Manchester - Nach der Pleite bei ManCity ärgert sich besonders Manuel Neuer. Trainer Pep Guardiola sieht Positives und Negatives, warnt aber.

Manuel Neuer hatte den Reißverschluss seiner Trainingsjacke bis ganz nach oben gezogen. So als ob er sich damit vor weiterem Unheil schützen könnte.

Drei Tore hatte der Bayern-Keeper in einem Spiel kassiert. So viele Gegentore bekam Neuer ja zuvor in zwölf Bundesligaspielen insgesamt. Und dann triumphierte beim 2:3 bei Manchester City (Bericht) in Sergio Agüero auch noch dreimal derselbe Spieler.

In der Champions League erlebten die Bayern einen Dreierpack eines gegnerischen Stürmers zuletzt 2002 gegen Deportivo La Coruna. Torschütze: Ein gewisser Roy Makaay. Den holten sie dann schleunigst nach München.

City-Stürmer Agüero soll sich nach gesicherten SPORT1-Informationen nun aber nicht im Gepäck für den Rückflug nach München befinden.

Einladungen an Gegner nerven Neuer

"Die Niederlage ist einfach ärgerlich, weil wir hier einen Sieg hätten schaffen können", schimpfte Neuer in der Mixed Zone. Der zugige Gang in dem engen Schlauch zum Mannschaftsbus störte ihn dabei nicht, zu viel Ärger hatte sich angestaut.

Bis zur 85. Minute hatte der FC Bayern ja nach dem Platzverweis für Medhi Benatia in Unterzahl mit 2:1 geführt. Nach dem Freistoßtor von Xabi Alonso und dem Treffer von Robert Lewandowski hatten die Roten den Gegner eine Stunde lang zu zehnt in Schach gehalten, ehe Neuer leiden musste.

Der FC Bayern geht in Unterzahl in Führung

Just eigene Fehler, begangen von Alonso und Jerome Boateng, besiegelten die erste Pleite im fünften Vorrundenspiel.

"Das waren alles Tore, die wir selbst fabriziert haben. Es waren Einladungen, die passieren, weil die Kräfte geschwunden sind", stellte Neuer fest und hatte auch keine große Lust, Kunstschützen Agüero nach dessen Weltklasseleistung besonders zu loben.

"Bitter, dass wir uns nicht belohnt haben"

Lieber ließ er mit kämpferischer Miene wissen: "Bei allen drei Bällen war ich dran, da haben nur Zentimeter gefehlt."

Seit August hat der FC Bayern sein zweites Pflichtspiel verloren. Beides Mal ging es (fast) um nichts. Beim Supercup-Finale gegen Borussia Dortmund war der Kader noch unvollständig und in der Champions League genoss man ja schon vor Anpfiff den Status vorzeitig als Gruppenerster im Achtelfinale zu stehen.

"Es ist bitter, dass wir uns nicht belohnt haben", bedauerte Neuer dennoch nach dem 2:3 von Manchester.

Alonso gesteht Fehler ein

Routinier Xabi Alonso, der am Dienstag 33 wurde, mochte bei "Sky" nicht nach Ausflüchten suchen. "Wir hatten das Spiel unter Kontrolle und dann kamen diese beiden Fehler dazu", sagte er.

"Manchester City hat sehr viel Druck gemacht und meinen Pass einfach abgefangen."

Nach Abpfiff legte Arjen Robben sofort den Arm um Alonso, um ihn zu zeigen, dass die Pleite Bayern nicht umwirft. Und beim mitternächtlichen Bankett im Luxushotel "The Lowry" durfte der Spanier ohnehin nicht mehr mit sich und der Welt grollen.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge überraschte Alonso mit einem Geburtstagskuchen, die Mannschaft und 250 Gäste sangen ?Happy Birthday? Die beiden Watschen zwischen der 85. und 90. Minute taten nicht mehr so weh.

Nur ein Ausrutscher?

Eine unnötige Pleite - mehr war nach Rummenigges Interpretation nicht geschehen. "Es gibt keinen Grund etwas zu dramatisieren. Wir waren 18 Mal in Folge ungeschlagen", betonte er in seiner Bankettrede.

Dann verwies Rummenigge rasch auf die Bundesligapartie in Berlin am Samstag. Das 2:3 soll, bitteschön, aus Münchner Sicht nur ein Ausrutscher sein.

"Jeder Mannschaft der Welt fehlt die Kraft, wenn sie so lange mit einem Mann weniger spielen. Wir haben Fehler gemacht, in jedem Spiel lernen wir etwas", sagte daher Rafinha auf SPORT1-Nachfrage.

Guardiola entgehen Fehler nicht

Im Moment deutet vieles darauf hin, dass die Bayern sich durch die Pleite nicht aus dem Tritt bringen lassen. Dabei waren die Abwehraussetzer am Ende alarmierend.

So klang das 1:0 für City bei SPORT1.fm

Pep Guardiola hatte sie genau registriert. Den Prestigesieg bei City hätte der Bayern-Coach zu gerne mitnehmen wollen: Bei der Einwechslung von Bastian Schweinsteiger und eigener 2:1-Führung gestikulierte er wild wie ein Flughafenmitarbeiter, der gerade die Startposition für einen Airbus sucht.

"Stolz" sei er auf sein Team, kommentierte Guardiola die kämpferisch anspruchsvolle Leistung und warnte zugleich nach dem vergeigten Schlussspurt: "Es ist gut, dass es heute passiert ist, vielleicht ist es eine Lehre für uns. Denn wenn so etwas im Achtelfinale oder Viertelfinale passiert, bist du raus."

City bangt ums Weiterkommen

Sein Kontrahent Manuel Pellegrini hat schon aktuell gravierende Aufgaben zu lösen. City liegt zwar jetzt in der Tabelle mit fünf Punkten gleichauf mit dem AS Rom und ZSKA Moskau. Um sicher weiterzukommen, muss in Rom jedoch ein Sieg her.

Pellegrini kann dabei auf die Moral seines Teams bauen. "Unsere Mannschaft", stellte er fest, "hat immer den Kopf hochgehalten."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel