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Borussia Dortmund, BVB, Champions League, Mitchell Langerak, Roman Weidenfeller
Mitchell Langerak (r., mit Roman Weidenfeller) spielt seit 2010 bei Borussia Dortmund © imago

Dortmund - Jürgen Klopp lässt auch nach dem Remis gegen Anderlecht die Torwartfrage weiter offen. Bei SPORT1 spricht nun Mitchell Langerak.

Aus Dortmund berichtet Andreas Reiners

Mitchell Langerak musste mal etwas klarstellen.

Denn seit Jürgen Klopp Weltmeister Roman Weidenfeller abservierte, auf die Bank verbannte und die Torwartfrage trotzdem in letzter Konsequenz weiter unbeantwortet lässt, gibt es bei Borussia Dortmund viel Platz für Diskussionen und Spekulationen.

Für Langerak selbst allerdings überhaupt nicht. Für den Australier ist die Sache klar.

"Roman ist die Nummer eins und ich bin die Nummer zwei. Wenn ich mal 50 Spiele hintereinander mache, dann würde ich sagen, dass ich die Nummer eins bin. Bis dahin muss ich hart arbeiten", sagte der 26-Jährige SPORT1.

Nein, eine Kampfansage hört sich dann doch anders an.

Zurückhaltung und Diplomatie 

Ein wenig überraschend war diese Mischung aus Zurückhaltung und Diplomatie schon. Denn zwei der 50 Spiele hat er inzwischen hintereinander gemacht.

Beim 1:1 im letzten Gruppenspiel der Champions League gegen den RSC Anderlecht (Bericht) stand Langerak erneut im Tor des BVB, der durch das Remis den so wichtigen Gruppensieg perfekt machte.

Langerak wurde gegen die Belgier zwar kaum geprüft. War aber zur Stelle, wenn er gefordert wurde. Wie in der elften Minute, als er nach einem Alleingang von Aleksandar Mitrovic glänzend parierte.

War ansonsten präsent, dirigierte lautstark, war hellwach. Wenn es überhaupt noch notwendig war, rührte Langerak die Werbetrommel in eigener Sache erfolgreich.

Klopp lässt T-Frage weiter offen

Doch Klopp lässt die momentan wohl spannendste Frage in Dortmund weiter offen. Vor dem Spiel gegen die Belgier erklärte er, dass er Langerak das Spiel schon länger versprochen habe und dass das mit der Gesamtsituation nichts zu tun habe. Also dann doch kein Fingerzeig?

"Langerak muss mich nicht überzeugen, ich weiß, was er kann. Ein Torwart muss da sein, wenn er gebraucht wird. Das war er. Ich werde mir für das Wochenende viele Gedanken über die Aufstellung machen, und dann wird auch wieder ein Torwart auf dem Platz stehen", sagte Klopp.

Es scheint, als inszeniere der Coach die Torwartfrage geradezu. Reizt die Ungewissheit bis zum Maximum aus. Gegen Hoffenheim war der Wechsel im Tor eine "Bauchentscheidung", gegen Anderlecht eine schon länger feststehende.

Neue Reize setzen

Und am Samstag bei Hertha BSC? Womöglich wieder eine kurzfristige, intuitive, spontane Entscheidung.

Vielleicht, um die Spannung hochzuhalten und um immer wieder neue Reize zu setzen. Um immer wieder zu verdeutlichen, dass niemand seinen Platz sicher hat. Große Verdienste hin oder her.

Manchmal hilft es, wenn man versucht, zwischen den Zeilen zu lesen. Während Weidenfeller bereits kurz nach dem Spiel kommentarlos in die Dortmunder Nacht verschwand, stand Langerak den Journalisten noch lange Rede und Antwort.

Bereits der Umstand, dass der Australier überhaupt sprechen durfte oder sollte, lässt möglicherweise Rückschlüsse zu.

Langerak selbst genoss die Aufmerksamkeit in vollen Zügen. Grinste. Scherzte. Lachte. Auch wenn der Status als Nummer eins möglicherweise dann doch nur eine Momentaufnahme ist.

"Ich mache mir keinen Druck"

Die derzeitige Ungewissheit? Lächelt er einfach weg. Und nimmt die Situation erstaunlich gelassen.

"Ich mache mir keinen Druck. Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Es ist die Entscheidung des Trainers. Wir müssen beide bereit sein. Das ist alles, was wir machen können. Ich hoffe natürlich, dass ich spiele. Und dann muss ich meine Leistung zeigen", sagte er SPORT1.

Rund um den BVB sorgt die T-Frage für viel Wirbel. Doch hinter den Kulissen des BVB geht es harmonisch zu. Fast schon langweilig.

"Der Trainer trifft die Entscheidungen. Ein Torwartewechsel ist immer ein riesiges Thema, weil es nur zwei gibt. Aber in der Mannschaft ist das gar kein Thema.

Wir haben zwei sehr, sehr gute Torhüter, die sich seit Jahren pushen", sagte Nuri Sahin, der gegen Anderlecht sein Comeback nach siebenmonatiger Verletzungspause gab.

Feindschaft? Psychokrieg?

 Feindschaft? Psychokrieg? Mitnichten, sagt auch Langerak.

"Unser Verhältnis ist sehr gut. Wir sind seit vier Jahren gute Freunde, auf uns abseits des Platzes. Er hat mir heute wieder viel Glück gewünscht und redet mir auch sonst vor den Spielen gut zu. Er ist ein guter Kerl. Unser Verhältnis hat sich nicht verändert", so der Australier.

Möglicherweise verändert sich die Situation jedoch spätestens in der Winterpause. Denn Langerak steht im vorläufigen Aufgebot zum Asien Cup (9. bis 31. Januar).

Und verpasst so nicht nur die komplette Vorbereitung, sondern je nach Abschneiden der Gastgeber sogar das erste Rückrundenspiel bei Bayer Leverkusen.

Asien Cup "eine große Ehre" 

Lange überlegen musste der 26-Jährige jedoch nicht, als er für den vorläufigen Kader nominiert wurde.

"Das ist eine schwere Sache. Aber es ist eine große Ehre für mich. Der Asien Cup ist in Australien und wir haben eine gute Chance, ihn zu gewinnen. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Im Moment bin ich noch da, und daran denke ich", sagte Langerak.

Und damit auch an das nächste Spiel, am Samstag in Berlin. Gruppensieg hin oder her - das Tagesgeschäft zählt. Denn der Sieg zuletzt gegen Hoffenheim war ein erster, kleiner Schritt aus der Krise, mehr nicht.

"Wir sind in der Bundesliga nicht so gut. Wir müssen jetzt anfangen, Punkte zu sammeln. Die Stimmung ist aber sehr gut. Ich hoffe, dass wir die guten Leistungen zuletzt dann auch wieder auf den Platz bringen."

Ob Langerak das dann auch darf oder nicht, ist offen. Fest steht jedoch: Er wird es gelassen nehmen.

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