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UEFA Champions League Trophy Tour 2012/13
Mit Juventus Turin gewann Fabrizio Ravanelli 1996 die Champions League © Getty Images

München - Ex-Juventus-Star Fabrizio Ravanelli spricht im SPORT1-Interview über das Achtelfinalrückspiel in Dortmund, die richtige Einstellung und BVB-Angreifer Ciro Immobile.

Wie Juventus tickt, weiß Fabrizio Ravanelli bestens. 1996 eroberte der Stürmer, Spitzname "la penna bianca" ("die weiße Feder"), mit den Turinern die Champions League, traf auch im Finale gegen Ajax Amsterdam.

Und nach seiner Karriere arbeitete er von 2011 bis 2013 als Jugendtrainer der Bianconeri, gab selbst das Erfolgscredo täglich an den Nachwuchs des italienischen Rekordmeisters weiter.

Im SPORT1-Interview spricht der italienische Ex-Nationalspieler über das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League zwischen Borussia Dortmund und Juventus (ab 20.15 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), Turins Chancen und Dortmunds Italiener Ciro Immobile.

SPORT1: Herr Ravanelli, in welcher Form sehen Sie Juventus vor dem Rückspiel in Dortmund?

Fabrizio Ravanelli: Zuletzt hat Juve in der Serie A ein wenig enttäuscht. In Palermo haben sie aber eine starke Leistung gezeigt, nicht einen Torschuss zugelassen. Und das gegen ein Team, das mit seinem Mittelfeld und Angriff durchaus Angst einflößen kann. Mit der Rückkehr von Innenverteidiger Andrea Barzagli hat Juventus einen Schritt nach vorne gemacht, kann jetzt wieder im alten System spielen. Ich denke, dass Allegri so auch in Dortmund aufstellen wird.  Juve hat alle Voraussetzungen, um ein großes Spiel zu machen.

SPORT1: Sie kennen das Umfeld der Bianconeri sehr gut. Was würde es für Juve bedeuten, das Viertelfinale zu erreichen?

Ravanelli: Es wäre fundamental. Im Viertelfinale der Champions League zu stehen, wäre dem Klub sehr wichtig, die Meisterschaft ist ja quasi schon gewonnen. Man könnte sagen, man hat die gesteckten Ziele erreicht. Und mit einer günstigen Auslosung wäre es dann sogar möglich, unter die besten vier Mannschaften Europas zu kommen.

SPORT1: Wie erwarten Sie Juve nach dem 2:1-Hinspielsieg nun in Dortmund - eher defensiv?

Ravanelli: Nein, so wie in Turin. Juve weiß, wie man gut verteidigt, es wird die Räume sehr eng machen und natürlich versuchen, mit Morata und Tevez so gut wie möglich zu kontern. Morata und Tevez sind sehr wichtige Spieler, vor allem auf den letzten 20, 30 Metern. Juve wird nach Dortmund kommen, um zu gewinnen, nicht um unentschieden zu spielen. Das ist die Mentalität eines starken Teams.

SPORT1: Wer kommt aus Ihrer Sicht weiter?

Ravanelli: Es wird eine sehr schwierige Partie, aber ich hoffe natürlich, dass Juve es schafft.

SPORT1: Welchen Fehler darf Juve nicht machen?

Ravanelli: Sie dürfen sich nicht hinten reinstellen, sie müssen selbst versuchen, das Spiel zu machen. Abgesehen von den starken Verteidigern wäre es für Juve die falsche Einstellung, nur daran zu denken, den Vorsprung aus dem Hinspiel zu verteidigen.

SPORT1: Falls es doch eine Abwehrschlacht wird: Ist Juves Keeperlegende Gianluigi Buffon dafür gerüstet?

Ravanelli: Buffon werden vor der Partie sicher nicht die Beine zittern, er hat auf allen großen Bühnen gespielt, seine Erfahrung kann der ganzen Mannschaft Halt geben.

SPORT1: In Deutschland geht der Blick stark auf Dortmunds Angreifer Ciro Immobile. Was sagen Sie zu seinem Start beim BVB?

Ravanelli: Immobilie ist sicher ein großartiger Spieler, in Italien hat er eine sehr gute Saison vor seinem Wechsel gespielt. Es ist normal, dass er sich in Dortmund erst eingewöhnen muss in seinem ersten Jahr. Er ist jung. Ich bin überzeugt, wenn er in Dortmund bleibt, wird er den Fans noch viel Spaß machen.

SPORT1: Auch Sie haben im Ausland gespielt, sich in verschiedenen Teams immer wieder neu eingewöhnen müssen. Sie können sich wahrscheinlich gut in Immobile hineinversetzen.

Ravanelli: Sicher. Ich denke, er braucht nur Zeit, um seinen Wert zu demonstrieren. Er ist ein Stürmer, der auf alle Arten Tore machen kann. Es ist es doch klar, dass er nicht in eine Stadt wie Dortmund kommt und alles wie von alleine läuft. Das braucht alles Zeit. Ich bin überzeugt, dass ihm Klopp, dieser große Trainer, diese Zeit geben wird.

SPORT1: Klopp hat Immobile immerhin beim Hinspiel in Turin spielen lassen. En guter Schachzug?

Ravanelli: Immobile war aus meiner Sicht im Hinspiel besser als viele andere Dortmunder, er hat eine gute Partie gemacht. Viel mehr konnte er auch gar nicht bewirken, denn Dortmund ist nie richtig ins Spiel gekommen, das gilt besonders für die zweite Hälfte.

SPORT1: Juves junger spanischer Angreifer Morata hat indes seit seinem Wechsel von Real zu Juve große Fortschritte gemacht. Wie erklären Sie sich das?

Ravanelli: Für einen jungen Spieler gibt es kein besseres Ambiente als Juve. Das ist ein Klub, bei dem alles ums Gewinnen geht. Im Klub gibt es eine Erziehung, eine gewisse Ethik. Auch die Stadt Turin ist dafür wie geschaffen, um sich auf großer Bühne zu bewegen.

SPORT1: Was macht Morata aus Ihrer Sicht stark?

Ravanelli: Besonders seine Geschwindigkeit. Er ist sehr schnell, kann so die deutsche Verteidigung in Gefahr bringen. Dortmund wird sicher angreifen, aber mit Vorsicht. Sie wissen, ein Tor genügt Ihnen, um sich zu qualifizieren.

SPORT1: Welche Rolle spielt der erfahrene Tevez an Moratas Seite?

Ravanelli: Tevez hat eine unheimliche Erfahrung, ist einer der stärksten Stürmer der Welt. Mit ihm spielen zu können und vor allem jeden Tag mit ihm trainieren zu können, bietet Morata absolut die Möglichkeit zu wachsen.

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