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Porto - Das Münchner Team stellt sich zum Viertelfinalhinspiel in Porto quasi von alleine auf. Pep Guardiola verbietet Jammern und ärgert sich doch insgeheim.

Pep Guardiola sagte es auf Deutsch und später noch einmal auf Spanisch.

Der Trainer des FC Bayern sagte es in Porto vor allem klipp und klar: "Wir haben in den letzten Wochen oft genug darüber gesprochen. Die Situation ist so wie sie ist."

Jammern verboten, heißt das vor dem Viertelfinalhinspiel beim FC Porto (ab 20.15 Uhr LIVETICKER u. SPORT1.fm) in Kurzform. Und "adaptarse", also anpassen, müsse sich das Team jetzt.

Der Proviant geht aus

Dabei ist die personelle Lage beim FC Bayern derzeit so angespannt wie seit Jahren nicht. Den Münchnern ergeht es wie Teilnehmern einer Polarexpedition, die plötzlich nur noch ein Päckchen Kraftriegel Proviant haben.

Die portugiesische Sportzeitung Record ließ es sich vor dem Viertelfinalhinspiel nicht nehmen, alle Verletzten des FC Bayern in einem Infokasten aufzuführen: Arjen Robben, Franck Ribery, Javier Martinez, Bastian Schweinsteiger, David Alaba, Medhi Benatia und Ersatzkeeper Tom Starke, also.

Die mögliche Aufstellung des FC Bayern München beim Gastspiel gegen den FC Porto
Die mögliche Aufstellung des FC Bayern München beim Gastspiel gegen den FC Porto © SPORT1

Am Halbfinaleinzug soll das die Münchner nach Guardiolas Willen aber nicht hindern.

Schon am Montag, einen Tag eher als sonst üblich, jettete die Truppe daher nach Nordportugal, am Dienstag wurde im Drachenstadion noch einmal intensiv geübt.

Zusammenrücken gefragt

Doch keine Anspannung stand in den Gesichtern, sondern freudige Erwartung. Aus einem einfachen Grund: Die Spieler des FC Bayern fühlen sich gestählt dadurch, dass sie in Dortmund und Leverkusen trotz der angespannten Lage als Sieger vom Platz gingen.

"Wenn man mit so einem dezimierten Kader antritt und es knapp ist, dann rückt man als Gruppe noch mehr zusammen", bestätigte Thomas Müller. "Das kann uns auch gegen Porto helfen, das Auge ist nicht mehr so auf Konkurrenzkampf gerichtet, sondern es geht darum, eine Einheit zu bilden."

Lob für Dante

Die Ausnahmesituation, so die positive Interpretation, lässt die Bayern als Team wachsen.

Dante, lange nur Edeljoker, blühte zum Beispiel bei seinen letzten Einsätzen auf, so dass Sportvorstand Matthias Sammer gar schwärmte: "Ich glaube, der könnte alle zwei Tage spielen."

Guardiola hat zuletzt Dante gepriesen, geschwärmt, er hätte am liebsten 1000 von dieser Sorte.

Der Brasilianer genießt seine gestiegene Wertschätzung. Er habe die Kritik gehört und seinerseits "auch Selbstkritik" geübt, berichtete er vor dem Abflug an die Atlantikküste.

Pizarro angeschlagen

Dort angekommen, strahlte der Lockenkopf in Bayerns Teamquartier gleich Zuversicht aus - genauso wie Xabi Alonso, der am Dienstagabend bei der obligatorischen Kreiselübung stolperte und sich mit einem Grinsen am wiedergenesenen Thiago Alcantara festhielt.

Claudio Pizarro schaute indes nur zu. Muskuläre Probleme stoppten den Angreifer. Ob er am Mittwoch fehlen wird, ist offen. Guardiola hätte noch eine Option weniger.

Das Team stellt sich eh fast wie von selbst auf. Im Mittelfeld mit Philipp Lahm, Xabi Alsono und Thiago, davor Thomas Müller, Robert Lewandowski und Mario Götze. In der Viererkette dürfte Badstuber die besseren Karten gegenüber Dante haben.

Zweite Mannschaft bietet keine Optionen

Einen Plan B gibt es nahezu nicht.

Pep Guardiola
Pep Guardiola hat derzeit wenig Möglichkeit, seine Mannschaft personell rotieren zu lassen © Getty Images

Der Trainer erträgt die Situation und leidet. Wie SPORT1 erfahren hat, ärgert sich Guardiola enorm darüber, dass er so wenige Optionen hat, die zweite Mannschaft, aktuell nur viertklassig, liefert keine Talente nach.

Der Unmut ist darüber intern groß, es ist ja noch nicht allzu lange her, dass aus der U 23 Spieler wie Thomas Müller, Holger Badstuber oder David Alaba hervorgingen.

Allerdings ist Guardiola auch ein Trainer, der am besten ist, wenn der Druck am größten ist. Dann kommt er auf überraschende Lösungen wie die defensive Ausrichtung in Dortmund mit drei gelernten Innenverteidigern.

Kader wird größer werden

Matthias Sammer beeindruckt Guardiolas Erfindungsreichtum und doch deutete er am Montag an, dass der FC Bayern in der nächsten Saison so eine Situation nicht mehr erleben wolle.

Auf eine entsprechende Frage sagte der Sportvorstand, dass der Kader dann wieder größer sein werde.

Aktuell nützte das aber wenig. Zumal 50.000 frenetische Porto-Fans ja darauf hoffen, dass der Favorit im Drachenstadion stolpert. Die Bayern werden sich dagegen wehren. Kämpferisch und entschlossen.

"Entweder du fällst in Ohnmacht", sagte Sammer zur Ausgangslage, "oder du hast eine kleine feine Gruppe dabei, das kann man als Chance sehen. Die Rollenverteilung ist klar."

Soll heißen, Unruhe im Kader, dass einer nicht spielt, die gibt es im Moment nicht. Zumindest das ist ein Vorteil.

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