München - Der Stil des Schalker Coachs ist langsam erkennbar. In Maribor geht es um viel Geld für die Königsblauen und auch Di Matteos Ansehen.

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Um die Bedeutung dieser Partie ist sich jeder bei Königsblau bewusst. "Es ist ein Alles-oder-nichts-Spiel", sagt Schalkes Manager Horst Heldt.

Auch Roberto Di Matteo weiß, worum es für S04 in der letzten Gruppenbegegnung bei NK Maribor (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im Sportradio SPORT1.fm) geht.

Nach außen hin gibt sich der Trainer aber gewohnt unaufgeregt und gelassen. Er versucht alles, um den psychischen Druck von seiner Truppe zu nehmen.

Natürlich sei es "für alle Beteiligten ein Schritt nach vorne, wenn wir weiter in der Champions League dabei wären", stellt Di Matteo klar. Sagt aber auch: "Es ist kein Weltuntergang, wenn man diesmal nicht dabei ist und für die Zukunft aufbauen kann."

Sportlich gesprochen. Doch auch finanziell ist die Partie für die klammen Schalker von enormer Bedeutung.

Heldt hofft auf Geldsegen

In Europas tiefster Fußball-Provinz stehen mindestens sechs Millionen Euro auf dem Spiel. Allein 4,5 gäbe es für Sieg dem Einzug ins Achtelfinale. Hinzu kämen weitere Einnahmen einer wohl ausverkaufen Arena und ein höherer Anteil am Marktpool.

Es geht also um Geld, das ungemein helfen würde, um im Winter eventuell nachrüsten zu können. "Es würde die Planung verbessern", sagt Heldt.

Andererseits ist auch Maribor hoch motiviert: Mit einem Sieg könnten die Slowenen sich das Überwintern in der Europa League sichern, Schalke würde gar auf Platz 4 zurückfallen.

Di Matteos Stil immer deutlicher

Doch Schalkes Sportvorstand Heldt stimmen vor dem bislang wichtigsten Spiel dieser Saison zwei Tatsachen zuversichtlich.

Da wäre zum einen die sportliche Konstanz in den vergangenen Partien. 3:2 gegen Wolfsburg, 4:1 gegen Mainz und zuletzt 4:0 in Stuttgart.

Die Handschrift des Nachfolgers von Jens Keller wird immer deutlicher. Di Matteo hat S04 mit einem 3-5-2-System stabilisiert. "Gerade in den letzten drei Bundesliga-Spielen hatten wir eine gute Ordnung auf dem Platz", bestätigt Jan Kirchhoff. "Das war auch die Grundlage für den Erfolg."

Zwischen diesen Partien lag auch die schmerzhafte 0:5-Pleite gegen den FC Chelsea. Da hatte der 44-Jährige Matteo wieder auf Viererkette umgestellt - und dafür prompt Kritik aus den eigenen Reihen geerntet. Es sei "eine gute Frage" gewesen, warum der Coach die Formation geändert hatte, meinte Christian Fuchs.

"Es ist möglich, dass wir anders spielen"

Trotzdem ist das 3-5-2 auch gegen Maribor nicht gesetzt. Zumindest ließ Di Matteo sich beim Abschlusstraining nicht in die Karten schauen, testete gleich mehrere Varianten - sowohl mit einer als auch mit zwei Spitzen.

"Es gibt einen Unterschied zwischen Champions League und Bundesliga", sagt der Italo-Schweizer lediglich. "Daher ist es möglich, dass wir anders spielen."

Der zweite Aspekt, der Heldt hoffen lässt, ist der Charakter eines absoluten Endspiels. "In den letzten Jahren haben wir das immer hinbekommen", beteuert der Manager.

Schalke ist vorbereitet

Denn vor einem Jahr war die Ausgangslage in der Königsklasse ähnlich. Gegen den FC Basel musste ein Sieg her, um in die Runde der besten 16 zu kommen. S04 gewann 2:0.

"Spieler", so Di Matteo, "die diese Erfahrung schon einmal gemacht haben, sind natürlich besser darauf vorbereitet."

Doch der Coach schränkt postwendend ein: "Jedes Spiel hat eine eigene Geschichte. Daher glaube ich, dass sich das schwer vergleichen lässt."

Auch im Bundesliga-Finale der Saison 2012/13 stand für Schalke einiges auf dem Spiel. Die damalige Ausgangslage: Ein Dreier in Freiburg musste her, um es noch in die Quali für die Königsklasse zu schaffen. Königsblau siegte 2:1.

Immer, wenn es darauf ankam, waren die schwankenden Königsblauen da.

Auf Schützenhilfe aus London angewiesen

Dieses Mal jedoch gibt es einen entscheidenden Haken: Die Gelsenkirchener haben es nicht in der eigenen Hand.

Ein Sieg bringt die Schalker (5 Punkte) mit einem Erfolg in Maribor (3) nur dann ins Achtelfinale, wenn Chelsea (11 Punkte) gegen Sporting Lissabon (7) gewinnt.

Jose Mourinho, der Teammanager der "Blues" hat den Königsblauen bereits Hoffnung gemacht. "Mein Verlangen ist es natürlich, immer zu gewinnen", erklärt der 51-Jährige, der mit seinem Team bereits als Gruppenerster feststeht.

Allerdings kündigte "The Special One" auch an, die Rotationsmaschine in Gang werfen zu wollen.

Trotzdem habe Di Matteo "keine Bedenken, dass sie alles dafür tun werden, um das Spiel zu gewinnen", meint der Ex-Chelsea-Coach. "Aber in erster Linie geht es um uns. Wir müssen das Spiel gewinnen, dann können wir sehen, was das bedeutet."

"Aus kein Weltuntergang"

Im schlimmsten Fall könnte es bedeuten, dass Schalke mindestens sechs Millionen Euro durch die Lappen geht. Und dass es nicht einmal für die Europa League reicht, in der es in der Zwischenrunde nur 200.000 Euro gäbe.

Vom sportlichen Schlag mal ganz abgesehen. Di Matteo will sich erst nach der Partie mit den möglichen Szenarien auseinandersetzen, betont aber: "Es ist kein Weltuntergang, wenn man diesmal nicht dabei ist und für die Zukunft aufbauen kann."

Aber um etwas aufzubauen, würden die Extra-Millionen aus der Champions League sicher helfen.

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