vergrößernverkleinern
Bundesliga-Schalke 04-1899 Hoffenheim-Max Meyer-Tranquilo Barnetta
Max Meyer war mit zwei Toren gegen 1899 Hoffenheim der Matchwinner beim FC Schalke 04 © Getty Images

Gelsenkirchen - Max Meyer läuft dem einstigen Leader Kevin-Prince Boateng auf Schalke den Rang ab. Der Youngster sorgt nach Schwierigkeiten mit Trainer Di Matteo für neue Aufbruchstimmung.

Es war ein Bild mit Symbolcharakter.

Kevin-Prince Boateng zog seinen Koffer hinter sich her. Der einstige Leader verließ das Stadion wortlos. Mal wieder.

Es ist inzwischen Usus, dass sich drei ausgewählte Schalker Spieler in der Mixed Zone den Fragen der Journalisten stellen. Im Idealfall welche, die dem Spiel zuvor ihren Stempel aufgedrückt haben.

Max Meyer sprach zuletzt häufiger. So auch am vergangenen Samstag. Boateng spricht seit Monaten nicht mehr, Interviews gibt der exzentrische Mittelfeldmann ebenfalls keine mehr.

Boateng schweigt

Denn auf dem Platz haben auf Schalke inzwischen andere das Sagen. Wie zum Beispiel Meyer, der dem Zehn-Millionen-Mann inzwischen den Rang abgelaufen hat. Wachablösung kann man das wohl nennen.

Boateng schmorte beim 3:1 gegen Hoffenheim 90 Minuten auf der Bank. Und auf die Frage, wie er auf seine Degradierung reagiert habe, antwortete Trainer Roberto Di Matteo nur ausweichend. Diplomatisch.

"Sie können sich vorstellen, dass ein Spieler nicht überglücklich ist, wenn er erfährt, dass er nicht in der Startformation steht. Das gilt nicht nur für ihn, das gilt auch für die anderen, die nicht von Anfang an gespielt haben", sagte Di Matteo.

Abflug im Sommer?

Eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus wird allerdings immer unwahrscheinlicher, auch wenn Boatengs Vertrag noch bis 2016 läuft und Manager Horst Heldt Wechselabsichten dementiert.

Doch bei Boateng lief zuletzt nur noch wenig zusammen. Juventus Turin soll an ihm interessiert sein, Schalke vor allem daran, im Sommer noch eine Ablöse zu bekommen.

Als Anführer, als Leitwolf geholt, ist der 28-Jährige derzeit nur noch ein Mitläufer, pendelt seit Wochen zwischen Bank und Startformation. Und das, obwohl er seine gesundheitlichen Probleme inzwischen überstanden hat. Vor einem Jahr wäre das noch undenkbar gewesen.

Da ging Boateng voran, selbst wenn er angeschlagen war. Er stellte sich, wenn nötig, als Lautsprecher schon mal verbal vor die Mannschaft. Er gilt als menschlich schwierig, doch so lange die Leistung stimmte, sah man auf Schalke darüber hinweg. Das ist wohl vorbei.

Unbekümmert und leichtfüßig

Denn Boatengs kreative Rolle nimmt nun Meyer ein. Durch ihn bekommt Schalkes Spiel eine Portion Unbekümmertheit, Elan und Esprit, die so lange vermissten Überraschungsmomente, dazu eine ganz eigene Dynamik.

Er versprüht Spielwitz, bewegt sich leichtfüßig in dem von Di Matteo eng vorgegebenen taktischen Korsett.

Der dribbelstarke U-21-Nationalspieler ist stark im Eins-gegen-Eins, zieht mehrere Spieler auf sich und schafft Räume für seine Mitspieler. Meyer sorgt damit auch für Aufbruchstimmung auf Schalke.

All das also, was mit Boateng zuletzt verloren ging. Oder zumindest mit ihm nicht mehr aufkommen wollte.

Schwerer Stand bei Di Matteo

Meyer steht für den unter Di Matteo lange vermissten Offensivgeist, den Mut, auch mal etwas Verrücktes zu wagen. Dazu ist er immer in der Lage, den Unterschied auszumachen. Wie zuletzt beim 3:1 gegen Hoffenheim, als er zwei Tore schoss.

"Man hat gesehen, wie sehr unser Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit, die Zuschauer begeistert hat. Dafür sind die Fans im Stadion: Sie wollen ein Spektakel sehen", sagte Meyer. Böse Zungen könnten nun behaupten, dass dies ein kleiner Seitenhieb gegen den Trainer gewesen sein könnte, der zuletzt zu oft Beton angerührt hatte.

Und dabei auf Meyers Kreativität auch gerne mal verzichtet hatte.

"Max war immer in meinen Plänen. Wir erwarten von ihm, dass er Spiele entscheidet", sagte Di Matteo. Meyer hatte es unter ihm allerdings nicht leicht, gilt nicht unbedingt als Lieblingsschüler des Italo-Schweizers.

Mangelnde Kommunikation

Unter dessen Vorgänger Jens Keller auf der Zehn meist gesetzt, blieb Meyer vor allem zu Beginn der Amtszeit Di Matteos außen vor. Im Oktober beschwerte sich Meyer über mangelnde Kommunikation ("Mit mir hat der Trainer bisher nicht gesprochen").

Daneben hatte der quirlige Dribbler in seinem zweiten Bundesliga-Jahr auch sportliche Anlaufprobleme. "Es ist schwieriger geworden, weil der Gegner sich auf mich eingestellt hat. Damit muss man am Anfang der Saison erst einmal klarkommen, das ist nicht so einfach", sagte Meyer.

Wichtiger Lernprozess

Eigentlich ist es ein Ritterschlag, dass das Können des 19-Jährigen ernst genommen, er selbst enger bewacht, von den Gegnern bisweilen gedoppelt wird. Für Meyer war dies aber auch ein Lernprozess.

Er musste vor allem schneller im Kopf werden. "Man muss vorher schon wissen, was man als nächstes machen will. Diese Umstellung ist nicht ganz so einfach", sagte er.

Doch Meyer ist lernwillig.

Und darf nun endlich zeigen, was er draufhat. Zu Lasten Boatengs.

Video
teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel