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Chelsea v Paris Saint-Germain - UEFA Champions League Round of 16
Jose Mourinho kann mal wieder mit Chelsea die Champions League nicht mehr gewinnen © Getty Images

München - Jose Mourinho kritisiert seine Spieler nach dem Aus gegen Paris als zu weich. Er selbst muss jetzt um jeden Preis den Titel in England holen. Die Stimmung um den Portugiesen wird gereizter.

Jose Mourinho stellt den Sieg über alles. Ohne den bleibt nichts.

Noch nie ist eine seiner Mannschaften begeisternd aus der Champions League ausgeschieden. Ein (vergeblicher) Sieg wie der des FC Schalke bei Real Madrid würde den Trainer des FC Chelsea persönlich beleidigen. Er passt nicht in sein Weltbild.

Gegen Paris zunächst nach Plan

Wie das aussieht, zeigte sich wieder perfekt beim Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Paris St. Germain. 85 Minuten lang klappte alles wie geplant: Nach dem 1:1 im Hinspiel zerstörte Chelsea das Spiel und den Willen des Gegners, bekam Zlatan Ibrahimovic vom Platz gestellt und ging zehn Minuten vor dem Ende in Führung. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Am Ende war seine Mannschaft trotzdem draußen – und Mourinho bekommt Prügel. (DATENCENTER: Spielplan)

Vereinsbesitzer Roman Abramowitsch bewertet vor allem die Bilanz in Europa, hier gilt es Ruhm zu verdienen. Zum ersten Mal seit 2009 verpasst eine von Mourinho trainierte Mannschaft das Halbfinale. Und sogar in England freuen sich die meisten darüber.

Chelseas Auftritt ein "Schandfleck"

"Diese Vorstellung war ein Schandfleck und zeigte auch die dunkle Seite der Persönlichkeit einer ausgezeichneten Mannschaft", schrieb etwa die BBC auf ihrer Webseite. Die Daily Mail sah ein "Spiel voller Boshaftigkeit, das immer an der Grenze zum Ausbruch brodelte".

Die meisten Beobachter waren sich einig: Paris war daran nicht schuldlos, Hauptverantwortlicher war aber Mourinho. Und vor allem waren die Gäste die bessere Mannschaft, glichen zweimal einen Rückstand aus.

Mourinho kritisiert Spieler

"PSG hat es verdient, zu gewinnen", sagte Mourinho und meinte: dank der Auswärtstore weiterzukommen. "Wenn eine Mannschaft zwei Eckbälle nicht verteidigen kann und zweimal ein Gegentor kassiert, verdient es diese Mannschaft nicht zu gewinnen."

Seine Spieler seien "mit dem Druck nicht fertig geworden". Etwas Schlimmeres kann er nicht über seine Mannschaft sagen.

Normal ist, was andere zerquetscht

Normalerweise erwachen Mourinhos Spieler erst unter extremem Druck zum Leben, wie Tiefseefische in 8000 Meter Wassertiefe. Normal ist für sie, was andere zerquetscht.

Auch an diesem Abend war der wahrscheinliche Ausgang der Partie klar, erst recht nach dem Platzverweis für Ibrahimovic nach einer knappen halben Stunde. Doch in den entscheidenden Momenten hatte Chelsea keine Mittel mehr, um Fußball zu spielen.

Ligapokal im Mourinho-Stil gewonnen

Bei einem Sieg wäre Mourinho mal wieder für seine Ruchlosigkeit gelobt worden. Blanc und PSG erneut zu naiv, Mou erstickt den Gegner. Schon im Ligapokal-Finale hatten die Blues das Mittelfeld mit Defensivspielern überschwemmt, Tottenhams Starangreifer Harry Kane sollte auf keinen Fall in die gefährliche Zone kommen.

Mourinho war der gehasste Held. Sein Motto: Wenn du ein Finale erreichst, musst du es gewinnen. Egal wie. Sonst hättest du dir alle Spiele zuvor sparen können.

Diesmal war "zynisch" das am häufigsten gebrauchte Adjektiv für Chelseas Auftritt. Keine Kombinationen, kein Pressing, dafür umso mehr harte Zweikämpfe und Diskussionen auf dem Platz.

Blanc beschuldigt Mourinho

"Spiele auf höchstem Niveau sind voller Druck und Anspannung. Beide Mannschaften haben den Gegner unter Druck gesetzt und Chelsea hatte daran großen Anteil", sagte der Pariser Trainer Laurent Blanc und beschuldigte Mourinho: "Es ist sogar schon vor dem Spiel passiert, als ihr Trainer Druck auf den Schiedsrichter machte. Das ist Teil des Psychospiels, alles schön und gut. Aber wenn man diese Elemente des unsportlichen Verhaltens wegnimmt, war meine Mannschaft in jedem Bereich besser als Chelsea."

Mourinho bleibt die Meisterschaft, hier hat Chelsea fünf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Manchester City bei einem Spiel weniger. Der Auftrag ist klar: Abramowitsch schätzt ihn als Garant für Titel, nicht wegen seiner sympathischen Art.

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