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Barcelona - Luis Enrique gibt Barcelona ein neues Gesicht. Der Trainer und Weggefährte Pep Guardiolas scheut dabei Konflikte genauso wenig wie Sticheleien in Richtung Halbfinalgegner FC Bayern.

Er hat Lionel Messi auf die Bank gesetzt. Der Superstar reagierte angefressen, grimmig. Es war der letzte große Kampf, den Luis Enrique, Trainer des FC Barcelona, geführt hat. Im Januar.

Das Barca-Volk grummelte, Messi grummelte. Doch inzwischen lächeln beide wieder dem Trainer ins Gesicht. Messi, weil er mit 40 Ligatoren und 19 Assists eine grandiose Saison spielt, sich sogar mit der Rolle auf der rechten Außenbahn arrangiert hat.

Ein Klub auf Triplekurs

Und die Barca-Anhänger, weil Enrique den Klub Richtung Triple steuert: Erster in La Liga, Finalist im spanischen Pokal und leichter Favorit im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Bayern (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER und im deutschen Sportradio SPORT1.fm).

Vor allem hat es der 44-Jährige vermocht, das Barca-Spiel kraftvoller und effizienter zu machen. Der katalanischen Ballmaschine verhalf er zu einem direkteren Stil, ins Repertoire dürfen nun auch mal weite Bälle in die Spitzen eingestreut werden.

Enrique erweitert das Repertoire

Zudem stellt sich Barca unter Enrique bei Bedarf auf die Gegner ein - wie beim jüngsten 2:1-Sieg über Real. Die Orientierung am Gegner, früher wäre es noch ein Tabubruch gewesen. Genauso übrigens wie das emsige Arbeiten an Standards. Das galt ja als Stilmittel kleiner Teams und eines Gigantens wie Barca nicht würdig.

Doch Enrique, von Fall zu Fall auch Konterfußball zugetan, will auf dieses Instrument nicht verzichten. Die Innenverteidiger Gerard Pique und Jeremy Mathieu, der gegen die Münchner wegen Achillessehnenproblemen ausfällt, waren so in der Primera Division schon fünf- beziehungsweise zweimal erfolgreich.

Enrique krempelt Barca um - in kleinen Schritten. Denn am Credo des Kurzpassspiels hält er fest ebenso wie am 4-3-3-System. Das verwundert andererseits wenig angesichts all dieser Edeltechniker wie Andres Iniesta, Messi und Neymar und seiner Trainerausbildung.

Mit Guardiola auf der Schulbank

Die absolvierte er just an der Seite des heutigen Bayern-Coachs Pep Guardiola. Gemeinsam büffelten sie Taktik, Psychologie und Ernährungspläne, beide dabei mit unbändigem Ehrgeiz.

"Pep war der Fleißigere, ohne Zweifel“, kommentierte das Enrique am Dienstagnachmittag auf SPORT1-Nachfrage. Der Trainer wirkte erstaunlich entspannt, begrüßte auch beim Abschlusstraining die Reporter mit einem kräftigen "Buoenos dias."

"Ich mag den FC Bayern unter Guardiola", sagte er wenig später. "Sie sind sehr angriffsstark und sie stecken wenig Tore ein. Guardiola hat Bayern seinen Stempel aufgedrückt.“

Enrique stichelt gegen Bayern

Bereits als Spieler trugen Enrique und Guardiola gemeinsam das Barca-Trikot, 2008 folgte Enrique, wie Guardiola Jahrgang 1970, dem ehemaligen Kollegen als Trainer von Barcelonas zweiter Mannschaft, arbeitete so zwei Jahre lang Pep und dessen Dauersiegern zu.

Das Verhältnis gilt als freundschaftlich. Was kleinen Sticheleien nicht entgegensteht.

"Bei so einer Auslosung denke ich immer, wie wenig Glück derjenige hat, der gegen dieses Barca antreten muss", meinte Enrique, unmittelbar nachdem die Paarung feststand. "Wir wollen zuhause und auswärts gewinnen."

OESTERREICH - SPANIEN ( AUT - ESP )1:3
Kollegen bei Barca und in der Nationalelf Spaniens: Guardiola (Nr. 4) und Enrique (links daneben, Nr. 8) © Getty Images

Gewaltiges Selbstvertrauen

Aktuell demonstriert sein Team nach 14:0-Toren in der Primera Division gegen Getafe und Cordoba den entsprechenden Hunger. "Das gibt uns einen Schub", sagte der Chefstratege, der dennoch ein "hartes und kompliziertes Duell" erwartet.

Ausdauer dafür hat der Marathon- und Triathlonfan, Bestzeit 2:57- beziehungsweise 10:19-Stunden. Die Startnummern der beiden Ironman-Teilnahmen in Nizza und Frankfurt hat er sich eigens aufgehoben. Aus Motivationsgründen.

"Xavi akzeptiert Rolle als Ergänzungsspieler"

Im stets unruhigen Klubumfeld von Barcelona ist er nach anfänglichen Turbulenzen obenauf geblieben. Sein früh gegründeter Ruf, ein leidenschaftlicher Kämpfer zu sein, hat dem Ex-Offensivspieler dabei geholfen und auch glücklich gelöste Personalentscheidung.

"Er hat es geschafft, das ein Idol wie Xavi die Rolle als Ergänzungsspieler akzeptiert", erklärt David Lopez Palomo im Gespräch mit SPORT1.

Der Journalist berichtet für die Tageszeitung "El Mundo" über Barcelona und kann auch die Stimmung im Fanlager einschätzen. "El Barcelona juega bien al fútbol" ("Barcelona spielt schönen Fußball"), heißt es da. Und dieses sehenswerte Spiel ist weiterhin die wichtigste Währung für einen Trainer in Kataloniens Hauptstadt.

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