Mit Roberto Di Matteo hat Horst Heldt sein eigenes Schicksal verknüpft. Nach der Blamage gegen Chelsea wächst der Druck.

Auf Schalke ist die Sehnsucht groß. Die Sehnsucht nach Anerkennung. Nach Erfolgen. Nach Titeln. Deshalb denkt man in Gelsenkirchen auch gerne in den ganz großen Dimensionen. Mittelmaß hat in dem Schalker Anspruchsdenken keinen Platz.

Deshalb musste es dann auch ein Trainer von Welt sein, der dem Klub nach dem für den eigenen Anspruch zu blassen Jens Keller neuen Glanz verleihen und zurück in die Erfolgsspur führen sollte. Denn unter Champions League machen sie es auf Schalke nicht. Und vom Titel träumt man traditionell sowieso andauernd.

Nach knapp sieben Wochen unter Roberto Di Matteo ist der Klub endgültig vom Kurs abgekommen. Und im grauen Mittelmaß angekommen.

Das peinliche 0:5 gegen den FC Chelsea markiert den absoluten Tiefpunkt in der noch kurzen Ära des Italo-Schweizers. Konstanz auf hohem Niveau? (NACHBERICHT: Schalker Offenbarungseid)

Auf Schalke ein offenbar unerreichbarer Wunsch. Der Trainer wirkt ratlos, Manager Horst Heldt angeschlagen und angezählt, die Mannschaft kopflos. Führungsspieler? Soll es auf Schalke angeblich geben. Zu sehen ist von ihnen nichts. 

Kevin-Prince Boateng? Wurde als Leitwolf, als sogenannter Leader geholt. Stattdessen ist er ein Schatten seiner selbst. Taucht regelmäßig immer dann ab, wenn Leitwölfe gefordert wären. Wenn jemand die Ärmel hochkrempeln muss. Auch Klaas-Jan Huntelaar oder Weltmeister Benedikt Höwedes sind offenbar nicht in der Lage, diese seltsame Mannschaft zu führen. Fehlt die mentale Frische? Oder schlicht der Wille?

Fakt ist: Die Blamage gegen Chelsea hat gezeigt, dass Jens Keller gar nicht das Problem gewesen ist. Genauso wenig wie es jetzt Roberto Di Matteo ist. Auch der neue Trainer kämpft mit den Ungleichgewichten in einem Kader, dem die nötige Qualität und Mentalität fehlt, die Ausgewogenheit. Schlägt sich mit einem Team herum, dem Charakter, Leidenschaft und Kampfgeist zu oft abgehen.

Hat die Mannschaft Lust, kann sie durchaus begeistern. Doch das ist selten geworden. Siege sind zumeist glanzlos, Niederlagen werden wehrlos hingenommen. Eine launische Diva, eine Wundertüte, eine im Grunde unlösbare Aufgabe. Für jeden Trainer. (

Es ist aber vor allem ein Team, für dessen Zusammenstellung auch Heldt mit verantwortlich ist. Ein Team, dem die richtige Mischung fehlt. Mit der Verpflichtung von Di Matteo hat Heldt auch sein eigenes Schicksal verknüpft. Der Druck auf den Manager wächst. Scheitert Di Matteo, ist auch Heldt gescheitert. Heldt sollte handeln. Nein, er muss. Am besten schon in der Winterpause.

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