Video

München - Der FC Bayern sortiert sich vor dem Halbfinal-Hit in Barcelona neu. Die Kritik der Experten wird lauter, doch Müller und Sammer zeigen sich kämpferisch.

Dass man vor einem Scheinriesen keine Angst haben muss, zeigt sich erst aus der Nähe. Aus der Ferne betrachtet, wirkt der Riese ungeheuerlich und unbezwingbar.

Blickt man aktuell auf den FC Bayern München, entdeckt man viele Parallelen. Zur Geschichte von Jim Knopf und zu vielen Spielen der Münchner. Denn nur die Gegner, die sich klein machten, waren chancenlos.

Die, wie das Quartett aus den Top-Fünf der Liga aufbegehrten, sammelten Punkte. Wolfsburger, Gladbacher und Leverkusener verließen in der Rückrunde gegen den FCB mit einem Grinsen und als Sieger den Platz, Schalke spielte in München immerhin remis.

Ergo: Wagt man sich als Rivale möglichst nahe an die vermeintlichen Superbayern heran, ist es rasch mit der Münchner Herrlichkeit vorbei.

Barca brilliert

Und ausgerechnet jetzt fahren die Münchner mit dem beinahe letzten Aufgebot zum Champions-League-Halbfinale gegen den aktuell überragenden FC Barcelona (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVETICKER und im deutschen Sportradio SPORT1.fm). Auf ein 6:0 gegen Getafe folgte am Samstag ein beeindruckendes 8:0 gegen Cordoba. Noch Fragen?

"Die Voraussetzungen sind sehr ungünstig. Für mich ist Bayern München leichter Außenseiter", meinte Ex-Nationalspieler Andreas Möller im Volkswagen Doppelpass und teilte damit exakt die Einschätzung von Matthias Sammer.

Doch der FCB-Sportvorstand hat natürlich keine Lust schon vorher aufzugeben. "Bei allem Respekt, Barcelona hat beim Tabellenletzten gespielt", meinte Sammer angriffslustig: "Wir haben auch einige Weltmeister in unseren Reihen, deshalb werden wir uns nicht klein machen."

Matthäus erkennt Nervosität

Christoph Metzelder und Lothar Matthäus bewerten nach den jüngsten Rückschlägen und dem Pokalaus gegen den BVB die Lage deutlich kritischer. "Das Personalproblem wiegt schwer, deswegen eher ein düsterer Ausblick für die nächsten Wochen", sagte Ex-Nationalspieler Metzelder bei Sky.

Und Matthäus ging sogar noch weiter. "Sie wirken sehr nervös und haben nicht mehr die Souveränität, die sie in den letzten Jahren ausgezeichnet hat", meinte der einstige Bayern-Kapitän.

Und er fügte an: "Karl-Heinz Rummenigge poltert gegen jeden. Einige Spieler sind unzufrieden und Guardiola wechselt viel durch. Das alles trägt dazu bei, dass die Sicherheit nicht vorhanden ist."

Tendenz spricht gegen Bayern

Die aktuelle Tendenz macht den Bayern wenig Hoffnung: Die Bayern gewannen nur drei der letzten sechs Pflichtspiele – ähnlich schlecht lief es vor ziemlich einem Jahr beim Halbfinal-K.o. gegen Real Madrid.

Zuvor hatten die Münchner ihre 25. Meisterschaft vor allem dank ihrer Konstanz gefeiert. Gegen die Mannschaften von Platz sechs abwärts gab es bisher 22 Siege bei nur einem Unentschieden. Gegen die Top 5 der Liga sah es ganz anders aus.

Hoffen auf Lewandowski

Der Eindruck verfestigt sich, dass der FCB immer dann Probleme kommt, wenn er auf Widerstände trifft und Rückschläge hinnehmen muss.

In Barcelona werden jetzt Arjen Robben, David Alaba, Holger Badstuber und Franck Ribery fehlen. Und das Bangen um Robert Lewandowski, Maskenfrage inklusive, wird die Münchner bis zum Anpfiff im Camp Nou beschäftigen.

Die Bayern stacheln sich derweil bestmöglich vor der Fahrt zur katalanischen Fußballgroßmacht selbst an.

"Werden uns nicht verstecken"

Der in Leverkusen geschonte Thomas Müller kündigte am Sonntag an: "Wir sind der FC Bayern, wir werden uns nicht verstecken."

Und der Weltmeister baut auf einen besonderen Bayern-Bonus der vergangenen Jahre. Das Halbfinale verursacht ihm und vielen anderen im Team kein Herzklopfen mehr - "es ist mein fünftes in den letzten sechs Jahren".

Auch SPORT1-Experte Thomas Helmer bleibt optimistisch. Trotz aller Widrigkeiten. "Die Mannschaft, die defensiv besser steht, wird gewinnen und da sehe ich die Bayern stärker", sagte der Ex-Münchner im Volkswagen Doppelpass.

Wenn die Münchner gegen Neymar, Lionel Messi und Suarez bestehen, wären sie Riesen, keine Scheinriesen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel