Maribor - Der Matchwinner von Maribor hatte unter Roberto Di Matteo einen schweren Start. Nun zeigt sich, dass auch er von ihm profitiert.

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Mit einer bemerkenswerten Coolness schlenderte Max Meyer zum abfahrtbereiten Mannschaftsbus.

Äußerlich völlig unbeeindruckt von dem, was er geleistet hatte, analysierte er am SPORT1-Mikrofon sein Tor. Das Tor, das Schalke 04 zum den 1:0-Sieg bei NK Maribor sicherte. Und damit den Einzug ins Champions-League-Achtelfinale.

"Ich bin reingekommen und habe direkt den entscheidenden Treffer gemacht. Das fühlt sich schon gut an", sagte Meyer. Von besonderem Druck oder gar einer Angst vor dem Ausscheiden will er aber nichts gespürt haben.

"Wir haben immer Druck, ob in der Bundesliga oder in der Champions League", hielt der Youngster fest: "Für mich war es ein Spiel wie jedes andere."

Torwartfehler entscheidet das Spiel 

Teamkollege Eric-Maxim Choupo-Moting hatte wenige Minuten zuvor bei SPORT1 noch von einem "echten K.o.-Spiel", Kapitän Benedikt Höwedes von "großer Erleichterung" gesprochen.

Einzig Meyer mutete nach dem finanziell eminent wichtigen Weiterkommen der Schalker völlig gelassen an.

So gelassen wie bei seinem Joker-Tor in der 62. Minute, bei dem er - nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung - von einem Abklatscher des slowenischen Schlussmanns Jasmin Handanovic profitiert hatte.

Ruhe und Gelassenheit

Schale 04, Fuchs, Meyer, Huntelaar
© getty

Womöglich ist es diese Abgeklärtheit, die Meyer im Schlussspurt der Hinrunde immer stärker werden lässt.

Der 19-Jährige hatte keinen einfachen Start unter Trainer Roberto Di Matteo, wurde von dem Italo-Schweizer wesentlich seltener eingesetzt als von Vorgänger Jens Keller.

Verunsichern ließ Meyer sich davon nicht. Stattdessen nutzte er die wenigen sich ihm bietenden Möglichkeiten, den neuen Coach zu überzeugen. Mit zunehmendem Erfolg.

In den vergangenen drei Pflichtspielen war Meyer stets an einem Tor beteiligt: Beim 4:1 gegen Mainz legte er für Klaas-Jan Huntelaar auf, beim 4:0 in Stuttgart und nun in Maribor traf er jeweils selbst.

Neues System - neue Stabilität 

"Natürlich ist man enttäuscht, wenn man nicht von Anfang spielt", räumte Meyer im Gespräch mit SPORT1 zwar ein, betonte aber zugleich: "Ich versuche immer, mich anzubieten - auch, wenn ich später reinkomme."

Auch im Minus zwei Grad kalten Stadion Ljudski vrt hatte der 1,73-Meter-Mann keine Anlaufprobleme. Was, wie er selbst sagte, auch am immer häufiger angewandten neuen Schalker System mit Dreierkette hinten und Doppelspitze vorne liegt.

"Vorher herrschte immer gleich eine gewisse Unsicherheit, wenn man vorne mal den Ball verloren hat. Da waren wir sehr anfällig für Konter", analysierte Meyer und stellte fest:

"Inzwischen stehen wir deutlich besser und deshalb kann man vorne auch mehr Risiko gehen."

 Dass die von ihm bevorzugte Zehnerposition der Umstellung auf das 3-5-2 mit jeweils zwei offensiven und defensiven Außenbahnspielern zum Opfer gefallen ist, nimmt Meyer angesichts des derzeitigen Erfolgs gerne in Kauf.

"Ich fühle mich auch in dieser Rolle wohl", sagte der technisch versierte Mittelfeldmann, der nun mehr über rechts oder links als durch das Zentrum kommt, und ergänzte:

"Das Wichtigste ist sowieso, dass wir zwei spielstarke Stürmer haben, mit denen ich gut kombinieren kann."

Siegeshungrig in den Jahres-Endspurt

Huntelaar und Choupo-Moting, die besagten Angreifer, traten in Maribor zwar nicht ganz so auffällig in Erscheinung traten wie in den Partien zuvor. Beim Aufschwung der Schalker spielen sie trotzdem eine Schlüsselrolle

"Es funktioniert ganz gut im Moment", sagte Choupo-Moting nach dem Sieg in Slowenien.

Torschütze Meyer fügte selbstbewusst hinzu: "Wenn wir weiter so konstant unsere Leistung abliefern wie zuletzt, werden wir bis zur Winterpause noch einige Punkte holen."

Trotz Steigerung noch Luft nach oben

Vielleicht sogar darüber hinaus.

Denn auch, wenn sie sich in Maribor lange Zeit schwer taten: Die Schalker wirken in ihrem Spiel mittlerweile gefestigter - und mit ihrem Potenzial noch nicht am Ende.

Dank Meyer, dank ihrer immer besser greifenden neuen Taktik und auch dank der Schützenhilfe des FC Chelsea, der Sporting Lissabon im Parallelspiel der Gruppe noch vom zweiten Tabellenplatz geschubst hatte, mischen die Königsblauen auch nach der Winterpause auf der ganz großen europäischen Bühne mit.

Youngster Meyer könnte dabei eine tragende Rolle einnehmen.

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