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Sport1-Meinung zur Auslosung Bayern - Barcelona © Sport1/Getty Images

München - Das Spiel des FC Bayern gegen Barcelona in der Champions League wird für Pep Guardiola besonders. Alle Augen werden auf ihn gerichtet sein. Und das ist gut so.

Barcelona also.

Der Weg des FC Bayern München zum begehrten Titel in der Champions League hat die denkbar schwerste Richtung eingeschlagen. An guten Tagen schlägt die Mannschaft von der Isar jeden Gegner der Welt, eine Mannschaft, gespickt mit Weltmeistern, sollte und wird ohnehin keine Angst vor niemandem haben.

Doch niemand wird bestreiten, dass dieses Spiel eben kein gewöhnliches Halbfinale ist. Es wird Pep Guardiolas Spiel, es wird seine Begegnung mit der Vergangenheit, ja, mit all dem, was er ist und wofür er steht. Daher hat er – wie sein Pendant Luis Enrique zur gleichen Zeit rund 1.300 Kilometer entfernt  – erst gar keinen Versuch unternommen, das Spiel und dessen Bedeutung kleinzureden. "Ich komme nach Hause", sagte Guardiola.

Der Katalane hat sich vor drei Jahren entschieden, wegzugehen. Weg von der Heimat, weg von seinen Wurzeln. Bei seiner emotionalen Abschiedsrede am 5. Mai 2012 vor den über 90.000 Zuschauern im Camp Nou sagte Guardiola: "Ihr müsst wissen, dass ich derjenige bin, der am meisten verliert. Aber der Gürtel ist zu eng geworden, ich lockere ihn nun."

Guardiola war 2013 nach München gekommen, um die Champions League zu gewinnen. Um sich und der Welt zu beweisen, dass er auch außerhalb Kataloniens funktioniert, dass seine teils ins Geniale abdriftende Vorstellung vom Fußball auch ohne einen Jahrhundertfußballer wie Leo Messi funktioniert. Ohne das gewohnte Umfeld in einem Landstrich Spaniens, in dem der Fußball und das, wofür er steht , mehr ist als nur Fußball. So wie Barcelona mehr ist als nur ein Klub und somit eben gar nicht so weit weg ist vom "Mia san mia" seiner neuen Heimat.

Im vergangenen Jahr erlebte Guardiola mit den Bayern im Halbfinale gegen Real seine bislang bitterste Stunde, dieses Spiel hat lange an ihm genagt. Die Chance zur direkten Revanche bekommt er nun erst frühestens in einem Finale.

Vorher muss er seine alte Liebe, seine Heimat ausschalten. Guardiola wusste, dass dieser Moment eines Tages kommen wird. Es wird der ultimative Test für ihn.

In München fremdeln sie noch immer ein wenig mit dem Spanier. Es wird auch die Chance für beide Seiten, diese Distanz aufzugeben. Ein bisschen wie der Moment, wenn man zum ersten Mal mit der neuen Freundin auf die Ex trifft.

So oder so: Die Fußballfans dürfen sich freuen.

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