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Trainer Pep Guardiola vom FC Bayern im Licht
Trainer Pep Guardiola steht mit dem FC Bayern vor einem schweren Rückspiel gegen Porto © Getty Images

Pep Guardiola steht mit dem FC Bayern gegen Porto gewaltig unter Druck. Guardiolas Biograph Marti Perarnau erklärt bei SPORT1, wie der Trainer wohl auf ein Aus reagieren würde.

Missraten? Oder trotzdem gut? Wie würden die Verantwortlichen des FC Bayern selbst über die Saison urteilen, wenn ihr Klub am Dienstagabend (ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) gegen den FC Porto aus der Champions League fliegen sollte?

Im Viertelfinale. Gegen den Zweiten der portugiesischen Liga, nicht etwa gegen Real Madrid oder den FC Barcelona. Ein Debakel für einen Klub, der zuletzt dreimal in Folge im Halbfinale stand, zwischen 2010 und 2014 gar dreimal im Finale. Die nahende Meisterschale made in Germany wäre angesichts der international verpassten Meriten nur ein kleiner Trost.

"Ich weiß, dass es nicht genug ist, Deutscher Meister zu sein", sagt daher Pep Guardiola. "Nur das Triple ist genug." Es war der Kernsatz seines Auftritts am Montagmittag. Bayern werde mit aller Macht kämpfen nach dem 1:3 im Hinspiel, verkündete der Katalane. Die Spieler seien Helden. Pathos pur.

Stellt sich die Frage, wie der frühere Weltklassespieler reagieren wird, falls er zum ersten Mal in seiner Trainerkarriere beim Halbfinale nur zuschauen darf.

Marti Perarnau erwartet, dass der Liebhaber von Designeranzügen auch dann Gentleman bleibt. Keine öffentlichen Schimpftiraden also, sondern Demut.

Ein Jahr lang durfte der spanische Autor Guardiola an der Säbener Straße begleiten, sich dabei für sein bemerkenswertes Buch "Herr Guardiola" in den Zonen bewegen, die gemeinhin tabu sind.

Perarnau erwartet Demut

"Wie jeder Trainer, der die meisten seiner Spiele gewinnt, hat er nie gelernt, Niederlagen einzustecken. Es ist klar, dass er leiden wird", erklärt Perarnau nun im Gespräch mit SPORT1: "Doch Pep ist so selbstkritisch und auch so realistisch, dass er in der Niederlage den Erfolg des Rivalen anerkennen wird. Ich kann mir keine andere Reaktion vorstellen."

Dieser Rivale ist just Julen Lopetegui, der früher selbst mit Guardiola im Kader des FC Barcelona stand. Mit Mut, Angriffspressing und - ja, auch das - reichlich Härte, ließ der Trainer des FC Porto seine Mannen die Bayern im Hinspiel angehen. Die patzten prompt dreimal.

Guardiola hatte kaum Möglichkeiten zu wechseln, mit einer derart ellenlangen Verletztenliste war sein Klub angereist. Und vor dem Rückspiel wirkt noch immer der Rücktritt von Klubinstitution und Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach.

Dieser Endpunkt eines langen Zwists erwischte Guardiola zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

"Das will kein Coach der Welt"

Perarnau hat zu dem Rückzug eine klare Meinung.

"Ich denke, kein Coach auf der Welt, und noch weniger Pep, will auf seinen Arzt in der größten Verletzungskrise verzichten, zudem noch vor dem wichtigsten Spiel überhaupt", betont der Buchautor, der vor dem Spiel in Porto Guardiolas engsten Vertrauten Manel Estiarte per Handschlag begrüßte.

FC Bayern Muenchen v FC Shakhtar Donetsk - UEFA Champions League Round of 16
Vor dem Rückspiel gegen den FC Porto wirkt beim FC Bayern noch immer der Abschied von Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt nach © getty

"Ich habe Pep nie in Machtkämpfe verstrickt gesehen - weder in Barcelona noch in München. Er interessiert sich nur dafür, dass sein Team wettbewerbsfähig ist."

Demzufolge dürfte also wohl eher der von Bild kolportierte Ausbruch von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge der Auslöser für Müller-Wohlfahrts Hinschmeißen gewesen sein.

Guardiola mit realistischer Einschätzung

Auf Rummenigges leitenden Angestellten warten dennoch nach einem möglichen Aus gegen Porto unangenehme Kritikpunkte.

"Wenn du verlierst, hast du viele Probleme", stellte Guardiola dazu fest.

Der Perfektionist werkelte bislang eifrig an der Klub-DNA, brachte einen großen eigenen Stab mit, versetzte Philipp Lahm ins Mittelfeld, wechselte munter von Dreier- zu Viererkette und zurück. Dazu sein eisiges Verhältnis zu Müller-Wohlfahrt.

Effenberg warnt

"Man muss aufpassen, dass Guardiola nicht zu viel Macht bekommt", warnt Ex-Kapitän Stefan Effenberg bereits. "Das ist gefährlich für den Verein."

Allerdings ist schon jetzt klar: Guardiola wird auch im Falle eines Scheiterns in der Champions League Bayern-Trainer bleiben. "Auch nächstes Jahr arbeite ich hier", betonte er selbst. Dass diese Worte auch am Mittwoch noch Gültigkeit haben, davon ist auch Perarnau überzeugt.

Und Rummenigge, passionierter Anhänger des Katalanen, lobte Guardiola im März ebenso unmissverständlich im SPORT1-Interview als "genialen Trainer, der auch gut zur Kultur von Bayern München passt, weil er sehr sensibel mit dieser Kultur umgeht. Es wäre schön, wenn er lange bleibt."

Trotzdem würde ein Königsklassen-Aus auch die kommenden Vertragsverhandlungen beeinflussen. Die Bayern wollen mit ihm den anstehenden Umbruch bewerkstelligen, Guardiola wollte sich bisher mit Blick auf eine Vertragsverlängerung nicht festlegen. Das könnte sich dann ändern.

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