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FC Barcelona v Bayer 04 Leverkusen - UEFA Champions League
Roger Schmidt tröstet Hakan Calhanoglu. Leverkusen wird in Barcelona für eine starke Leistung nicht belohnt © Getty Images

Leverkusen - Bayer schrammt gegen Titelverteidiger Barca nur knapp an der Sensation vorbei. Komplett mit leeren Händen stehen die Leverkusener aber nicht da.

Christoph Kramer lächelte bitter. Der Weltmeister nahm es mit Humor. Er versuchte es zumindest.

"Schön, so eine Leistung gesehen zu haben, aber bitter, dass du dann hier stehst und keine Prämie gemacht hast", sagte der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen.

Kramer brachte es damit grundsätzlich auf den Punkt. Denn kurz zuvor hatte die Werkself das zweite Gruppenspiel der Champions League beim FC Barcelona mit 1:2 verloren.

Am Rande der Niederlage

Bayer hatte beim Titelverteidiger über weite Strecken eine starke Leistung gezeigt. Hatte den Sieg vor Augen, die Katalanen am Rande der Niederlage und schnupperte an der Sensation. Nicht nur Spaniens Blatt AS fragte, "wie zum Teufel Bayer die Deutschen diese Chance vergeben haben."

Doch viel kaufen kann sich Bayer für seine gute Leistung letztlich nicht. Zumindest nicht auf den ersten Blick.

Denn für Leverkusen ging es in Barcelona nicht nur darum, die Schmach des 1:7 vom 7. März 2012 auszumerzen.

Für Bayer geht es auf der internationalen Bühne grundsätzlich auch immer um Reputation, um Ansehen. Um den Beweis, dass die Mannschaft, der ganze Klub auch mal aus dem Schatten der Großen heraustreten kann. Diesen berühmten nächsten Schritt vollziehen kann. Eine kleine Reifeprüfung sozusagen.

Ohne Messi einfallslos

Und diesen Beweis hatten die Leverkusener durchaus erbracht. Lange fiel dem überraschend biederen FC Barcelona nicht viel ein. Lange hatte der Ausfall von Superstar Lionel Messi große Lücken im Spiel hinterlassen, die Bayer eiskalt nutzte und sich so zahlreiche Chancen erspielte. Mit Mut und Engagement, dass man bei Bayer so gegen große Gegner selten gesehen hatte.

Barca fehlten ohne die durch Messi besetzte klassische Zehnerposition Kreativität und Ideen im Spiel nach vorne. Als Barca jedoch das System umstellte und Neymar schließlich in der zweiten Halbzeit in die Zentrale rückte, verlor Bayer mehr und mehr den Zugriff.

Angst vor der eigenen Courage

Zu diesem Zeitpunkt hätte die Werkself jedoch schon 3:0 führen können, wenn nicht sogar müssen.

Es war wie so oft unter Trainer Roger Schmidt: Bayer setzte die Katalanen mit dem eigenen, offensiven Pressing früh unter Druck, verschob und investierte viel, wodurch mit zunehmender Spieldauer aber auch die Kräfte und die Konzentration schwanden.

Es ist das Risiko des intensiven Systems, vielleicht war es aber auch ein wenig die Angst vor der eigenen Courage, denn selten war die Chance so groß, in Barcelona tatsächlich etwas mitzunehmen. Sergi Roberto (80.) und Luis Suarez (82.) drehten die Partie schließlich binnen zwei Minuten.

"Barca leidet mehr als erwartet, aber Lionel Suarez hat die Aspirin-Tablette", schrieb die Marca.

Leno, der beim Gegentor zum 1:1 nicht gut aussah, befand: Die Enttäuschung sei diesmal größer als bei der 1:7-Schmach 2012.

Den großen Schritt verpasst

Die Rechnung wäre wohl sogar aufgegangen, hätte Bayer eine der zahlreichen hochkarätigen Möglichkeiten beispielsweise durch Chichiarito unmittelbar nach dem Anpfiff und kurz nach dem Seitenwechsel genutzt. Zu selten hatte Leverkusen die Angriffe clever ausgespielt. Ein Manko, das auf diesem Niveau hart bestraft wird.

"Es ist traurig, dass wir verloren haben. Aber was wir auf dem Platz abgeliefert haben, ist wichtig. Wenn wir uns hinten reingestellt und 1:2 verloren hätten, hätte uns das nicht befriedigt", sagte Schmidt. Der Bayer-Coach war dabei hin- und hergerissen zwischen Stolz und Enttäuschung, wohl wissend, dass seine Mannschaft den ganz großen Schritt nach vorne verpasst hat.

"Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit in Barcelona gespielt, gegen eine der besten Mannschaften der Welt. Darauf lässt sich aufbauen", sagte Kramer.

Auch Schmidt sah letztendlich das Positive, auch wenn Bayer statt einer Prämie bitteres Lehrgeld zahlen musste: "Wir wollten schauen, wo unsere Grenzen sind in der Art zu spielen. Das Spiel war eine Chance für uns, daran zu wachsen, und es war gut für mich zu sehen, wie mutig wir das angegangen sind."

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