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Leverkusens Trainer Roger Schmidt hat bei Bayer einen Vertrag bis 2016
Leverkusens Trainer Roger Schmidt hat bei Bayer einen Vertrag bis 2016 © getty

Lissabon - Nach verpasstem Platz 1 redet Leverkusen ein Dilemma klein. Jens Nowotny diagnistiert bei SPORT1.fm ein Kopfproblem.

Sportchef Rudi Völler schäumte innerlich vor Wut. Und Geschäftsführer Michael Schade flüchtete sich in Galgenhumor.

"Ich trage die Verantwortung dafür, dass wir nicht als Gruppenerster ins Achtelfinale eingezogen sind", scherzte der Klubboss bei seiner kurzen Rede auf dem Bankett nach dem 0:0-Trauerspiel von Bayer Leverkusen bei Benfica Lissabon.

Und Schade erklärte: "Rudi Völler hatte mir den Auftrag gegeben, bei der Gruppenauslosung auf jeden Fall dem AS Monaco aus dem Weg zu gehen. Das habe ich nicht geschafft."

Damit konnte Schade die Stimmung im Festsaal des luxuriösen und futuristisch anmutenden Nobelhotels Myriad am Ufer des Tejo aber auch nicht mehr anheben.

Stimmung am Boden

Nach dem verpassten Gruppensieg herrschte Trauerstimmung.

Das köstliche Buffet mit portugiesischen Spezialitäten wurde kaum angerührt, die Spieler schlichen vor einer kurzen Nacht schlecht gelaunt frühzeitig auf ihre Zimmer.

"Natürlich sind wird enttäuscht, weil wir zwei Matchbälle nicht genutzt haben", sagte Schade und resümierte nicht zu Unrecht: "Vor allem die beiden 0:1-Niederlagen gegen Monaco haben uns den möglichen Gruppensieg gekostet."

Nowotny sieht Kopfproblem

Bei SPORT1.fm diagnostizierte Jens Nowotny dem Team auch ein Kopfproblem:

"Wenn vorher gesagt wird, du bist durch und es ist egal, ob du nun Erster oder Zweiter wirst, dann kann so etwas eben schnell passieren. Dann bist du unterbewusst eben nicht bei 100 Prozent", sagte Leverkusens Ex-Kapitän.

Real, Atletico oder Chelsea?

Der Tatsache, dass nun im Achtelfinale der Champions League so starke Teams wie Titelverteidiger Real Madrid, Finalist Atletico oder der FC Chelsea drohen, hat für Schade aber auch etwas Gutes: "Da haben wir im Hinspiel mit Sicherheit ein vollen Haus."

Auch Völler, der bereits zur Pause der Werkself die "schlechteste Halbzeit seit langem" attestiert hatte und kurz nach dem Schlusspfiff bemüht war, sich den Mund nicht zu verbrennen, gab sich kurz vor Mitternacht aber wieder einigermaßen versöhnlich:

"So haben wir uns das nicht vorgestellt, aber viele andere Mannschaften würden gerne mit uns tauschen", meinte er.

"Es hat nicht sollen sein"

Dass das Rückspiel der ersten K.o.-Runde nun auswärts stattfinden wird, gefällt Völler aber ebenso wenig wie seinem Trainer Roger Schmidt.

"Es ist schade, dass wir das Rückspiel nicht zu Hause haben. Wir hatten es schon gegen Monaco selbst in der Hand. Es hat aber nicht sollen sein", sagte der 47-Jährige.

Nach der gefühlten Niederlage wollte er seinem Team aber keinen Vorwurf machen: "Ich kann meine Mannschaft nicht verurteilen, ich kann ihr nur zum Achtelfinaleinzug gratulieren."

Dass man ihm selbst nicht zum Gruppensieg beglückwünschen konnte, hatte sich der Bayer-Coach selbst zuzuschreiben. Denn mit einer vogelwilden Rotation hatte er den Bundesliga-Vierten ohne Not seiner Stärken beraubt und der B-Elf der Adler in die Karten gespielt.

Drmic und Kruse versagen

"Ich wollte angesichts der vielen englischen Wochen etwas Frische auf den Platz bringen", begründete Schmidt seinen Verzicht auf Torjäger Stefan Kießling oder Heung-Min Son in der Startelf.

Deren Vertreter Josip Drmic und Robbie Kruse versagten aber auf der ganzen Linie und werden sich am Sonntag im Westderby gegen Borussia Mönchengladbach mit ziemlicher Sicherheit auf der Bank wiederfinden.

Genauso indiskutabel wie die Vorstellung der beiden Offensivkräfte war die Gelb-Rote Karte für Ömer Toprak in der Nachspielzeit.

"Das war irgendwie symptomatisch für unser Spiel. Aber das müssen wir jetzt abhaken und uns voll auf das Spiel gegen Gladbach konzentrieren", forderte Schade.

Bei der Achtelfinal-Auslosung am Montag hofft er nun auf das Losglück - nachdem er bei der Gruppenauslosung den Auftrag nicht erfüllt hatte.

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