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Im Spiel gegen Galatasaray fliegen aus dem Gästeblock Böller und Feuerwerkskörper

Ein Pyro-Exzess im Gästeblock überschattet den Sieg Borussia Dortmunds gegen Galatasaray. Die Polizei verhindert Zusammenstöße.

Schwere Zuschauerausschreitungen haben den Sieg von Borussia Dortmund gegen Galatasaray Istanbul in der Champions League überschattet.

Gästefans zündeten während des gesamten Spiels immer wieder Pyrotechnik auf den Rängen des Signal-Iduna-Parks, warfen mehrfach armbreite Böller auf den Rasen und fackelten Rauchbomben ab.

Schiedsrichter Pavel Kralovec musste das Spiel in der 53. und in der 86. Minute jeweils für kurze Zeit unterbrechen, nachdem die Anhänger Feuerwerkskörper auf den Platz und in Dortmunder Fanblocks geworfen hatten.

Zwischenzeitlich diskutierten die UEFA-Vertreter offenbar sogar, das Spiel abzubrechen.

Watze ist empört

Die Verantwortlichen des BVB reagierten nach der Partie entsetzt und sauer.

"Das ist eine ganz andere Dimension. Da werden die Dinger in unsere Fanblöcke geschmissen. Unser Ordnungsdienst hat extrem penibel kontrolliert, aber du kannst das ja nicht verhindern, wenn das so groß angelegt ist", meinte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem Spiel bei "Sky".

Schon vor der Partie habe der Ordnungsdienst sogenannten Fans reihenweise Pyrotechnik abgenommen. "Was wir da alleine sichergestellt haben, spottet jeder Beschreibung", schilderte er.

Der 55-Jährige sah seinen Klub nicht als Schuldigen für die Ausschweifungen der Gästefans. "Wir haben kein schuldhaftes Verhalten an den Tag gelegt. Wir haben wirklich intensiv kontrolliert, aber es geht eben nicht", sagte er.

Brenzliger Eckball

Richtig brenzlig wurde es nach 53 Minuten als Shinji Kagawa vor dem gegnerischen Block einen Eckball schlagen wollte und Pyro sowie Feuerwerkskörper von den Rängen flogen.

Für mehrere Minuten unterbrach Referee Kralovec daraufhin die Partie. "In dem Moment als Shinji die Ecke schlägt, hatten wir schon Angst. Die Dinger können ja jeden treffen", erzählte Torschütze Marco Reus hinterher im Interview mit "Sky".

Sportdirektor Michael Zorc schilderte, wie Kralovec während der Unterbrechung mit Vertretern der UEFA kurzzeitig über einen Abbruch diskutiert hatte.

"Eine permanente Provokation"

"Zumindest hat der Uefa-Deligierte mit dem Schiedsrichter kurz darüber beraten. Bei der Ecke war es schon gefährlich, weil die Fans permanent Böller geschmissen und Pyrotechnik auf unsere Zuschauer geworfen haben", erzählte der 52-Jährige.

Zorc übte harsche Kritik an Teilen des gegnerischen Anhangs. "Das war eine permanente Provokation über die gesamte Spielzeit. Ich hoffe, dass unsere Fans ruhig und souverän bleiben, sich nicht allzu sehr provozieren lassen."

Doch unmittelbar nach dem Spiel enttäuschten wenige Dutzend vermummte Anhänger - mutmaßlich aus dem Dortmunder Block - seine Hoffnung und schritten mit Eisenstangen bewaffnet in Richtung der türkischen Fans. Die Polizei stellte sich mit großer Mannschaftsstärke dazwischen, sodass die Situation nicht weiter eskalierte.

Klopp angefressen

Auch Jürgen Klopp war nach der Partie angesichts der Bilder angefressen.

"Das ist ein schlimmes Bild gewesen. Ich kann jetzt leider nicht sagen, dass uns sowas noch nie passiert wäre. Wir waren auch schon verantwortlich für nicht so schöne Szenen", meinte der BVB-Coach bei "Sky". "Das heute wirft einen Schatten auf ein für uns wirklich phantastisches Spiel. Es war pure Provokation. Ich glaube, wenn wir hier untergegangen wären, wenn es 2:0, 3:0 für Galatasaray gestanden hätte, wäre das nicht passiert."

Mit Bengalos durch Innenstadt

Schon vor dem Spiel hatten zahlreiche Fans des türkischen Vizemeisters unliebsam auf sich aufmerksam gemacht. In einer großen Gruppe waren Anhänger von Galatasaray mit Bengalos bestückt durch die Innenstadt gezogen.

"Wir hatten einen Fanmarsch vom Friedensplatz in Richtung Stadion. Es waren circa 1.400 Anhänger von Galatasaray dabei. Türkische Fans sind - und das ist ja kein Geheimnis - bekannt für Pyrotechnik und Bengalos", schilderte Polizeisprecher Oliver Peiler im Gespräch mit SPORT1.

Aus Sicht der Polizei hatten es die Fans schon da "deutlich übertrieben. Sie haben teilweise erhebliche Böller geschmissen. Die Explosionen haben wir bis in unsere Büros im Präsidium gehört", erzählte Peiler.

Keine Auseinandersetzungen

Zumindest vor dem Spiel habe es keine Auseinandersetzungen mit Beamten gegeben, schilderte er weiter. Dennoch prüfe die Polizei Straftatbestände wie Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz.

"Böller, die in Richtung Personen geworfen werden, müssen gegebenenfalls als versuchte Körperverletzung ausgelegt werden", sagte der Polizeisprecher. "Im Nachhinein werden wir schauen, ob wir etwa durch Knalltrauma verletzte Kollegen haben."

Selbst für eine Bundesligastadt wie Dortmund sei die Anzahl an mitgebrachter Pyrotechnik und geworfener Böller außerordentlich gewesen, erklärte er. "Straßen waren in Farben getaucht, es wurden Raketen gezündet." Mehrere Hunderte Polizeibeamte waren seinen Angaben zufolge im Einsatz. Ob die Situation weiter eskaliere, machte er vom Spielverlauf abhängig - und sollte Recht behalten.

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