Barca und das mache ich überall, wo ich spiele. Die U 21 gehört natürlich auch dazu.

SPORT1: Vielleicht bald auch wieder in der A-Nationalmannschaft?

Ter Stegen: In der A-Nationalmannschaft habe ich in letzter Zeit nicht mehr so oft gespielt. Wenn das für mich so weitergeht, versuche ich, es auch Joachim Löw schwer zu machen, um mich herumzukommen. Ich habe alles richtig gemacht mit dem Schritt nach Barcelona und jetzt schauen wir mal.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel