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Berlin - Berlin will beim Champions-League-Finale seinen Ruf als guter Gastgeber wahren. Dafür greift die klamme Haupstadt sogar in die Tasche. Stimmung und Aussichten sind blendend.

Der DJ ist schon in Topform. Mit schmachtvollem Blick singt er das italienische Lied mit, das gerade aus seinen Boxen über den Alexanderplatz dröhnt.

Alles ist angerichtet am zentralen Treffpunkt Ost-Berlins für die Fans von Juventus Turin, die sich hier warmfeiern sollen für das große Finale der Champions League gegen den FC Barcelona.

Am Freitagmittag singt der DJ noch für sich alleine. Auf dem Platz, wo sich die Bratwurst-Bude mit zwei italienischen und einer Juve-Flagge geschmückt hat, verlaufen sich zwischen asiatischen Touristen und schwäbischen Familienurlaubern erst eine Handvoll Fans.

Sogar zwei im Trikot des FC Bayern beißen etwas missmutig in ihre Wurst, ihre Wette auf ein Finale mit Münchner Beteiligung ist nicht aufgegangen.

Aber deswegen muss man ja noch lange nicht Hunger leiden.

Berlin rechnet mit Mehreinnahmen

Der einzig deutsche Aspekt dieses Endspiels wird neben Barca-Torhüter Marc-Andre ter Stegen also der Austragungsort sein.

Und der gibt sich alle Mühe, seine ohnehin schon hohen Beliebtheitswerte bei internationalen Touristen weiter nach oben zu treiben.

Knapp sechs Millionen Euro lässt die Stadt sich das Finale kosten, Sportsenator Frank Henkel erhofft sich aber ein Vielfaches davon an direkten und indirekten Einnahmen.

Mit bis zu 100 Euro Umsatz pro Fan rechnen Experten, Übernachtungskosten nicht eingerechnet.

Vor allem für das Image könnten die Bilder, die am Samstag in 200 Länder live ausgestrahlt werden, aber noch viel größeren Wert haben.

"Das ist ein Aushängeschild für Berlin. Berlin ist eine Sportstadt und das ist eine große Stadtwerbung", sagt Christian Tänzler vom Tourismusverband "visitBerlin" im Gespräch mit SPORT1.

Fanmeile ohne Public Viewing

Sogar ihren besten Platz haben die Berliner hergegeben für die große Finalsause der UEFA. Rund ums Brandenburger Tor hat sich das "Champions Festival" breitgemacht. Eine bunte Mischung aus Jahrmarkt, Sponsorenmesse und Fußballfest mit Kleinfeld-Turnier.

Hier tummeln sich bei strahlendem Sonnenschein am Freitag schon deutlich mehr Fans als im Rest der Stadt. Zum Epizentrum der Begeisterung dürfte die Fanmeile dieses Mal aber eher nicht werden.

Denn das einzige was es hier nicht zu sehen geben wird ist: das Finale. Im Gegensatz zu den letzten großen Turnieren findet kein Public Viewing auf der Straße des 17. Juni statt.

Sicherheitsbedenken sagen die einen, Vorgabe der UEFA die anderen.

180 zusätzliche Flüge erwartet

Den internationalen Gästen wird es vermutlich egal sein. Denn selbst denen, die nicht zu den 40.000 (20.000 aus jedem Fanlager)  Glücklichen gehören, die ein Ticket ergattert haben, bieten sich in der Weltstadt Berlin genug Möglichkeiten.

180 zusätzliche Flüge werden auf den Berliner Flughäfen im Zusammenhang mit dem Finale erwartet. Die Berliner Polizei twittert zur Feier des Tages auf deutsch, spanisch und italienisch die wichtigsten Infos.

Und sie werden ordentlich zu tun haben, die Begeisterung der südländischen Fans zu zügeln. Schon bei der Ankunft der Barca-Superstars am Freitag im Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz jubelten Lionel Messi, Neymar und Co. etwa 1000 Anhänger zu. Einige kletterten sogar aufs Vordach des Hotels, um einen besseren Blick zu erhaschen.

Barca-Fans feiern wie der BVB

Am Abend vor dem Finale wird die Stimmung bei hochsommerlichen Temperaturen dann auf den Amüsiermeilen der Hauptstadt hochkochen.

Vor allem in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain - Viertel in denen man auch sonst schon mit spanisch fast so gut durch kommt wie mit englisch - warten zahlreiche Bars auf durstige Gäste.

Am Samstag geht es für die Juve-Fans dann auf dem Alexanderplatz weiter. Die Barca-Anhänger treffen sich, wie schon die Fans von Borussia Dortmund am vergangenen Samstag, auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche.

Sorge machen sich die Berliner ob der zweiten Fußball-Invasion binnen weniger Tage aber nicht. "Mit dieser Größenordnung bekommt die Stadt keine Probleme", sagt Christian Tänzler zu SPORT1.

"Wir sind solche Veranstaltungen gewöhnt. Berliner lassen sich nicht aus der Ruhe bringen."

Und opfern dafür sogar mal die Nachtruhe. Weil knapp die Hälfte der auswärtigen Fans schon Samstagnacht wieder abreisen, wurde sogar das Nachtflugverbot aufgehoben.

Ein guter Gastgeber kümmert sich nach dem Ende der Party eben auch darum, dass seine Gäste gut nach Hause kommen - und dort erzählen wie schön es war.

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