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Kommentar zum FC Bayern München
SPORT1-Reporter Mathias Frohnapfel kommentiert die Situation beim FC Bayern nach der Pleite in Barcelona © Getty Images

Die klare Niederlage beim FC Barcelona lässt die Probleme beim FC Bayern sichtbar werden. Und die Kritik an Pep Guardiola wird lauter - vor allem an seiner Taktik.

Die Party ist vorbei. Es liegen zwar noch Konfettischnipsel herum und vereinsamte Luftschlangen, doch die Kaltgetränke schmecken schon schal. So wird es dem FC Bayern am kommenden Dienstagabend ergehen beim so gut wie feststehenden Abschied aus der Champions League.

Die 0:3-Pleite beim FC Barcelona besiegelt nicht nur schon vor dem Halbfinal-Rückspiel das Ende dieser Königsklassen-Saison, sondern stellt für den Klub auch einen Wendepunkt dar. Die Aufräumarbeiten nach einem turbulenten Endspurt beginnen, unangenehme Fragen inklusive.

Warum geht den Münchnern jetzt die Puste aus? Physisch, aber auch mental.

Die zig Verletzten haben dem Team wehgetan, genauso aber auch, dass manche Spieler wie Jungspund Juan Bernat oder die Routiniers Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm (der eine überspielt, die anderen von Verletzungen zurückgeworfen) im Schlussakkord wenig zuzusetzen haben.

Weshalb fehlt den Bayern immer wieder, je näher der Uhrzeiger Richtung Abpfiff wandert, die Konzentration? Gegen Dortmund gab man im Pokalhalbfinale das Spiel aus der Hand, scheiterte grotesk im Elfmeterschießen. In Barcelona kassierten die Roten in der Nachspielzeit das 0:3. Musste denn unbedingt noch kopflos auf den Anschlusstreffer gespielt werden?

Pep Guardiola muss sich zudem fragen lassen, ob er gegen seinen Ex-Verein die richtige Taktik wählte. Die frühe Umstellung in der Abwehr und am Ende das nackte Ergebnis sprechen nicht dafür.

Statt Thomas Müller gegen Mario Götze auszuwechseln, hätte er wohl besser die Defensive stärken sollen.

Überhaupt, Götze. Die Ausnahmebegabung war in Barcelona einmal mehr nur Ersatz. Stärker hat ihn Pep seit Amtsantritt 2013 bisher nicht gemacht.

Weitere entscheidende Fragen sind: Wie wird künftig die medizinische Abteilung aufgestellt? Dass Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach zig Rangeleien mit Pep Guardiola mitten in der Saison hinwarf, wirkte sich gravierend aus.

Gleiches gilt für den zu eng geschnittenen Kader. Zwar war die Verletzungsmalaise außergewöhnlich, das Sicherheitsnetz allerdings reichlich dünn. Wie werkelt der FCB nun am Personal für die neue Saison?

Konsequenterweise wird der Trainer jetzt kritischer beäugt. Die Meisterschale wiegt relativ wenig angesichts der jüngsten Enttäuschungen in Pokal und Champions League.

Unangreifbar ist auch Guardiola nicht, trotz aller Wertschätzungen der Bayern-Bosse. In einem Punkt wird der Spanier nun in die Defensive gedrängt: Er muss bald Farbe bekennen, ob er über 2016 hinaus bleiben möchte oder nicht.

Ist das der Fall, könnten die Münchner in Abstimmung mit dem Coach millionenschwer investieren, die Hierarchien im Team, wie Karl-Heinz Rummenigge bei SPORT1 vor einiger Zeit angedeutet hatte, tatsächlich wackeln lassen.

Guardiola kann mit seiner Erfahrung den Umbruch einleiten und umsetzen. Bekennt er sich aber nicht in nächster Zeit zum FCB, wird die Diskussion um seine Person täglich größer werden - gerade nach dem Auftritt in Barcelona.

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