London - Nach der blutleeren Vorstellung beim FC Arsenal wachsen die Sorgen von Trainer Jürgen Klopp. Er will jetzt Ergebnisfußball.

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Die Einzelgespräche zur 0:2-Niederlage beim FC Arsenal hatte Jürgen Klopp direkt im Emirates Stadion begonnen. Auf dem Platz.

So zitierte er zwischenzeitlich Pierre-Emerick Aubameyang zu sich, um ihm offensichtlich seine Vorstellungen vom Defensivspiel nahezulegen. Und auch den eingewechselten Stürmer Adrian Ramos knöpfte sich der Trainer von Borussia Dortmund an der Seitenline vor.

"Wir hatten keine Diskussion, dazu gehören zwei Leute. Da hab nur ich gesprochen", teilte Klopp anschließend den Reportern mit.

Bewusst übernahm er die Rolle des Weckers.

Allerdings hätte wahrscheinlich ein Tanklaster mit Eiswasser an diesem Abend nicht ausgereicht, um seine Mannschaft aufzurütteln.

Nur acht Torschüsse

Der BVB absolvierte eines der schwächsten Champions-League-Spiele der vergangenen Jahre, das lässt sich nicht anders sagen. Der Biss fehlte schlicht. Die Brandrede von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke schien bereits wieder verhallt.

Und die - wohl mit gutem Willen - gezählten acht Torschüsse waren ebenfalls eine katastrophale Bilanz. Klopp weiß um die aktuellen Defizite, die Partie in Nordlondon muss ihn dennoch zusätzlich geschockt haben.

Dass Dortmund bereits für das Achtelfinale qualifiziert war, reicht alleine für solch eine Vorstellung nicht aus. Das frühe Gegentor aus der zweiten Minute genauso wenig. Der Ausfall von Marco Reus mag fehlende Kreativität begründen, mehr aber nicht.

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"Müssen wieder gieriger werden"

"Wir müssen wieder gieriger werden, das steht außer Frage", verlangte Klopp und presste aus dieser verunglückten Dienstreise auf die Insel das letzte Bisschen an Positivem, was er finden konnte: "Positiv ist, dass sich keiner verletzt hat und wir den direkten Vergleich gegen Arsenal gewonnen haben."

Heißt: Dortmund kann schon mit einem Remis im letzten Gruppenspiel Platz 1 behaupten.

Doch im Moment scheint die Champions League die Westfalen so gar nicht zu berühren, schließlich sind sie in der Bundesliga auf Platz 16 abgerutscht. Das eigene Haus steht in Flammen, was nützt da ein feines Feriendomizil anderswo?

"Man kann sich auch das Glück erkämpfen", schlussfolgerte Dortmunds Coach. "Wir brauchen Ergebnisse, nicht den perfekten Fußball." Zumal im Moment das schwarzgelbe Selbstvertrauen schmilzt wie Eis an einem heißen Augusttag.

Sportdirektor Michael Zorc hat diese Problematik im Blick. Auch dass es wahrscheinlich nicht klug wäre, im Moment weiter auf das Team einzuschlagen.

Lange überlegte er daher, ehe er auf SPORT1-Nachfrage sein Spielfazit abgab: "Arsenal war körperlich robuster, zweikampfstärker, trotz einer Überzahlsituation kriegen wir das erste Tor", klagte er.

Spieler stellen sich

Und vor der Bundesliga-Partie bei Eintracht Frankfurt mochte er den Spielern auch nicht die Ausrede zuschanzen, mit dem verletzten Reus wäre doch jetzt alles besser.

"Klar fehlt Marco", sagte Zorc, um hinzuzufügen, "es war aber insgesamt keine sonderlich gute Leistung."

Dem widersprach kein Spieler. "Wir hatten zu wenig Bewegung drin, Arsenal hat uns so sein Spiel aufgedrückt", befand Matthias Ginter. Und Abwehrkollege Neven Subotic schimpfte: "Wir konnten den Gegner gar nicht richtig unter Druck setzen, wir sind nicht unverdient der Verlierer."

Subotic sprach offen von der schwierigsten Zeit, seitdem er beim BVB ist. Immerhin stellten sich einige Profis trotz der Talfahrt, tiefgehende Erklärungen für die immer weiter um sich greifende Krise beim BVB gaben auch sie nicht ab.

Spieler und Verantwortliche wirken immer ratloser.

Watzke hatte nach seinem flammenden Appell auf der Jahreshauptversammlung ohnehin den Eindruck, alles gesagt zu haben, und verschwand mit kurzem Gruß im Teambus.

Zuvor plauschte er noch kurz mit Arsenal-Profi Lukas Podolski. Es war der einzige Moment, als Watzke kurz seinen ernsten Blick absetzte.

Klopp rauschte wenig später ebenfalls Richtung Bus. Zuvor klopfte er im Gehen mit zwei, drei Sprüngen auf der Stelle seine Schuhe aus, so als ob er damit den ganzen Negativlauf abschütteln könnte.

Immerhin: Um sein Team bis zur Partie in Frankfurt am Sonntag wieder aufzurichten, bleiben ihm noch drei Tage.

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