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Barcelona - Marc-Andre ter Stegen steht mit dem FC Barcelona vor seinem bislang größten Titelgewinn. Doch dass er weiter nur die Nummer eins in Teilzeit ist, wurmt ihn.

Zuspruch wird Marc-Andre ter Stegen eigentlich nicht brauchen.

Einen Anruf von Uwe Kamps wird er wohl trotzdem bekommen. Sein früherer Ausbilder bei Borussia Mönchengladbach wird sich nach dem Befinden erkundigen. Möglicherweise einige Szenarien durchspielen. Und natürlich Glück wünschen für das anstehende Finale der Champions League am Samstag mit dem FC Barcelona gegen Juventus Turin.

Hin und wieder telefonieren: Das halten die beiden schließlich so, seit ter Stegen vor knapp einem Jahr ausgezogen ist, um bei einem der größten Klubs sein sportliches Glück zu versuchen.

In den Gesprächen mit dem Gladbacher Torwarttrainer machte ter Stegen in der Vergangenheit keinen Hehl daraus, dass er ein wenig unzufrieden ist, unruhig. Denn zum Einsatz kommt er "nur" im Pokal und in der Champions League, in der Liga spielt sein Rivale Claudio Bravo.

So manch anderer Profi wäre mit dem Status Quo wahrscheinlich hochzufrieden. Doch ter Stegen reicht das nicht. Mehr noch: Es wurmt ihn.

"Ein schwieriges Jahr"

"Pokal und Champions League sind sehr wichtig, aber ich arbeite und gebe jeden Tag auch im Training 100 Prozent, um alle Spiele zu spielen. Wir steuern alle etwas zum Erfolg bei, aber natürlich fühlt man sich am nützlichsten, wenn man spielt", sagte ter Stegen, der bislang 20 Pflichtspiele absolvierte.

Lob gab es zuletzt von allen Seiten. Das ist alles schön und gut, doch darum geht es dem U 21-Nationaltorhüter gar nicht primär. Auch wenn die warmen Worte der Klub-Legenden Lionel Messi und Xavi einem Ritterschlag gleichkamen.

"Ich traue ter Stegen zu, dass er in den nächsten 10, 12 oder 15 Jahren Barcas Nr. 1 sein wird. Ich habe noch nie so einen Torhüter gesehen, der so geschickt am Ball ist", sagte Xavi der Sport. "Ich kannte ihn überhaupt nicht, aber seine Eigenschaften könnten ihn zum besten Torwart der Welt machen", sagte wiederum Messi.

Immer auf dem Platz stehen

Doch ter Stegen interessiert das nur am Rande. Er will jede Woche auf dem Platz stehen, die unumstrittene Nummer eins und kein Teilzeit-Stammspieler sein. Auch wenn er das äußerst erfolgreich macht.

Den Pokal hat er schon gewonnen, der Titel in der Königsklasse soll nun folgen. In beiden Fällen sind es schließlich auch seine Titel. Denn in beiden Fällen hat er einen wichtigen Anteil am Erfolg der Mannschaft, auch wenn ter Stegen gerne Understatement betreibt, wenn es um seine Person geht.

"Mir ist es nicht wichtig, beim Sieg eine vorrangige Rolle zu spielen. Es geht nicht um einen einzelnen Spieler, jeder hat seine Rolle und gibt einhundert Prozent, um zu gewinnen. Das Kollektiv steht im Mittelpunkt", sagte er.

Und das sagt im Grunde viel über den Ex-Gladbacher aus. Ter Stegen ist zwar extrem ehrgeizig, positiv verbissen, wie er es einmal nannte, dazu fokussiert und entschlossen. Nach außen hin ist er jedoch eher schüchtern und zurückhaltend. Im Mittelpunkt dürfen gerne die anderen stehen.

Debüt mit 18 im Abstiegskampf

Stattdessen spielte er schon immer sein Spiel, ungeachtet äußerer Faktoren oder Einflüsse. Sein Bundesliga-Debüt gab er im Frühjahr 2011 im Alter von 18 Jahren, mitten im Gladbacher Abstiegs- und Existenzkampf.

Ungewohnte und teils peinliche Patzer, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft, konnte er bislang schnell abhaken, Formtiefs entledigte er sich im Eiltempo. Persönliche Niederlagen oder Rückschläge waren für ihn vor allem ein Lerneffekt, verbunden mit der Erkenntnis, dass er sich aus diesen Phasen herauskämpfen kann. "Er besitzt eine enorme mentale Stärke, die ein Torhüter braucht", sagte Kamps.

Fußballerische Fähigkeiten

Daneben ist er in Barcas System elfte Anspielstation, beeindruckte seine Mitspieler neben seinen Reflexen auf der Linie vor allem durch sein fußballerisches Können und die Fähigkeit, Spielsituation zu antizipieren. "Marcs Vorteil ist die Spieleröffnung. Es gibt kaum einen Torwart, der fußballerisch solche Fähigkeiten hat“, so Kamps über seinen ehemaligen Schützling, für den Nervosität oder Lampenfieber offenbar Fremdwörter sind.

"Für mich ist es immer das Gleiche. Wenn man unter der Woche hart arbeitet, wird man auch gut spielen. Meine Mentalität ist es, mein Spiel zu spielen und das Beste für die Mannschaft zu geben. Es ist wichtig, dass wir alle das gleiche Ziel haben", sagte ter Stegen.
Das "gleiche Ziel" ist nun der Henkelpott. Es wäre der erste richtig große Titel in der Karriere des 23-Jährigen, der zweite mit dem FC Barcelona. Und damit immerhin einer mehr als Claudio Bravo.

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