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Turin - Das Rekordtor von Cristiano Ronaldo war nicht genug. Titelverteidiger Real Madrid muss im Rückspiel gegen Juventus Turin eine Niederlage wettmachen.

Toni Kroos war ziemlich ungehalten, nachdem sein Traum vom Heimfinale in Berlin ein Stück in die Ferne gerückt war. "Wir haben das Spiel durch viel zu viele einfache Fehler hergeschenkt", monierte der Weltmeister nach Real Madrids 1:2 (1:1) bei Juventus Turin.

Die Königlichen, die ja als erster Verein überhaupt den Champions-League-Sieg im darauffolgenden Jahr wiederholen können, haben nun gegen die cleveren Italiener eine knifflige Aufgabe vor sich. Trainer Carlo Ancelotti ist deshalb "ernsthaft besorgt".

Statistik spricht gegen ein Weiterkommen

Dies muss er zurecht sein. Nach einer Niederlage im Champions-League-Halbfinalspiel sind die Spanier in bislang acht Versuchen noch nie weitergekommen.

Ronaldos 76. Tor in der Königsklasse

Dass Cristiano Ronaldo in diesem Halbfinal-Hinspiel bereits zum 76. Mal in der Königsklasse getroffen hatte und damit vor dem Auftritt Barcelonas und Lionel Messis gegen Bayern München zunächst zum alleinigen Rekordhalter aufstieg, interessierte nur am Rande.

Das Tor in der 27. Minute hatte vor allem Bedeutung, weil es die Hoffnung auf das Endspiel am 6. Juni in Berlin erhielt. In vier von sieben Fällen seiner reichen Europapokalgeschichte hat Real bislang einen 1:2-Rückstand gewendet. "Das Tor von Cristiano könnte Gold wert sein", befand die spanische Sportzeitung Marca.  

Kroos: "Hätten mehr Fußball spielen müssen"

Von noch größerer Relevanz war allerdings die Leichtfertigkeit, mit der sich Real zunächst von der "Undecima", dem elften Triumph im wichtigsten Europapokal, entfernte. "Wir haben uns oft verdribbelt, hätten mehr Fußball spielen müssen", betonte Kroos bei Sky.

Sein Coach Ancelotti war da ganz bei ihm, wollte aber die Schuld nicht allein auf Sergio Ramos abladen, der auf der "Sechs" das durch die Verletzung von Luka Modric bestehende Vakuum nicht ausfüllte.

"Wir haben mehr Fehler gemacht als sonst, nicht nur Sergio Ramos", sagte er. Ramos wurde gleichwohl medial heftig gerügt, ebenso wie der blasse Gareth Bale. Ramos habe im Mittelfeld wie ein "Schiffbrüchiger" gewirkt, meinten AS und Marca. Bale sei gar "abwesend" gewesen.

Keine genialen Momente

Aber auch Kroos hatte einen Auftritt, der eher mittelmäßig war. Seine Passsicherheit kam zwar zur Geltung, der Ex-Bayern-Profi fügte ihr jedoch keine genialen Momente hinzu. "Kroos war nicht der Direktor des Orchesters", schrieb El Mundo Deportivo aus Barcelona.

Tevez an beiden Juve-Toren beteiligt

Da hatten Juves alter Haudegen Andrea Pirlo (35) und vor allem der Argentinier Carlos Tevez doch mehr Einfluss. Tevez war zunächst am 1:0 durch Ex-Real-Stürmer Alvaro Morata (8.) beteiligt und traf später selbst per Foulelfmeter (57.).

Pirlo meinte danach: "Wir haben unsere Botschaft geschickt: Wir sind da, wir wollen in dieses Finale!"

Buffons Signal an Real

Eine Botschaft war auch, wie triumphierend Gianluigi Buffon den Ball in den Händen hielt, als er die letzte Freistoßflanke von Kroos abgefangen hatte - so als wolle er sagen: Seht her, ihr kommt an uns nicht vorbei. "Wir haben bewiesen, dass wir auf demselben Niveau wie Real spielen", betonte der 37-Jährige.

Die italienische Presse sparte daher nicht mit Lob für die Mannschaft von Massimiliano Allegri. Juve sei "eine Mischung aus taktischer Weisheit, technischer Fähigkeit und kriegerischem Geist" und damit ein "Albtraum für jeden Gegner", kommentierte die Gazzetta dello Sport, und formulierte in Richtung der Königlichen: "Real Madrid ist von der eigenen Arroganz besiegt worden." Der Corriere dello Sport sieht nun "beste Chancen" für Juve.

Und in der Tat wird es für Real im Estadio Bernabeu keinesfalls leicht. Dieser Überzeugung ist auch Kroos. "Wir müssen Geduld haben. Ein 1:0 würde reichen, und wir hoffen, dass wir es mit unseren Fans im Rücken drehen können. Aber es wird schwer."

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