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Lwiw - Xabi Alonso gerät nach seiner Gelb-Roten Karte weiter in die Kritik. Die Nullnummer bei Schachtjor Donezk tut dem FC Bayern weh, die Bosse erhöhen den Druck.

Mit betretener Miene schlich Xabi Alonso nach der Landung in München durch den verwaisten Flughafen und verabschiedete sich in die Nacht.

Auch fast vier Stunden nach dem enttäuschenden 0:0 des FC Bayern im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Schachtjor Donezk hatte sich die Laune des Spaniers nicht gebessert.

Denn so hatte sich der Mittelfeldspieler das nicht vorgestellt. Gelb-Rot nach 65 Minuten bei seinem 100. Auftritt in der Champions League. Unfreiwillig hatte der Routinier den Bayern damit den Weg zu einem möglichen Auswärtssieg endgültig verbaut.

Erste Kritik an Alonsos Stil

"In der ersten Halbzeit haben wir die eine oder andere gute Torchance gehabt, in der zweiten war es dann bitter, dass wir so lange mit einem Mann weniger spielen mussten", analysierte Nationaltorhüter Manuel Neuer.

So gemein es klingen mag: Es passte ins Bild, dass ausgerechnet Alonso des Feldes verwiesen worden war. Er gab den Kritikern somit neue Nahrung. Schließlich hatten die sich nach den mäßigen Vorstellungen in den ersten beiden Rückrunden-Spielen gegen Wolfsburg (1:4) und gegen Schalke (1:1) langsam aus der Deckung gewagt.

Der frühere Welt- und zweimalige Europameister sei zu langsam und verschleppe mit seinen zahllosen Querpässen das Tempo, hieß es.

Und gerade beim 8:0 gegen den Hamburger SV, als es bei den Münchnern zum ersten Mal nach der Winterpause wieder so richtig flutschte, fehlte der 33-Jährige wegen Oberschenkelproblemen.

Nach drei gelbwürdigen Fouls vom Platz

Seine Klasse wollte Alonso jetzt in Lwiw wieder beweisen. Aufgrund der Kämpfe in der Ostukraine trägt Schachtjor notgedrungen dort, nahe der polnischen Grenze, seine Heimspiele aus. Und die Ukrainer, die zu Eintrittspreise von teilweise unter einem Euro ins Stadion geströmt waren, sahen einen kämpferischen Mittelfeldantreiber an der Seite von Bastian Schweinsteiger.

Ein böser Fehlpass ganz zu Beginn, danach zog Alonso wieder sein Spiel auf - sprich mit vielen Ballkontakten. Drei gelbwürdige Fouls überstrapazierten dann die Geduld von Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco.

Xabi Alonso
Nach einem Foul an Alex Teixeira musste Xabi Alonso vom Platz © Getty

Rummenigge attackiert Schiedsrichter

Die Bayern mochten die Einschätzung des Referees dagegen ganz und gar nicht teilen.

So stichelte Neuer in Richtung Mallenco und meinte: "Er hat uns schon in Südafrika gegen Serbien gepfiffen, da weiß man, wie es war." Zur Erinnerung: 2010 verlor Deutschland bei der WM 0:1 gegen Serbien, Miroslav Klose sah dabei Gelb-Rot.

Bei Karl-Heinz Rummenigge klang die Schiedsrichter-Schelte noch schärfer. "Der Schiedsrichter war eine Katastrophe", polterte der Vorstandschef des FC Bayern. "Die zweite Gelbe Karte gegen Alonso war keine. Das war kein Champions-League-Format."

Karl-Heinz Rummenigge ist seit 2002 Vorstandsboss des FC Bayern
Karl-Heinz Rummenigge ist seit 2002 Vorstandsboss des FC Bayern © Getty Images

Doch Rummenigge suchte die Schuld für die Nullnummer nicht allein beim Unparteiischen.  "Wir hätten es uns leichter machen können für das Rückspiel. Das ist uns nicht gelungen. Das ist der Vorwurf, den wir uns machen müssen."

In der klirrenden Kälte von Lwiw machten die Münchner Bosse das Team rasch darauf aufmerksam, dass jetzt mehr kommen müsse. Dabei war die Anspannung unübersehbar.

"Müssen Schippe drauflegen"

"Wir müssen eine Schippe drauflegen, ohne dabei die Nerven zu verlieren", kommentierte Matthias Sammer. "Heute war nicht schlecht, aber das ist noch nicht Bayern München und da müssen wir wieder hin."

Dass die Bayern immerhin defensiv sicher standen, so die gefährlichen Konterspieler Donezks kontrollierten, war zumindest ein Trost für den Sportvorstand. Ansonsten wird auch ihm die fehlende Zugkraft im Angriff nicht entgangen sein.

Neue Zweifel an Lewandowski

In der zweiten Hälfte passierte nach vorne gar nichts mehr. Stürmer Robert Lewandowski war bereits bei seiner Einwechslung in der 75. Minute der Verlierer des Abends.

Der Pole hatte zwar beim 8:0 gegen den HSV getroffen, in der Champions League vertraute Pep Guardiola aber lieber auf Thomas Müller. Sogar der gerade erst wiedergenesene Franck Ribery stand in der Startelf.

Für Lewandowski geht es jetzt darum, sich bis zum Rückspiel am 11. März wieder in Guardiolas Gunst nach vorne zu spielen, eine weitere Nullnummer können sich die Münchner nicht erlauben.

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