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München - Bayern-Trainer Pep Guardiola erhöht gegen Schachtjor Donzek den eigenen Druck bis zum Maximum. Die Hintergründe sind vielschichtig.

Er hat Europas Fußball geprägt. Mit seinem Kurzpass-Stil den FC Barcelona zu zwei Champions-League-Titeln geführt. Pep Guardiola ist ein Taktikgenie - und ein großer Selbstzweifler.

Einer, der sich selbst permanent am meisten unter Druck setzt. Und vor dem Rückspiel gegen Schachtjor Donzek (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER und im Sportradio SPORT1.fmerhöht der aktuelle Bayern-Trainer diesen Druck bis zum Maximum.

"Ich weiß, wenn wir nicht ins Viertelfinale kommen, oder die Champions League gewinnen, wird es ein großes Problem für mich", sagte Guardiola. Soll heißen: Er knüpft sein eigenes Schicksal an die Partie gegen die Ukrainer.

Große Ziele

Sein ganzes Projekt beim FC Bayern, dieser Dreijahresplan, der Jahr für Jahr besseren Fußball und eine Weiterentwicklung vorsieht, soll plötzlich von einem einzigen Spiel abhängig sein.

Nur ein Bluff, um seine Stars zu kitzeln? Oder mehr?

In der ersten Saison schnappten sich die Münchner unter Guardiolas Anleitung Meisterschaft und DFB-Pokal, scheiterten aber im Halbfinale der Königsklasse. Nun soll es bestenfalls bis auf den Champions-League-Thron gehen. Schon im Achtelfinale zu scheitern, wäre ein gewaltiges Brandmal.

Angst vor Langeweile

Um die Sorgen des Katalanen zu verstehen, lohnt es sich zurück zu schauen. Genau vor einem Jahr spielten die Münchner am 11. März im Achtelfinal-Rückspiel zu Hause gegen den FC Arsenal ums Weiterkommen, hatten ein 2:0 im Rücken. Vorher gestand Guardiola dem Journalisten Marti Perarnau: "Wenn wir ausscheiden, werden wir uns bis zum Saisonende langweilen. Deswegen ist das hier wie ein Finale."

Jetzt treten die Bayern, erneut unangreifbar in der Meisterschaft, mit einem weitaus gefährlicheren Ergebnis an - einem 0:0.

"Du kannst eine überragende Saison spielen, aber eine schlechte Halbzeit in der Champions League und du bist raus", sagte Pep Guardiola im ZDF.

Es ist das wichtigste Spiel der bisherigen Saison. Ein klarer Erfolg dürfte das Vertrauen der Spieler in Guardiolas Ballbesitzfußball und das hohe Verteidigen enorm stärken.

Heynckes' Erbe drückt

Die goldene Berliner Woche, das DFB-Pokal-Finale in Berlin Ende Mai und sieben Tage später ebendort das Endspiel in der Königsklasse, würde näher rücken. Jener 6. Juni treibt Guardiola an. Auch weil das Erbe seines Vorgängers auf ihm lastet. 

Jupp Heynckes FC Bayern - Press Conference
Jupp Heynckes gewann 2013 mit dem FC Bayern das Triple © Getty Images

"Es ist eine große Aufgabe für mich, das Niveau von Jupp Heynckes zu halten", sagte Guardiola mehr als einmal. Jene magische Nacht von Wembley und der Triple-Gewinn 2013 sind eng verwoben mit der Klubseele.

Die Fans besingen weiterhin "unsere Wembley-Nacht" und Finalheld Arjen Robben, Bilder des glückseligen Moments begegnen einem am Klubgelände und im Inneren der Allianz Arena immer wieder.

Neuer Stil

Guardiola hat Bayern umgekrempelt. Die Mannschaft verteidigt deutlich höher als unter Heynckes, Ballkontrolle und -verarbeitung sind nahezu zur Perfektion getrieben. An Glanztagen sind die Münchner so unaufhaltsam.

Doch der Ballbesitz kann zum Selbstzweck werden, wenn es das Team wie im Hinspiel versäumt seine Chancen konsequent zu suchen und zu nutzen.

Nur nicht zu viel riskieren, nicht in Konter hineinlaufen wie beim 1:4 in Wolfsburg oder im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid im Vorjahr - das war im Hinspiel Guardiolas Devise.

"Ich habe immer Angst"

Auch weil er so etwas wie ein Berufspessimist ist. "Ich habe immer Angst, ich bin immer besorgt, was morgen passiert", berichtete er vor kurzem. Und findet: "Bisher war es in meiner Karriere nicht schlecht, Pessimist zu sein."

Einigen schmeckt diese Vorsicht jedoch nicht.

Der Kicker maulte schon darüber, dass den Bayern "ein Konter-Kontroll-Komplex" erwachsen könne.

Und Ehrenpräsident Franz Beckenbauer motzte nach dem allzu zurückhaltenden Auftritt in der Ukraine - mit Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso im Mittelfeld - das sei "nicht der FC Bayern".

Alonso ist im Rückspiel gesperrt, Schweinsteiger ist die "Leaderrolle" zugedacht, wie es Keeper Manuel Neuer formuliert. Guardiolas Worte sollen auch auf ihn den gewünschten Effekt haben: maximale Konzentration, damit eine böse Überraschung ausbleibt.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Alaba - Schweinsteiger - Robben, Müller, Götze, Ribery - Lewandowski. 

Schachtjor Donezk: Pijatow - Srna, Kutscher, Rakizki, Schewtschuk - Fernando, Fred - Douglas Costa, Teixeira, Taison - Luiz Adriano.

Schiedsrichter: Collum (Schottland)

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