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Cristiano Ronaldo schreit
Cristiano Ronaldo gewann 2014 mit Real Madrid die Champions League © Imago

Gelsenkirchen - Superstar Cristiano Ronaldo zieht bei Real Madrids Sieg auf Schalke den Unmut der Zuschauer auf sich. Er reagiert mit einem Tor und klaren Gesten. Toni Kroos freut sich mit ihm.

Cristiano Ronaldo lamentierte. Gestikulierte. Und reklamierte. Dem Portugiesen stand der ganze Frust der vergangenen Wochen ins Gesicht geschrieben.

Dazu diese Pfiffe. Laute, durchdringende Pfiffe. Mit jeder Ballberührung, mit jedem Übersteiger wurden sie lauter. Schließlich gingen sie über in ein hämisches Gröhlen, wenn der Superstar von Real Madridbeim 2:0-Sieg auf Schalke gefoult wurde.

Als er sich nach einem der zahlreichen Tritte meterweit über den Rasen wälzte, nach dem Freistoßpfiff aber sofort wieder auf den Beinen war, war die Abneigung gegen den Weltfußballer mit Händen zu greifen. Dass er wie die gesamte Mannschaft noch in femininem Pink auflief, tat sein Übriges dazu.

Seine Cowboy-Pose vor Freistößen wird sowieso gehasst, seine Fallsucht ebenso. Als er schließlich einmal nach mehreren Übersteigern ins Stolpern geriet, wurde sogar Gelächter daraus. Die Höchststrafe für einen Fußballer.

Auch wenn Ronaldo solche Unmutsäußerungen gewöhnt sein dürfte, bringen sie ihn immer wieder aus dem Konzept.

Anerkennung, aber keine Zuneigung

Treffen ihn, auch wenn er es nur ungern zugeben wird. Ihn, der sich zwar in den vergangenen Jahren die Anerkennung der gesamten Fußball-Welt erspielt hat. In den wenigsten Fällen aber auch die Zuneigung.

Fan von Cristiano Ronaldo
Zumindest dieser weibliche Fan verehrt Cristiano Ronaldo © Imago

Nach 20 Minuten, so schien es, war das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League für ihn bereits gelaufen. Zur besagten Gestik kam die für Ronaldo oft so typische Mimik. Dieses leidende, leicht verzerrte Gesicht, wenn es nicht nach Plan läuft. Nach seinem Plan.

Doch in der 26. Minute stand er endlich mal wieder richtig. Stieg nach einer Flanke des Ex-Leverkuseners Daniel Carvajal am höchsten und nickte zum 1:0 ein.

Abrechnung mit dem Publikum

Was folgte, war eine kurze, persönliche Abrechnung mit dem Schalker Publikum. Mit den Fans, die ihn so verhöhnt hatten. Ronaldo legte die Hände an die Ohren und lief die Südkurve entlang, den Blick zu den Anhängern gerichtet, als wolle er sagen: "Und jetzt? Was sagt ihr jetzt?"

Den zweiten Treffer durch Marcelo bereitete er schließlich vor, indem er gleich drei Schalker stehen ließ.

Es war nicht der Glanz des Vorjahres, den Real und Ronaldo an diesem Abend versprühte. Doch vor allem war der Sieg Balsam auf die Seele, in erster Linie für Ronaldo.

Denn die Real-Krise der vergangenen Wochen war vor allem auch eine Ronaldo-Krise. Es ist kaum fünf Wochen her, da war der Portugiese zum dritten Mal zum Weltfußballer gewählt worden.

Schlagzeilen außerhalb des Platzes

Doch dann mutierte er plötzlich zum Sorgenkind. Ronaldo traf nicht mehr. Der Schwung aus der Hinrunde war wie weggeblasen, Real und Ronaldo kamen aus dem Tritt.

Und da war die ausschweifende Feiernacht zu seinem 30. Geburtstag - nach dem 0:4-Debakel im Stadtderby gegen Atletico reichlich deplatziert. Hinzu kam Ende Januar die Trennung  von seiner langjährigen Freundin Irina Shayk. Wie es schien, war die offenbar nicht von ihm ausgegangen.

Seitdem hat er Ladehemmung, traf zuletzt in vier Punktspielen gar nicht und in acht Partien im Jahr 2015 nur viermal. Eine aus Ronaldos Sicht inakzeptable Quote.

Pfiffe im Bernabeu

Deshalb dürften ihn die jüngsten Pfiffe im heimischen Bernabeu, also dort, wo ihm die Zuneigung der Fans eigentlich am sichersten ist, bis ins Mark getroffen haben. Der Portugiese wirkte zuletzt verkrampft und missmutig, was ihm den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Tristano" einbrachte.

Doch auf Schalke fanden Ronaldo und Real wieder in die Spur. Vorerst zumindest. Auch wenn Toni Kroos die von vielen Seiten angedichtete Krise bei Real gar nicht gesehen hat.

Man habe in der Hinrunde sicher besseren Fußball gespielt, gab der Weltmeister zu. "Dazu gehören aber auch ein paar Spiele am Stück, die man nicht gewinnt. So eine Krise wie wir hätten viele Mannschaften gerne."

Tabellenführer sind sie nämlich immer noch. Auch ohne Ronaldos Tore. Und am Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse zweifelt nach dem Hinspiel niemand mehr wirklich.

"Er lebt dafür, Tore zu schießen"

"Es ist klar, dass Cristiano Ronaldo dafür lebt, Tore zu schießen", sagte Reals Trainer Carlo Ancelotti. Kroos bestätigte: "Selbst er darf mal zwei, drei Spiele nicht treffen. Bei ihm ist es immer eine Frage der Zeit, bis er wieder trifft."

Ancelotti stellte dann auch klar: "Intern ist es für uns nie ein Problem, wenn er mal ein paar Spiele nicht trifft. Es war aber ein wichtiger Treffer, der Führungstreffer. Ich denke, dass wir wieder in der richtigen Spur sind", so der Italiener.

Nach dem 2:0 hatte er beinahe ausgelassen mit den Spielern gefeiert.  Man merkte, dass nicht nur ihm eine ordentliche Last von den Schultern gefallen war. Denn am Ende ist Ancelotti vor allem auch von den Launen seines Superstars abhängig.

Ronaldo selbst sagte nichts. Er stolzierte nach dem Sieg durch die Mixed Zone. Lächelnd. Er hatte auf dem Platz genug gesagt.

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