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Mario Götze wurde in der 79. Minute für Müller eingewechselt © Imago

München - Mit Mario Götze klumpt das Spiel des FC Bayern in Barcelona. Der Weltmeister kassiert heftige Kritik. Götze selbst verkriecht sich und scherzt mit dem Gegner.

Mensch, so sieht man sich wieder. Mario Götze und Marc-Andre ter Stegen gewannen 2009 zusammen den Titel bei der U-17-Europameisterschaft, gehörten beide zur UEFA-Auswahl der besten Mannschaft des Turniers.

Sechs Jahre später haben sie es ins Camp Nou geschafft, ins Halbfinale der Champions League. Da plaudert es sich gut nach dem Schlusspfiff. Der Bub aus dem Allgäu und der Jong aus Mönchengladbach haben einiges hinter sich. (DATENCENTER: Spielplan und Ergebnisse)

Kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in der U17: Marc-Andre ter Stegen (l.) und Mario Götze © Imago

Scherze deplatziert

Götzes Lächeln, seine Scherze mit ter Stegen wirkten aber deplatziert. Denn so viel die beiden verbindet: An diesem Abend trennten sie drei Tore. Am Donnerstagabend meldete sich Götze via Facebook zu Wort. "Wer jetzt denkt, dass mich die Niederlage nicht interessiert, der ist total auf dem Holzweg", stellte er klar.

Ter Stegen hatte über 90 Minuten gerade einmal einen abgefälschten Schuss auf sein Tor bekommen. Götze dagegen kam beim FC Bayern erst in der 79. Minute ins Spiel.

Ein paar Sekunden später schoss Lionel Messi sein zweites Tor. Das war zwar nicht primär Götzes Schuld, passte hinterher aber in die Erzählung. Vom Platz gegangen war nämlich Thomas Müller.

Mit Götze klumpt das Spiel

Und mit ihm die letzte Hoffnung auf ein Tor der Bayern. Mit Götze klumpte das Spiel nach vorne.

"Manchmal kommt er mir in seinen Bewegungen wie ein Jugendspieler vor, der Zweikämpfe verliert und stehen bleibt. Das passt natürlich nicht zum FC Bayern", hatte Franz Beckenbauer schon vor dem Spiel bei Sky  geschimpft über Götze. "Es wird Zeit, dass er langsam erwachsen wird."

Barca kracht durchs Bayern-Mittelfeld

Schlimmer noch: In den letzten zehn Minuten entblößten die Gäste ihr Mittelfeld, ließen Barca hindurchkrachen bis zur Abwehr, wo Messi, Neymar und Suarez nur noch höchstens einen Gegenspieler vor sich hatten.

Götze versuchte es in all dem bayerischen Durcheinander, doch er versumpfte. Keine Chance. Einmal bekam er den Ball und lief los, lief und lief, nach vorne links, immer weiter, kein Kollege in Sicht. Ein Gegner kam hinzu, dann noch einer. Götze wusste, was kommen würde. Genau wie seine Kollegen, die waren längst stehengeblieben. Götze verlor den Ball.

Joachim Löws Spruch aus dem WM-Finale lässt sich nach diesem Spiel leicht ins Lächerliche ziehen: Götze solle der Welt doch zeigen, dass er besser ist als Messi. Viele haben das auch schon getan online, die  bei Twitter geäußerte Kritik beißt. Unter anderem war zu lesen, dass Götze pomadig spiele.

Ungerechter Vergleich

Das ist ungerecht. Fünf Jahre jünger als der Argentinier hat Götze noch alle Möglichkeiten zu einer herausragenden Rolle beim FC Bayern, auch wenn er dauerhaft wohl nie Messis Klasse erreichen wird.

Vielmehr ist das Problem die Fallhöhe. Weltmeistertor und 37 Millionen Euro Ablöse haben die Erwartung angekurbelt. Und sie kurbeln noch.

Götze wirkt oft seltsam entrückt, große Gesten sind nicht seins. Dadurch sieht es so aus, als interessiere es ihn nicht, dass seine Mannschaft verliert.

Guardiola vertraut Götze nicht

In Barcelona hatte Guardiola alle Eigenheiten Messis hingenommen. Auch der Argentinier hat manches Mal keine Lust, für die Kollegen zu laufen. Doch hier war immer klar: Der Mann gewinnt einem Spiele, und zwar die wirklich wichtigen, regelmäßig. Guardiola vertraute Messi vollkommen.

Götze dagegen hat es nie auch nur ansatzweise in diesen Rang geschafft beim Trainer. Dabei braucht er genau das: einen, der ihm das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein. Wie Joachim Löw und Jürgen Klopp es immer getan haben.

Ist Götze wirklich seine Marke wichtiger, sein Social-Media-Auftritt? Er selbst äußert sich seit Wochen nicht mehr. Auf Kritik hat er noch nie laut oder deutlich verbal geantwortet. Warten auf die Erweckung.

Watzke verteidigt Götze

Fürsprecher hat er aber natürlich immer noch. "Er hat das Potenzial, bei jedem Verein der Welt den Durchbruch zu schaffen", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei bild.de. "Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten."

Eine Rückkehr zum BVB dürfte aber wohl an den Dortmunder Fans scheitern. Götze muss also beweisen, dass "Qual" zu seinem Wortschatz gehört. Und nicht nur "#partofgötze".

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