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München - Real Madrid fehlen vor dem Derby gegen Atletico wichtige Stützen. Toni Kroos bläst dennoch zum Angriff. Atletico setzt auf seinen Status als Angstgegner.

Bei allem Ernst war am Tag vor dem großen Spiel zumindest einer noch zum Scherzen aufgelegt.

"Atletico ist Favorit, weil wir in unserer Stadt spielen", sagte Enrique Cerezo, Präsident von Atletico Madrid, vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) im Interview mit Gestiona Radio. Wohlwissend, dass der Gegner Real Madrid heißt, aus derselben Stadt kommt und die Partie im Stadion der Königlichen steigt.

Doch damit nicht genug. Auch zu den allgegenwärtigen Verletzungssorgen der Königlichen hatte der Atletico-Boss einen lockeren Spruch auf Lager.

"Die Reichen heulen nicht rum. Wie also könnte Real rumheulen?", fragte Cerezo lapidar und erklärte: "Real hat eine zweite Reihe auf der Bank, die absolut fantastisch ist."

Real ohne Bale und Benzema

Und doch kommt der amtierende Champions-League-Sieger nach dem 0:0 im Hinspiel dieser Tage personell arg gebeutelt daher. In Gareth Bale und Karim Benzema fehlen die zwei "B" des als "BBC" gefürchteten Angriffstrios verletzt, einzig Weltfußballer Cristiano Ronaldo ist noch übrig. Auch Mittelfeldstratege Luka Modric fällt aus, dazu ist Linksverteidiger Marcelo gesperrt.

"Natürlich ist es für uns nicht gut, dass einige Spieler ausfallen", gesteht auch Reals deutscher Nationalspieler Toni Kroos, aber: "Es bringt jetzt nichts, darüber zu lamentieren, weil die werden nicht da sein."

Es müssen also andere in die Bresche springen. Stürmer Javier Hernandez, genannt Chicharito, zum Beispiel. Oder Fabio Coentrao als Linksverteidiger. Und vielleicht sogar ein gewisser Sami Khedira?

Ancelotti hält sich bedeckt

"Alle Spieler, die zur Verfügung stehen, verdienen es zu spielen, weil sie in Sachen Motivation und Fitness in einem sehr guten Zustand sind", sagte Carlo Ancelotti zu einem möglichen Einsatz des in Madrid zuletzt etwas in Vergessenheit geratenen Weltmeisters.

So sehr die Journalisten auch nachbohrten, der Trainer der Königlichen wollte sich in Sachen Personal aber noch nicht in die Karten schauen lassen. Zumindest an der taktischen Ausrichtung will Ancelotti trotz der Ausfälle aber festhalten und entkräftete damit Spekulationen, er könnte auf ein System mit Dreierkette umstellen.

Wer auch immer das 4-4-2 oder 4-3-3 der Königlichen am Mittwochabend mit Leben füllen soll: Es wird in jedem Fall eine Elf der Extraklasse auf dem Platz stehen.

Fans geben Khedira einen Korb

Nach Schätzungen der Marca beträgt der Marktwert der voraussichtlichen Aufstellung von Atletico knapp 250 Millionen Euro - und die Colchoneros können nach der Genesung von Mario Mandzukic voraussichtlich in Bestbesetzung antreten. Real bringt es trotz "Notbesetzung" immer noch auf über 415 Millionen Euro.

"Ich habe schon oft gesagt, dass ich den besten Kader der Welt habe", stellte daher auch Ancelotti fest.

Geht es nach den spanischen Fans, trägt Khedira dazu inzwischen aber nicht mehr allzu viel bei. Bei einer Abstimmung der as über die Startformation für Mittwochabend erhielt der Nationalspieler die wenigsten Stimmen aller verfügbaren Mittelfeldspieler.

Kroos stichelt gegen Atletico

Ganz im Gegensatz zu Nationalmannschaftskollege Kroos, der bis Dienstagabend sogar mehr Stimmen erhalten hatte als Weltfußballer Ronaldo - und in Madrid inzwischen auch verbal vorangeht.

"Wir wollen und werden trotzdem weiterkommen", betonte der 25-Jährige am Tag vor dem Spiel trotz aller Personalsorgen selbstbewusst, ehe er auch noch gegen den Stadtrivalen stichelte: "Wir kennen Atletico. Wir wissen, dass sie mit einer gewissen Härte spielen und den Schiedsrichter gerne unter Druck setzen."

Das wollte man beim Gegner so nicht stehen lassen.

"Ich glaube nicht, dass darauf unser ganzes Spiel basiert", erklärte Atleticos Mittelfeldspieler Koke auf Kroos' Vorwurf angesprochen: "Wir machen schon noch andere Sachen, als nur auf den Schiedsrichter einzuwirken."

Vorjahresfinale "schon vergessen"

Und das durchaus erfolgreich, wie vor allem Real in dieser Saison schon des Öfteren zu spüren bekam.

Ganze sieben Mal standen sich die Stadtrivalen seit August schon gegenüber, keine einzige Partie konnten die Königlichen für sich entscheiden. Neben der Niederlage im spanischen Supercup und dem Achtelfinal-Aus in der Copa del Rey gingen auch beide Liga-Partien verloren.

Während sich die positiven Erinnerungen bei Real daher auf den Triumph im Vorjahresfinale der Königsklasse beschränken, ist jenes Spiel bei Atletico angeblich längst aus den Köpfen verbannt.

"Das ist schon vergessen", erklärte Präsident Cerezo und kündigte, diesmal ganz im Ernst, für Mittwochabend an: "Ich erwarte ein umkämpftes, schönes Spiel mit vielen Emotionen."

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