München und Lissabon - Höwedes beklagt nach der Pleite bei Sporting mangelnde Fitness - ein Gruß an Ex-Trainer Jens Keller. Huntelaar urteilt hart.

Von Pierre Winkler und Henning Maid

Endlich ein Klartext-Kapitän. Benedikt Höwedes hatte genug vom verbalen Ausweichen.

"Manches, was man immer wieder sagt, könnte schon als Ausrede rüberkommen, deswegen sage ich, die Wahrheit liegt auf dem Platz, alles andere spielt keine Rolle", sagte der Schalker.

Das Problem: Dieses Zitat stammt aus dem Februar 2013. In der Zwischenzeit hat Höwedes offensichtlich erkannt, dass Ausreden doch ganz prima sind.

So auch nach dem 2:4 des FC Schalke 04 in der Champions League bei Sporting Lissabon (Spielbericht). Diesmal schuld an der Pleite: Ex-Trainer Jens Keller und dessen mieses Konditionstraining.

"Wir müssen schon noch etwas aufholen, ganz klar. Da müssen wir jetzt alle durch und dann im Winter ausgiebig daran arbeiten, dass wir alle fit sind", sagte Höwedes.

Denn fit sind die Schalker seiner Meinung nach nicht: "Wir hätten schon mehr machen können. Da kriegen wir im Moment die Konsequenz, dass wir nicht über 90 Minuten gehen können in einer intensiven Phase."

Schiedsrichter ärgert Höwedes

Schalke hätte auch zwei Elfmeter bekommen können, wegen eines Handspiels und eines Fouls an Max Meyer. "Wir hatten das Schiedsrichter-Glück heute nicht auf unserer Seite", ärgerte sich Höwedes.

Das stimmt zwar, bringt S04 aber nicht weiter. Deutlich dunkler malte Klaas-Jan Huntelaar sein Urteil: "Die Angst zu verlieren, war größer als der Wille zu gewinnen."

Seit geraumer Zeit pendelt Schalke zwischen den Hysterie-Polen, bemitleidet sich heute selbst und kramt morgen nach Kampfparolen.

Nach der Niederlage gegen Hannover am ersten Bundesliga-Spieltag hatte Höwedes mit Blick auf die vielen Verletzten noch verkündet: "Es ist bitter, dass wir nicht konsequent alle Mann auf dem Platz haben. Aber wir müssen damit zurechtkommen und dürfen jetzt nicht jammern. Das funktioniert nicht."

Schalke sucht nach Erklärungen

Trotzdem sind die Ausfälle etwa von Jefferson Farfan, Felipe Santana oder jüngst Julian Draxler immer wieder ein Thema. Was auch zu verstehen ist, schließlich müssen sich die Schalker deutlich zu oft die Frage stellen, wieso es wieder nicht geklappt hat. Vernünftige Erklärungen sind schwierig und rar.

Die Frage ist: Wie lange schiebt der Verein die aktuelle Situation noch auf Keller?

Zumindest dessen Nachfolger Roberto Di Matteo macht sich hier nicht schuldig. Der Italiener werkelt verzweifelt an dieser Schalker Elf, die einfach nicht für Offensive und Defensive gleichzeitig genügen will. Wie eine zu kurze Bettdecke: Entweder frieren die Schultern oder die Füße.

Sachlicher Di Matteo

Di Matteo wirkt in seiner Analyse sehr kontrolliert, beinahe technokratisch.

"In der ersten Halbzeit standen wir sehr gut, haben nicht viel zugelassen. In der zweiten Halbzeit aber haben wir zu tief verteidigt, da konnten wir nicht aufrücken und Druck auf den Ball machen", sagte er zum Lissabon-Spiel.

"Natürlich ist dann die defensive Organisation schwieriger geworden, vor allem, weil du nach einem Rückstand aufmachen musst. Nach Dennis Aogos Tor haben wir auf das 3:3 gedrückt und uns dann einen Konter gefangen."

Di Matteo weiß: Schalke ist ein Emotions-Flummiball. Er moderiert seine Umstrukturierungen so vorsichtig wie möglich. Dabei würde er angesichts von Abwehrpatzern wie in Lissabon besonders von Christian Fuchs und Dennis Aogo vermutlich gerne schneller und radikaler an die Sache herangehen.

Das Positivste dieses Abends aus Gelsenkirchener Sicht: Maribor sammelt in Schalkes Gruppe weiter Unentschieden und Sporting ist selbst keine Spitzenmannschaft - Di Matteos Truppe reichen deshalb womöglich drei Punkte am letzten Spieltag in Slowenien fürs Achtelfinale.

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