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Berlin - Der FC Barcelona feiert gegen Juventus Turin als erster Verein zum zweiten Mal das Triple. Trotz des Abschieds von Großmeister Xavi soll das erst der Anfang sein.

Es war ein Bild mit Symbolcharakter. Die katalanische Flagge, eingepflanzt im Anstoßpunkt des Berliner Olympiastadions, wie einst die US-amerikanische nach der Mondlandung.

Ein bisschen was hatte es auch von Mondlandung, was die Spieler des FC Barcelonamit ihrem Finaltriumph in der Champions League gegen Juventus Turin vollbrachten. Triple-Sieger, zum zweiten Mal nach 2009. Das hat zuvor noch kein Klub geschafft.

Dafür fielen die Feierlichkeiten nach der Partie sogar relativ gesittet aus. Einzig Spaßvogel Dani Alves sorgte in der Interviewzone mit laut aufgedrehtem Ghettoblaster für ein bisschen Aufsehen. Den Pokal trugen Xavi und Sergio Busquets still und heimlich hintenrum raus.

Aber Triumphe sind sie bei Barca eben auch gewöhnt. Der von Berlin war der Höhepunkt einer Epoche, die irgendwann wohl mal als die goldene Barca-Ära gefeiert werden wird. Vier Champions-League Titel in neun Jahren, im gleichen Zeitraum sechs spanische Meisterschaften - die Katalanen haben den Weltfußball geprägt wie kein anderes Team.

"Diese Generation schreibt Geschichte"

Da war es nur folgerichtig, dass der kleine, oft unscheinbare Mann, der diese große Orchester jahrelang dirigierte, am Ende auch den silbernen Henkelpott als Erster entgegennehmen durfte. Für Xavi Hernandez war es das letzte Spiel im Barca-Trikot. Er verkörpert wie kein anderer die Idee des Tiki-Taka, des immerwährenden Ballbesitzes.

Am Samstag dürfte er die schlechtesten Statistiken seiner gesamten Barca-Kariere gehabt haben. Knapp 20 Minuten Spielzeit, lediglich zwei Pässe spielte er, davon kam auch nur einer an. Die Huldigungen waren im trotzdem gewiss.

"Heute war es nur richtig, dass Xavi den Pokal entgegennehmen durfte", sagte dessen kongenialer Partner Andres Iniesta. Der war immerhin Kapitän bei Anpfiff und wurde völlig zu Recht zum "Man of the Match" auserkoren.

"Glücklich und stolz" sei er, ließ Xavi hinterher wissen. "Diese Generation schreibt Geschichte. Ich gehe jetzt, aber ich bin mir sicher, dass die anderen weiterhin Großes erreichen werden."

Luis Enrique hat Barca weiterentwickelt

Es deutet viel darauf hin, dass er damit Recht hat. Denn nach drei Jahren auf Identitätssuche seit dem Abschied von Pep Guardiola hat sich Barca unter Coach Luis Enrique neu erfunden. Das Ballbesitz-Mantra hat Bestand, aber es wurde weiterentwickelt.

Gegen Juve hatten die Katalanen in der zweiten Halbzeit nur 56 Prozent Ballbesitz, im Halbfinale gegen Guardiolas FC Bayern sogar zum ersten Mal seit Menschengedenken weniger als der Gegner.

Barca ist vielseitiger geworden, unberechenbarer als in den Jahren nach dem bis Samstag letzten Champions-League-Triumph 2011.

Weitere Triumphe sollen folgen

Das Ende der von Xavi geprägten Epoche könnte deshalb auch zum fließenden Übergang zu einer neuen werden. Dominiert wird das Spiel von den drei südamerikanischen Superstars Neymar, Luis Suarez und Lionel Messi. Der Fummler, der Knipser und der Außerirdische - keiner älter als 28 - haben in dieser Saison gemeinsam sagenhafte 122 Tore erzielt.

Gemeinsam mit Organisator Sergio Busquets, auch erst 27, und vielleicht in Zukunft ja auch mit dem ungestümen, aber unwiderstehlichen Paul Pogba von Gegner Juve, können sie noch viel erreichen.

"Wir sind eine einzigartige Generation. Und wir haben noch viele Jahre vor uns, um noch mehr zu gewinnen", sagte Gerard Pique.

Luis Enrique lässt Zukunft offen

"Wir haben das Gewinnen noch lange nicht satt", versicherte auch Luis Enrique. Seine eigene Zukunft ließ er nach dem Triple im ersten Amtsjahr aber trotz Vertrags bis 2016 offen.

Wenn es nach den Spielern geht, dürfte er wohl gerne bleiben. Gab es zu Saisonbeginn Anpassungsschwierigkeiten, zwischendurch dann sogar einen Zoff mit Messi, war der Trainer bei den Feierlichkeiten auf dem Rasen des Olympiastadions mittendrin.

Die Profis ließen Enrique hochleben, gemeinsam mit Xavi ging er Arm in Arm und die Vereinshymne schmetternd vom Siegerpodest und auch für Messi hat er inzwischen Streicheleinheiten übrig.

Gemeinsam haben sie den Mond erreicht. Auf geht's Richtung Mars.

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