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Alvaro Morata von Juventus Turin
Alvaro Morata in einem Spiel gegen Atalanta Bergamo © Getty Images

München - Alvaro Morata bringt Wucht und Tore in den Angriff von Juventus. Gegen Dortmund soll das klappen wie im Hinspiel. Bei seinem Traumverein Real Madrid hatten sie ihn für zu leicht befunden.

Der? Wirklich?

So zweifelte es bei vielen, als Juventus Alvaro Morata vor der Saison holte. Jetzt soll er die Turiner gegen Borussia Dortmund ins Viertelfinale der Champions League schießen (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER bei SPORT1 und LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm). Im Hinspiel machte er das entscheidende 2:1, am Wochenende legte er in der Liga das Siegtor in Palermo nach. Satte 14 Punkte Vorsprung bei noch elf ausstehenden Spielen - Juventus hat die Serie A mal wieder so gut wie gewonnen.

Zwei Versionen von Morata

Alle Aufmerksamkeit also auf Dortmund. Auch im Signal-Iduna-Park erwarten die Tifosi jetzt Zählbares von ihm. Schließlich bezahlte Juventus 20 Millionen Euro. Bislang gab es zwei Versionen von Morata, erst langsam nähert er sich wieder der welterobernden.

Antonio Rüdiger und Bernd Leno haben ihn gesehen, den anderen Alvaro Morata. Durch den in der zweiten Mannschaft von Real Madrid etwas von Cristiano Ronaldo schimmerte, mit seiner Athletik und seiner Torgier.

Rüdiger und Leno düpiert

In der Vorrunde der U21-Europameisterschaft 2013 war das, Morata schoss das entscheidende 1:0 für Spanien. Rüdiger, selbst mit dem Körper eines Sprinters ausgestattet, ließ sich an der Torauslinie austricksen und überrennen. Dann haute Morata dem hinten überkippenden Leno den Ball ins kurze Eck.

Der damals 20-Jährige hatte da schon drei sehr erfolgreiche Spielzeiten hinter sich, schoss Real Madrid Castilla zum Aufstieg in die zweite spanische Liga.

Überdimensionierter Jugendkicker

Das Problem: Als er seine ersten Spiele bei den großen Jungs machte, tauchte der andere Morata auf. Der, der sich einschüchtern lässt, trotz 1,90 Meter Körpergröße und einem Gewicht von über 80 Kilo.

Plötzlich zögerte Morata, wirkte wie ein schüchterner, überdimensionierter Jugendkicker. Er war keine Ergänzung zu Ronaldo, Karim Benzema und später Gareth Bale, geschweige denn ein Konkurrent.

In der vergangenen Saison stand Morata in der Primera Division nur dreimal in Reals Startelf, schoss in insgesamt 33 Pflichtspielen sieben Tore. Zu dünn für seinen Geschmack und den der Entscheider in Madrid. Deshalb wechselte er nach Turin.

In Turin kommt Morata in Form

Auch hier startete er mager, kommt bislang auf acht Startelfeinsätze in 27 Ligaspielen. Sechs davon kamen aber in den letzten neun Partien. Die Ausbeute: sieben Treffer in der Serie A, einer in der Champions League, zwei im Pokal.

"Er ist sehr schnell, kann so die deutsche Verteidigung in Gefahr bringen", lobte Juventus-Legende Fabrizio Ravanelli im SPORT1-Interview mit Blick auf die Partie in Dortmund.

Morata profitiert von Tevez

Fernando Llorente und Carlos Tevez müssen Morata schon deutlich ernster nehmen als die Alphatiere in Madrid. Mit Tevez an seiner Seite, einem der "stärksten Stürmer der Welt", habe Morata "absolut die Möglichkeit zu wachsen", findet Ravanelli.

Doch erst langsam bekommt Morata den gewünschten Respekt. Überall strampelt er um Anerkennung. Und ging schon früh einen schwierigen Weg: Mit zwölf Jahren wechselte er in die Nachwuchsabteilung von Atletico Madrid, und das als Real-Fan mit Raul-Poster im Kinderzimmer. Opa Ignacio ist aber Anhänger der Colchoneros, der Bub musste leiden.

"Er war ein Staubsauger"

Und selbst das klappte nicht auf Anhieb: Nach dem ersten Probetraining wollte ihn Atletico, der Vater legte sein Veto ein. Alvaro war in der Schule gerade durchgefallen. "Ansonsten war er ein guter Junge", erzählt Papa Alfonso. "Er hat alles gegessen, er war ein Staubsauger." Ein Jahr später fragte der Verein nochmal an, diesmal klappte es.

Morata war Balljunge im Vicente-Calderon-Stadion, himmelte beim Stadtderby aber heimlich Raul an. Über die Zwischenstation Getafe kam er 2010 endlich zu seinem Traumverein.

Beim Krafttraining zugelegt

Inzwischen hatte er dank gezielten Krafttrainings eine Statur, die seiner Größe entsprach. Und essen kann Morata immer noch fleißig.

Er bedankte sich bereits mehrfach öffentlich bei Juventus für die Chance, die der Klub ihm bietet. Das kommt nach schwierigen Jahren von Herzen. Gemeint ist aber vor allem die Chance, eines Tages wieder für Real zu spielen.

Real hat Rückkaufoption

Er hat bis 2019 in Turin unterschrieben, die Madrilenen sicherten sich aber eine Rückkaufoption. Für 30 Millionen Euro ist Morata wieder der ihre.

Mittlerweile kann er Mannschaften wie Dortmund in der Champions League wehtun. Zu sehen war das bereits im Juventus-Stadion, als er die Abwehr des BVB durchrüttelte und das Siegtor erzielte.

Die eigentliche Motivation bekommt er aber, wenn er neun Jahre zurückdenkt. An Klein-Alvaro mit Raul überm Bett und Real im Herzen.

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