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Von Greifswald zum Weltstar: Toni Kroos ist bei Real Madrid auf dem Olymp angelangt - was sich immer abzeichnete, wie sein Vater Roland SPORT1 verrät. Gegen Schalke könnte er auch Ronaldo überstrahlen.

Als Toni Kroos erst vier Jahre alt war, war für seinen Vater Roland der Fall bereits klar. "Auch wenn man natürlich nie weiß, ob es denn tatsächlich so kommt", sagt Kroos senior im SPORT1-Interview.     

Und dennoch: Schon immer stand im heimatlichen Greifswald fest, "dass wir diesen Weg gehen wollen. Es kam nichts Anderes infrage."

So kam es denn auch - die Geschichte ist bekannt: Von der Provinz in Mecklenburg-Vorpommern führte Toni Kroos' Weg aus dem über und über mit Johan-Micoud-Postern dekorierten Kinderzimmer über Hansa Rostock zum Rekordmeister FC Bayern - und schließlich zum noch klangvolleren Weltklub Real Madrid.

Angelangt am Ziel des stillschweigend vereinbarten Versprechens zwischen Vater und Sohn, nach Möglichkeit das fußballerische Optimum herauszuholen.

Rückkehr gegen Schalke

Nach seinem Wechsel zu den Königlichen im Sommer steht Kroos in der Champions League gegen den FC Schalke 04 (Mi., ab 20.15 Uhr im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) nun erstmals wieder vor einem Pflichtspiel-Duell mit einem deutschen Klub.

Und der 25-Jährige ist mehr denn je in der Verantwortung, weil der Fokus noch mehr auf ihm liegt. (TABELLE: Real in der CL-Gruppenphase)

Die Gründe: Reals Lichtgestalt Cristiano Ronaldo schwächelt, im Umfeld des Klubs rumort es angesichts Reals Rumpelstart 2015, und gegen Schalke würde alles andere als ein Sieg fast schon einer Blamage gleichkommen. (CHAMPIONS LEAGUE: Das Achtelfinale)

"Madrid ist extremer als München", sagte Kroos unlängst in der Sport Bild. Es ist die Maximal-Stufe an Druck, dem der Weltmeister Kroos nun standhalten muss.

Einst jüngster Bayern-Spieler

Dass er dazu imstande sein kann, hat der Mittelfeld-Stratege schon in ganz jungen Jahren gezeigt.

Früh fort aus dem elterlichen Elternhaus, wenngleich Vater Roland als erster Coach und Berater zur Seite stand. Mit 17 Jahren, 8 Monaten und 22 Tagen einst jüngster Spieler in der Bundesliga.

"Vom Grundcharakter ist er stets der Gleiche geblieben, der nämlich alles mit Bedacht macht und mit viel Übersicht. So ist seine Spielweise immer noch", sagt Vater Kroos bei SPORT1.

Und doch war der Weg des Sohns mitnichten bloß eine Einbahnstraße des Erfolgs.

Unter Klinsmann aussortiert

Jürgen Klinsmann hatte bei den Bayern keinen Platz für den Hochveranlagten, es kam zum zwischenzeitlichen Leihgeschäft mit Bayer Leverkusen.

Bei Real ist Gefahr ungleich höher, aussortiert zu werden.    

"Es kann ganz schnell gehen. Aber Toni hat begriffen, dass er jeden Tag ganz hart an sich arbeiten muss", sagt Vater Kroos.

Das hatten ein Christoph Metzelder und Mesut Özil jedoch auch - und scheiterten letztlich. Wie schnell es in Madrid von Himmelhochjauchzend kopfüber in die Hölle gehen kann, erlebt neben Ronaldo momentan auch Teamkollege Sami Khedira, der bei den "Königlichen" vor dem Abschied steht.

Toni Kroos beim FC Bayern mit Jürgen Klinsmann
Beim FC Bayern spielte Toni Kroos für Trainer Jürgen Klinsmann keine allzu große Rolle © Getty Images

Tendenz zum Sündenbock

Was Kroos zusätzlich bedroht: Wegen seiner oft unterkühlten Art ist er eine Person, die schnell den öffentlichen Unmut auf sich zieht.

Nach dem EM-Halbfinal-Aus gegen Italien wurde der Nationalspieler von vielen Fans und Kritikern zum Sündenbock abgestempelt.

Mehr als einmal drückte man ihm bei den Bayern das Etikett des Mitläufers auf, wurde ihm gerade in Krisenzeiten die Leaderrolle abgesprochen.

Dabei reklamiert er diese durchaus für sich: "Lassen Sie uns bitte aufhören, Real auf Ronaldo zu reduzieren. Das wird dem Verein nicht gerecht", erklärte er kürzlich.

Emanzipiert auch vom Vater

Die richtigen Antworten muss Kroos aber vor allem auf dem Platz gegen - und tut es: Stammspieler bei WM, Gala und Tor gegen Brasilien, Weltmeister.

Bei Real lechzt Kroos nun der Titelverteidigung in der Königsklasse entgegen, die bisher noch kein Team geschafft hat.

"Mit Real hat Toni den richtigen Schritt zur richtigen Zeit gewählt", sagt sein Vater. Auch ihm gegenüber hat er sich emanzipiert. So schenkte sich Kroos auch den väterlichen Segen beim Vertragsabschluss mit Real.

"Man wird nur noch informiert", sagt Roland Kroos.

Gereift auch durch eigenen Nachwuchs 

Toni Kroos ist gereift, angelangt und inzwischen selbst Vater. Die Geburt seines Sohnes Leon macht ihn anscheinend noch stärker.

In 23 Spielen gelang zwar erst ein Tor, dafür glänzte Kroos mehrfach als Vorbereiter.

Die Medien jubelten schnell: und: "Sicherer als das beste deutsche Auto." "El Mundo" wiederum krönte Kroos zum König der Königlichen, zum "wahren, bescheidenen Helden Reals."

Die Chance ist groß, diesen Status noch zu stärken.

Ein Versprechen dazu kann Kroos aber kaum abgeben - bei weiterem Patzern müsste auch in Madrid schnell wieder ein Sündenbock her.

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